Olympia

Gold, Silber, Lotterie Damen glänzen im Schnee

Am dreizehnten Wettkampftag holen die deutschen Winter-Olympioniken nach, was sie am Tag zuvor verpasst haben: sie holen Medaillen. Golden und silbern glänzt das Edelmetall, das Skirennläuferin Viktoria Rebensburg und die Langlauf-Staffel der Frauen schmückt. Enttäuscht sind nur die Kombinierer, sie fühlen sich veralbert.

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Viktoria Rebensburg ist mit 20 Jahren schon Olympiasiegerin - und findet das "unglaublich".

(Foto: DPA)

Lange mussten die deutschen Alpin-Damen auf eine olympische Goldmedaille warten, nun haben sie bei den Winterspielen in Vancouver gleich zwei gewonnen. Nachdem Maria Riesch in der Super-Kombination die zwölfjährige Durststrecke nicht gänzlich unerwartet beendet hatte, legte Viktoria Rebensburg nun reichlich überraschend nach. Eine Woche nach Rieschs Triumph fuhr die 20-Jährige im Riesenslalom mit einem starken zweiten Lauf von Platz sechs auf den ersten Rang vor und holte das achte deutsche Gold bei den Winterspielen.

"Das ist unglaublich, der absolute Wahnsinn. Gold ist ein Traum", sagte Rebensburg, nachdem sie sich mit gerade einmal 20 Jahren in den Sportgeschichtsbüchern als neunte deutsche Alpin-Olympiasiegerin verewigt hatte. Drei Titel hat sie schon bei Junioren-Weltmeisterschaften gewonnen, im Weltcup aber stand sie noch nie ganz oben. Doch dass Erfolge im Weltcup kein Muss für Triumphe bei Großereignissen sind, hat bereits Rodler Felix Loch bewiesen. Der 20-Jährige feierte seine Sieg-Premiere im Weltcup erst, nachdem er schon zwei WM-Titel gewonnen hatte. Nach seinem Olympiasieg in Vancouver lautet seine Bilanz nun: ein Weltcupsieg, aber zweimal WM- sowie einmal Olympia-Gold.

Doch zurück zu Viktoria Rebensburg. Die 20-Jährige war im Riesenslalom aus deutscher Sicht eigentlich nur das, was man gern Geheimfavorit nennt. Erste deutsche Medaillenanwärterin war Weltmeisterin Kathrin Hölzl, die sich jedoch mit einem durchwachsenen ersten Lauf schon alle Siegchancen genommen hatte. Am Ende gelang ihr lediglich der Sprung von Platz zehn auf Rang sechs, die Medaillen gewannen andere. Silber hinter Rebensburg sicherte sich die Slowenin Tina Maze vor Elisabeth Görgl aus Österreich, die als Führende in den zweiten Lauf gegangen war.

Frauenstaffel besser als die Herren

Nach Rebensburgs Gold-Fahrt ging es für Deutschland glänzend weiter. Mit Silber über 4 x 5 Kilometer polierten die Langläuferinnen ihre Bilanz weiter auf und gewannen ihre zweite Medaille in Vancouver. Nach dem Gold-Coup von Claudia Nystad und Evi Sachenbacher-Stehle drei Tage zuvor im Teamsprint zeigten die Langläuferinnen in der Loipe im Whistler Olympic Park erneut ihre Klasse und ließen den sonst so kritischen Bundestrainer Jochen Behle verstummen, dessen meist gehätschelte Herren in ihrem Staffelrennen enttäuscht hatten.

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Glückliche Zweite: Katrin Zeller, Evi Sachenacher-Stehle, Miriam Gossner und Claudia Nystad.

(Foto: dpa)

Zusammen mit Katrin Zeller und Miriam Gössner kam das Erfolgsduo Sachenbacher-Stehle/Nystad hinter den enteilten Norwegerinnen und vor Finnland ins Ziel. Die 29-jährige Norwegerin Marit Björgen holte damit ihr drittes Gold und ist mit zusätzlich einmal Bronze bereits jetzt die erfolgreichste Teilnehmerin der Spiele. Über 30 Kilometer hat sie am Samstag noch die Chance, auch in ihrem fünften Olympiastart eine Medaille zu gewinnen.

