Technik

Corona-App nur dezentral Apple und Google bieten Berlin die Stirn

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Wenn Apple und Google sich querstellen, muss Berlin letztendlich wohl doch eine dezentrale Lösung akzeptieren.

(Foto: REUTERS)

Google und Apple wollen die Bluetooth-Schnittstellen von Android und iOS nicht für eine Corona-App mit zentralem Datenspeicher öffnen, wie es die Bundesregierung favorisiert. Bei der Umsetzung ihrer dezentralen Lösung zeigen sich die beiden US-Unternehmen aber flexibel.

Die beiden US-Technologieriesen Apple und Google beharren bei der geplanten Corona-App zur Eindämmung der Pandemie auf einer dezentralen Speicherlösung. Daran werde nicht gerüttelt, teilte der für Datenschutzfragen zuständige Apple-Manager Gary Davis in einer Web-Veranstaltung mit. Auch Google-Manager Dave Burke sprach sich für einen dezentralen Ansatz aus. Das Wort der beiden Firmen hat bei Handy-Apps Gewicht, denn 99 Prozent aller Smartphones weltweit nutzen ein Betriebssystem von Apple oder Google.

*Datenschutz

Erste Einblicke in technische Details zeigen, dass Apple und Google den Datenschutz offenbar sehr ernst nehmen. Die Nachbesserungen sollen es noch schwieriger machen, einzelne Nutzer zu überwachen. Dazu gehöre, dass nun auch mit dem Bluetooth-Funk verbundene Zusatzdaten wie etwa die Signalstärke verschlüsselt werden, erklärten die beiden Unternehmen. Dadurch soll es unmöglich werden, einzelne Gerätemodelle an solchen Merkmalen zu erkennen. Zu den jüngsten Änderungen gehört auch ein Austausch des Verschlüsselungs-Algorithmus - das soll vor allem die Batterielaufzeit verbessern.

Auch ältere Smartphones kompatibel

Bis auf das Beharren auf eine dezentrale Lösung sind Google und Apple aber durchaus flexibel. Die bekanntgegebenen Änderungen zielen auch darauf, Entwicklern und Behörden mehr Spielraum bei der Gestaltung der Corona-App zu geben. So können sie über eine neue Schnittstelle Grenzwerte für Signalstärke und die Zeit, die Geräte nebeneinander verbringen, festlegen. Anders gesagt: Google und Apple liefern die technischen Werkzeuge, aber die Gesundheitsbehörden entscheiden, wann sie von einer Ansteckungsgefahr ausgehen.

Apple will die Schnittstellen zunächst für alle iPhones mit aktuellem Betriebssystem iOS 13 verfügbar machen. Das älteste Gerät, auf dem diese Verson läuft, ist das iPhone 6s, das im September 2015 herauskam. Bei Googles Betriebssystem Android muss mindestens Version 6 ("Marshmallow") installiert sein, die im Oktober 2015 veröffentlicht wurde.

Berlin und Paris wollen zentrale Server

Welche Folgen die Haltung der beiden Technologieriesen für die bisher von der Bundesregierung favorisierte, vom Robert-Koch-Institut (RKI) und dem Heinrich-Hertz-Institut entwickelte App zur Nachverfolgung von Infektionswegen hat, war zunächst unklar. Die Anwendung, mit der Kontaktpersonen von Covid-19-Infizierten gefunden werden sollen, basiert auf der Plattform Pepp-PT, bei der ein Abgleich der Daten über einen zentral verwalteten Server erfolgt. Die Bundesregierung verhandelt derzeit mit Apple. Auch Frankreich gilt als Befürworter einer zentralen Speicherlösung.

"Die Bundesregierung hat großes Vertrauen in das System, was derzeit bei Fraunhofer getestet wird", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer. Das Fraunhofer-Institut erstellt eine Machbarkeitsstudie zum PEPP-PT-Konzept. Am Ende werde das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hier eine Empfehlung abgeben, sagte Demmer. "Bei einem zentralen Server müssen Sie demjenigen vertrauen, der ihn pflegt, also in diesem Fall dann möglicherweise einer staatlichen Stelle. Bei einem dezentralen System müssen Sie Apple und Google vertrauen, die das dann pflegen."

Der Europäische Datenschutz-Ausschuss (EDSA) akzeptiert Lösungen sowohl mit dezentralen als auch mit zentralen Servern. Die von ihm veröffentlichten Richtlinien sollen gewährleisten, dass der Datenschutz bei beiden Konzepten gewahrt bleibt.

Quelle: ntv.de, kwe/dpa/rts