Kurznachrichten

"Skandal" Täglich 6 tote Flüchtlinge: 250 Organisationen schreiben Brief an Merkel

Angesichts vieler im Mittelmeer ertrunkener Flüchtlinge und der katastrophalen Lage in Libyen haben mehr als 250 zivilgesellschaftliche Organisationen die Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Handeln aufgefordert.

"Wir sind erschüttert angesichts der gegenwärtigen europäischen Politik, die immer stärker auf Abschottung und Abschreckung setzt - und dabei tausendfaches Sterben billigend in Kauf nimmt", steht in einem Offenen Brief vom Mittwoch an Merkel. Er wurde unter anderem von Pro Asyl, Ärzte ohne Grenzen (MSF), Amnesty International, Sea-Watch, SOS Méditerranée, Seebrücke, Diakonie, Caritas, der Paritätischen, Brot für die Welt und dem Deutschen Gewerkschaftsbund unterzeichnet. Die Überfahrt über das Mittelmeer ist für Migranten 2018 nach UN-Angaben noch lebensgefährlicher geworden. Wahrscheinlich habe die Einschränkung der Such- und Rettungseinsätze dazu beigetragen, berichtete das Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Genf Ende Januar.

Jeden Tag seien im Durchschnitt sechs Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt kamen 2018 fast 117 000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa. Mindestens 2275 seien umgekommen. In diesem Jahr starben nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bisher 311 Menschen auf dem Mittelmeer.

Die zivilgesellschaftlichen Organisationen bezeichnen es in ihrem Brief an Merkel als "Skandal", dass zivile Helfer kriminalisiert würden, die der unterlassenen Hilfeleistung der europäischen Staaten nicht weiter zusehen wollten. Das Bündnis, darunter Flüchtlings- und Menschenrechtsorganisationen, Seenotrettungsorganisationen, Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Gewerkschaften und Jugendverbände, fordert eine Neuausrichtung der Politik: Flüchtlinge müssten solidarisch auf Länder verteilt werden.

Zudem müsse es Städten und Kommunen ermöglicht werden, freiwillig zusätzliche Schutzsuchende aufzunehmen. Nach Libyen dürften Gerettete wegen der verheerenden Menschenrechtslage dort auf keinen Fall zurückgebracht werden.

Quelle: ntv.de, dpa

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