Kombinationsspringen eine Farce

Hingegen erlebten die Nordischen Kombinierer in der Einzel-Entscheidung ein Debakel. Die Deutschen zogen bei der Wind- und Wetterlotterie auf der Großschanze nur Nieten und waren chancenlos – ein Schicksal, das sie mit Favoriten wie dem französischen Weltcup-Führenden Jason Lamy Chappuis oder dem dreifachen österreichischen Olympiasieger Felix Gottwald teilten. Als bester des DSV-Quartetts belegte Björn Kircheisen beim Sieg des US-Amerikaners Bill Demong den 20. Rang vor seinem Landsmann Johnny Spillane. Dritter wurde Bernhard Gruber (Österreich), der im Springen die mit Abstand beste Weite erzielt hatte.

"Das war kein fairer Wettkampf. Man hätte unter diesen Bedingungen niemals springen dürfen. Das war eine reine Lotterie, in der nicht der Beste, sondern der Glücklichste gewinnt. Das hat mit Olympischen Spielen nichts zu tun", sagte Bundestrainer Hermann Weinbuch. Der Österreicher Gottwald wurde noch deutlicher: "Der Unterschied zwischen Athleten und Jury ist der, dass sich die Athleten vier Jahre auf Olympia vorbereiten und die Jury im Warmen sitzt. Die besten Athleten sind heute vorgeführt worden. Das war eine Schande - und das bei Olympia."

Grischin siegt mit Stil

Den Sprung-Wettbewerb der Ski-Freestyler gewann Alexej Grischin, er war das erste Gold bei Winterspielen für Weißrussland. "Das ist historisch", rief daher Dmitri Schitschko, Chef der weißrussischen Delegation anschließend. Grischin siegte vor Jeret Peterson aus den USA und dem Chinesen Liu Zhongqing. Peterson brach nach dem Wettkampf in Tränen aus: "Ich weiß, dass viele Leute einiges durchmachen müssen und ich wollte ihnen zeigen, das man alles überwinden kann. Es ist immer Licht am Ende des Tunnels und meins ist aus Silber und ich liebe es."

Peterson musste im Juni 2005 ansehen, wie sein Mitbewohner mit einem Kopfschuss Selbstmord beging. Diesem Trauma folgten Alkohol- und Drogenprobleme - und ein Selbstmordversuch. Bei den Winterspielen 2006 in Turin verpatzte er im Finale seinen zweiten Sprung und verpasste eine Medaille. Anschließend ließ er sich zum ersten Drink seit einem halben Jahr verführen, geriet in der Bar in eine Schlägerei und wurde daraufhin von der US-Delegation vorzeitig nach Hause geschickt.

Kim deklassiert die Konkurrenz

Eiskunstlauf-Gold sicherte sich Kim Yu-Na aus Südkorea. Sie zeigte nach einem perfekten Kurzprogramm auch eine perfekte Kür und siegte mit neuem Weltrekord vor der Japanerin Mao Asada und Joannie Rochette aus Kanada. Die 24-jährige Lokalmatadorin wurde für den Gewinn der Bronzemedaille drei Tage nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter vom Publikum frenetisch gefeiert.

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Debüt geglückt: Sarah Hecken überzeugte in Vancouver im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

(Foto: dpa)

Eine ordentliche Leistung in der Kür zeigte auch Deutschlands jüngste Teilnehmerin an den Winterspielen in Vancouver. Die 16-jährige Sarah Hecken verbesserte sich nach Platz 23 im Kurzprogramm noch auf den 18. Platz. Ihr Fazit: "Mit einer Platzierung unter Rang 20 kann man sehr zufrieden sein."

USA führt wieder

Vor den letzten 16 von 86 Entscheidungen liegt Deutschland mit achtmal Gold, elfmal Silber und siebenmal Bronze in der Länderwertung knapp hinter dem US-Team (8/12/12) auf Rang zwei. Kanada (8/6/3) feierte mit dem 2:0 im hochklassigen Eishockey-Finale der Frauen gegen die USA ebenfalls den achten Olympiasieg. Eishockey-Bronze holte Finnland - das damit seine Medaillenausbeute in Vancouver verdoppelte.

Den Gastgebern winkt derweil weiteres Gold im Curling: Das Damen-Finale erreichten Kanada und Schweden, im Herren-Endspiel kommt es zum Duell Kanada gegen Norwegen.

Quelle: ntv.de, cwo/dpa/sid

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