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Vom Ersatzspieler zum Apple-Chef Ist Tim Cook der Richtige?

Steve Jobs' Freund und Firmen-Mitbegründer Steve Wozniak sagt, dass Apple mit dem falschen Mann an der Spitze abstürzen könnte. Seit zwei Wochen heißt der neue Konzernchef Tim Cook. Seine Verantwortung ist riesengroß und nach Steve Jobs' Tod fragen sich viele, ob er in der Lage ist, Apple auf Kurs zu halten.

Jahrelang stand Tim Cook tief im Schatten der übergroßen Figur von Steve Jobs - des Apple-Gründers, Visionärs und begnadeten Verkäufers. Jetzt muss der einstige Manager des Tagesgeschäfts und Ersatzspieler die volle Verantwortung für Jobs' Lebenswerk übernehmen.

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Auf Apples neuem CEO Tim Cook lastet eine große Verantwortung.

(Foto: dapd)

Erst einen Tag vor dem Tod des Apple-Gründers stellte Cook das neue iPhone 4S vor. Es war seine erste große Produktpräsentation, seit er Ende August die Zügel als Konzernchef übernahm. Cook wirkte nüchterner als der charismatische Jobs und überließ viel Raum seinen Kollegen aus dem Top-Management.

"Genie hinter Steve"

Neben Jobs gilt der 50-Jährige als einer der wichtigsten Architekten des wirtschaftlichen Erfolgs des iPhone- und iPad-Herstellers. Als für das tägliche Geschäft zuständiger "Chief Operating Officer" sorgte er dafür, dass nach der Umsetzung der kühnen Visionen am Ende des Tages schwarze Zahlen in den Büchern stehen. Das US-Magazin "Fortune" würdigte Cook als "das Genie hinter Steve".

Jobs holte den IBM- und Compaq-Manager 1998 zu Apple - und Cook griff beim damals ums Überleben kämpfenden Unternehmen schnell durch. Er schloss eigene Produktionswerke und setzte auf Auftragsfertiger. Er ließ die Lagerbestände von Monaten auf Tage schmelzen und verschlankte die Zulieferkette. Das half Apple, bei dem schnellen Modellwechsel in der Elektronik-Branche keine Auslaufgeräte als Altlasten herumliegen zu haben.

Cook ist kein Visionär

Cook sei seine beste Personalentscheidung gewesen, habe Jobs einmal geschwärmt, erinnert sich der Headhunter, der damals den Kontakt angebahnt hatte. Die beiden hätten sich vom ersten Moment an verstanden, erzählte er der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Chef-Designer Jonathan Ive dürfte für den weiteren Erfolg von Apple eine Schlüsselrolle spielen.

(Foto: Apple)

Tim Cook sei kein Design- und Produkt-Guru, schreibt das "Wall Street Journal". Dies sei aber auch nicht nötig, sagt Jeffrey Pfeffer, Professor an der Stanford's Graduate School of Business. "Er muss der beste Tim Cook sein, der er sein kann." Er wisse ganz genau, worin er gut ist und worin nicht. Und was kann er? Tim Cook hat in den vergangenen Jahren zwar bewiesen, dass er als Manager einen phänomenal effizienten Betrieb aufbauen kann. Als Visionär vom Kaliber eines Steve Jobs ist er aber bisher nicht in Erscheinung getreten.

Ähnlich wie Jobs gilt Cook als öffentlichkeitsscheuer Workaholic, der lange im Büro bleibt, viel Zeit im Flieger verbringt und auch mal E-Mails mitten in der Nacht verschickt. Außerdem soll er oft ähnlich schwierig im Umgang sein. Cooks Management-Stil illustrierte "Fortune" mit folgender Anekdote aus den 90er Jahren. Apple-Manager um Cook beraten über ein Problem in Asien. "Das ist schlimm", sagt er. "Jemand sollte sich direkt in China darum kümmern." Eine halbe Stunde später blickt er einem der Anwesenden ins Gesicht und fragt: "Warum sind Sie eigentlich noch hier?".

Ein scheuer Team-Spieler

Privat weiß man über Cook wenig. Der Sohn eines Werftarbeiters kommt aus dem US-Staat Alabama und soll sein Privatleben völlig von der Öffentlichkeit abschotten. Immerhin ist bekannt, dass er Sport-Fan ist und oft schon am frühen Morgen im Fitness-Studio auftaucht.

Genau genommen hinkt der Vergleich mit Steve Jobs. Denn während Jobs alle Fäden in der Hand hielt und sich selbst um Kleinigkeiten persönlich kümmerte, ist Tim Cook ein Team-Spieler, der Verantwortung verteilt. So ließ er auch das iPhone 4S weitgehend durch seine Manager präsentieren.

Das Design ist die halbe Miete

Besonders wichtig für Tim Cook ist Design-Chef Jonathan Ive. Seit 1996 hat der Londoner in enger Zusammenarbeit mit Steve Jobs den erfolgreichen Apple-Produkten seinen Stempel aufgedrückt. Ob er auch in der Lage ist, ohne Jobs neue Produkte zu entwerfen, muss sich noch zeigen.

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Scott Forstall ist für das iOS zuständig und ist daher mitverantwortlich für den Erfolg von iPhone und iPad.

Wenn Apple die Hardware eher weiter- als neuentwickelt, nimmt Scott Forstall eine zentrale Rolle ein. Der Manager ist für das mobile Betriebssystem iOS verantwortlich. Bei der iPhone-4S-Präsentation gehörte ihm bereits ein großer Teil der Show. Forstall ist auch einer der Architekten des Mac OS X.

Philip W. Schiller ist Apples Marketing-Chef. Er überließ bisher aber die Bühne größtenteils Steve Jobs. Schiller muss erst noch beweisen, dass er in der Lage ist, die Fans annähernd so zu begeistern wie der verstorbene Meister-Vermarkter.

Finanzchef verkündet Milliarden-Gewinne

Wenn's ums Geld geht, ist Peter Oppenheimer Tim Cooks Mann. Er steht am 18. Oktober im Rampenlicht, wenn er Apples Quartalszahlen verkündet. Analysten rechnen mit bis zu 29 Milliarden Dollar Umsatz und einem Nettogewinn von 7,10 Milliarden Dollar.

Falls Apples iCloud wie geplant zum Erfolg wird, gewinnt Eddy Cue an Gewicht, der den Bereich Internet-Software und -Dienste leitet. Aber schon jetzt spielt er als Chef der Online-Stores eine zentrale Rolle.

Quelle: n-tv.de, kwe/dpa

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