Olympia

Das Schlimmste kommt erst noch IOC feiert bizarre Spiele als perfekt

imago1004516071h.jpg

Thomas Bach freut sich über Applaus, Kritik mag er weniger.

(Foto: imago images/PanoramiC)

Alles super, alles toll, besser hätte es gar nicht laufen können - für den deutschen IOC-Boss Thomas Bach sind die Olympischen Spiele 2021 ein großartiger Erfolg. Kritische Fragen lässt er im Zweifel einfach abblocken. Dabei werden es bis Peking 2022 nur noch mehr.

Mit weniger als der Rettung der Welt gab sich Thomas Bach auch am Schlusstag dieser Pandemie-Spiele von Tokio nicht zufrieden. Ehe im Olympiastadion die Flamme erlosch, sprach er von diesem "Gefühl", das sich in den vergangenen zwei Wochen verbreitet habe, man habe es "fühlen, hören und sehen" können. "Diese Spiele", sagte der IOC-Präsident, "haben zum richtigen Zeitpunkt stattgefunden", sie hätten "Hoffnung und Vertrauen" geschenkt, nicht nur der olympischen Gemeinschaft, "sondern der ganzen Welt".

Diese bizarren Geisterspiele waren für Bach alles - nur keine Geisterspiele: "Wir haben das Gegenteil gesehen", behauptete er. Ein "großer Erfolg für Japan, das IOC und die gesamte Sportwelt" sei dieses Tokio 2020 im Jahre 2021 gewesen, ein Sportfest mit Wärme, obwohl sich niemand in den Armen liegen durfte. Mit Emotionen trotz leerer Tribünen. Und mit einer "olympischen Seele" - entgegen aller Befürchtungen. Diese Seele "haben die Athleten Tokio gegeben", sagte Bach.

Es waren Athletinnen wie Turnerin Simone Biles, die zu ihrer Schwäche stand. Wie die Hochspringer Gianmarco Tamberi und Mutaz Essa, die sich brüderlich Gold teilten. Wie Japans Judoka, die den Kampfsporttempel Nippon Budokan zur uneinnehmbaren Festung machten und damit die Stimmung bei den lange olympia-skeptischen Zaungästen merklich aufhellten. Wie auch hochbezahlte Athleten wie Alexander Zverev, die sich wie Kinder über olympische Erfolge und Erfahrungen freuten.

Eine Flucht aus Tokio nach Polen

Doch auch in Tokio gab es das seelenlose Olympia, das die bunten Bilder der IOC-eigenen Produktionsfirma OBS nicht vollständig auszublenden vermochten. Das einsame Olympia in den Quarantänehotels, über das sich nicht nur Radsportler Simon Geschke beklagte. Das berechnende Olympia der Russen, die trotz aller Regelbrüche und anschließender Sanktionen klar erkennbar als Russen Medaillen abräumten und sich in der Heimat für so viel Widerstandsgeist feiern ließen.

Und es gab das schockierend politische Olympia, das die belarussische Leichtathletin Kristina Timanowskaja in Angst vor der eigenen Heimat versetzte und den Spielen einen Polit-Thriller einbrockte, mit dem das IOC nicht umgehen kann. Zu nachsichtig sind die Herren der Ringe mit manchem Machthaber, der seinen Einfluss auf der sportlichen Bühne manifestieren will. Alexander Lukaschenko verhöhnt die olympischen Werte aus Minsk, in Tokio werden zwei Sündenböcke rausgeschmissen, und die Show geht weiter. Auch das ist die olympische Seele.

Und jetzt Peking. China. Genau 180 Tage liegen zwischen der Schlussfeier in Tokio und der Eröffnung der Winterspiele. Corona wird es auch dann noch geben, die Einschränkungen für Einreisende dürften noch größer ausfallen als im Pandemie-Sommer 2021 in Japan.

Größter Geldgeber verliert massig Zuschauer

Doch was sind schon ein paar Wochen Quarantäne, tägliche Tests und strenge Kontrollen gegen die Qualen der Uiguren in chinesischen "Umerziehungslagern"? Gegen die Unterdrückung, der Minderheiten in Tibet oder der Inneren Mongolei ausgesetzt sind? Gegen den Druck, unter dem die Demokratiebewegung in Hongkong für Freiheit kämpft?

Die Menschenrechtslage beim kommenden und vom IOC umschwärmten Gastgeber wird für Bach zur größeren Herausforderung als die Corona-Spiele von Tokio. Fragen der Weltgemeinschaft zu Peking ließ Bach in Japan von seinem Kettenhund Mark Adams abblocken, nur so viel gestattete er sich: "Wir werden weiterarbeiten für den Erfolg der nächsten Olympischen Winterspiele und Olympischen Spiele."

Auf die Spiele von Tokio jedenfalls, beteuerte Bach "hat die Welt gewartet", das habe man "sehen können". Nun ja. Beim US-Mediengiganten NBC, größter Geldgeber Olympias, lagen die Einschaltquoten bis zu 50 Prozent unter jenen von Rio 2016.

Quelle: ntv.de, tsi/sid

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.