Plus 350 Euro seit AprilNeuer Mac mini ist irre stark und wahnsinnig teuer
Von Klaus Wedekind
Apple stellt neue Modelle des Mac mini vor. Ausgestattet mit noch stärkeren Chips sollen sie unter anderem perfekt für permanent im Hintergrund arbeitende KI-Agenten gerüstet sein. Gleichzeitig hebt Apple die Preise erneut an, die Basis-Variante ist jetzt 350 Euro teurer als vor vier Monaten.
Als ntv.de den Mac mini M4 im November 2024 testete, war das Preis-Leistungs-Verhältnis des kompakten Tisch-Computers unschlagbar gut. Mehr Leistung ab knapp 700 Euro bot kein Windows-Konkurrent.
Doch nach enormen Preiserhöhungen im Mai und Juni hat Apple jetzt eine neue Generation mit stärkeren Chips (M6/M5 Pro) herausgebracht, deren Basis-Modell erneut 100 Euro teurer als der Vorgänger ist.
Moderne Funkstandards, schnelleres Ethernet
Äußerlich hat sich der Mac mini nicht verändert. Im gleichen kompakten Aluminiumgehäuse bietet er auf der Vorderseite zwei USB-C-Anschlüsse, die mit USB-3-Geschwindigkeit Datenraten von bis zu 10 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s) erlauben. Daneben befindet sich eine Kopfhörerbuchse.
Auf der Rückseite gibt es drei weitere USB-C-Anschlüsse, die entweder mit USB 4 und Thunderbolt 4 (M6) oder Thunderbolt 5 (M5 Pro) auf bis zu 40 oder 120 Gbit/s kommen. Daneben sitzen jeweils eine HDMI-Buchse und ein Ethernet-Anschluss, der jetzt standardmäßig Datenübertragungen mit bis zu 2,5 Gbit/s statt wie bisher 1 Gbit/s erlauben.
Auch bei den Funkstandards hat Apple den Mac mini zeitgemäß aufgerüstet. Statt mit Wi-Fi 6E und Bluetooth 5.3 nehmen die neuen Mini-PCs Kontakt mit Wi-Fi 7 und Bluetooth 6 auf.
Chips im KI-Rausch
Entscheidend sind aber die neuen Chips. Die Standard-Modelle des Mac Mini sind mit dem Apple M6 ausgestattet. Laut Apple bietet er gegenüber dem M4 eine bis zu viermal höhere KI-Leistung als der Vorgänger und bietet beim Speicher und der Grafik bis zu 100 Prozent mehr Leistung. Der Hauptprozessor (CPU) soll den M4 um bis zu 40 Prozent übertreffen. Der M5 Pro legt noch eine ordentliche Schippe drauf.
Die neuen Chips sollen in allen Bereichen vom Gaming über den Videoschnitt bis zum Programmieren deutlich mehr Leistung bringen. Apple betont aber speziell "ein ganz neues Level an KI-Performance", fast jeder Aspekt der M6- und M5-Pro-Chips sei dafür entwickelt worden. Der Mac mini sei ein "Powerpaket für alles, was mit KI erledigt werden kann".
Dazu zählen auf dem Gerät selbsterstellte KI-Agenten "für alles von Haushalt bis Business". Die Chips sollen außerdem ideal für die Ausführung agentenbasierter Apps wie Claude Cowork und OpenClaw, LLM Apps wie Ollama und LM Studio sowie Apps für Fotoverbesserung wie Topaz Photo sein. Ebenso sollen KI-Features in Apps wie Adobe Photoshop sekundenschnell umgesetzt werden.
350 Euro teurer
Mindestens ebenso beeindruckend wie die Leistungssteigerung sind die Preiserhöhungen, die Apple seit dem Frühjahr dieses Jahres vorgenommen hat. Im April kostete das Basis-Modell mit M4-Chip, 16 Gigabyte (GB) Arbeitsspeicher (RAM) und 256 GB fassendem SSD-Speicher noch knapp 700 Euro. Im Mai wurde es zunächst gestrichen, bevor es Apple Ende Juni zu einem Preis von rund 950 Euro wieder einführte. Gleichzeitig stieg der Listenpreis für das 512-GB-Modell von knapp 950 auf 1170 Euro.
Das neue M6-Basis-Modell mit 16 GB RAM und 256-GB-SSD kostet jetzt rund 1050 Euro, also noch mal 100 Euro mehr. Für die 512-GB-Variante muss man mit 1270 Euro sogar 220 Euro mehr als zuvor hinblättern.
Möchte man einen Mac mini mit M6 Pro haben, muss man für das günstigste Modell mit 24 GB RAM und 512-GB-SSD rund 2000 Euro zahlen. Der Vorgänger mit M4-Pro-Chip kostete zur Markteinführung noch 1650 Euro. Das ist wie beim Basis-Modell ein satter Anstieg um 350 Euro.
Auch Apple unter Preisdruck
Ob die Preiserhöhungen in diesem Umfang gerechtfertigt sind, bleibt dahingestellt. Tatsache ist, dass auch Apple mit all seiner Marktmacht und großen Lagerbeständen der allgemeinen Verteuerung entscheidender Komponenten Tribut zollen muss. Laut dem Vergleichsportal Idealo kostete Arbeitsspeicher im Juli durchschnittlich 134 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, für SSDs muss man 60 Prozent, für Festplatten 32 Prozent mehr bezahlen.
Die Hersteller scheinen die Verteuerung (noch) nicht komplett an die Endkunden weiterzugeben. Die Preise stiegen unter anderem bei Notebooks im Schnitt um 22 Prozent, bei Tablets um 19 Prozent, bei Smartphones um 13 Prozent. Grafikkarten legten um 14 Prozent zu.
Ein Ende der Entwicklung ist speziell bei RAM kaum absehbar. Während die Nachfrage bei Grafikkarten und SSDs im Vergleich zum Vorjahresmonat um 13 Prozent sank, stieg sie bei Arbeitsspeicher weiter deutlich um 26 Prozent an.