Wirtschaft

Trotz neuer legaler Möglichkeiten 80 Prozent Schwarzarbeit bei Haushaltshilfen

Rund 3,6 Millionen Haushaltshilfen sind in Deutschland beschäftigt. Die Möglichkeit des 1999 eingeführten Mini-Jobs aber nutzen nur vergleichsweise wenige. In den meisten Fällen ist das Arbeitsverhältnis noch immer illegal.

Trotz zahlreicher legaler Beschäftigungsmöglichkeiten arbeiten die meisten Haushaltshilfen immer noch schwarz. Im vergangenen Jahr waren knapp drei Millionen Haushaltshilfen und damit rund 80 Prozent von ihnen nicht ordentlich angemeldet, wie das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) mit Verweis auf eigene Schätzungen mitteilte. Demnach ging die Schwarzarbeit in Privathaushalten in den vergangenen zehn Jahren dennoch deutlich zurück.

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Neun von hundert Privathaushalten in Deutschland beschäftigen eine Haushaltshilfe.

(Foto: picture alliance / dpa)

Viele Haushalte holen sich Unterstützung beim Putzen, Bügeln, Staubsaugen oder für die Erledigung von Einkäufen. 2015 beschäftigten laut IW schätzungsweise neun Prozent aller Privathaushalte eine Haushaltshilfe. In absoluten Zahlen waren es demnach 3,6 Millionen Haushalte. Für sie waren demnach etwa 47.200 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und gut 296.300 angemeldete Minijobber tätig.

Für seine Berechnungen zur Zahl der nicht gemeldeten Haushaltshilfen legte das IW die Annahmen zugrunde, dass Minijobber meist für zwei bis drei Haushalte arbeiten und 20.000 Putzfrauen offiziell als Selbstständige tätig sind. 2015 arbeiteten demnach zwischen 2,67 und 2,97 Millionen Haushaltshilfen schwarz.

Dreimal so viele Minijobber

Im Zehn-Jahres-Vergleich ging die Schwarzarbeit in Privathaushalten allerdings deutlich zurück. So kommt das IW in seinen Berechnungen für das Jahr 2005 auf 3,48 bis 3,59 Millionen nicht angemeldete Haushaltshilfen - das waren zwischen 600.000 und 800.000 mehr als 2015. Vor allem die Zahl der Minijobber legte laut IW in den vergangenen zehn Jahren deutlich zu und verdreifachte sich fast. Gab es 2015 etwa 296.300 geringfügig Beschäftigte, hatte die Zahl zehn Jahre zuvor bei nur 108.700 gelegen. Vor allem durch das vereinfachte Anmeldeverfahren von Haushaltshilfen über die Minijob-Zentrale und durch Internetputzdienste wechselten Haushaltshilfen in eine legale Beschäftigung, erklärte das IW.

In den vergangenen Jahren waren immer wieder Neuregelungen eingeführt worden, um die hohe Zahl illegaler Beschäftigungsverhältnisse in Privathaushalten abzubauen. So gibt es schon seit 1999 anmeldepflichtige Minijobs, die für den Arbeitnehmer weitgehend abgaben- und steuerfrei sind. Der Arbeitgeber hat geringere Abgaben zu entrichten. Zudem wurde die steuerliche Absetzbarkeit von Ausgaben für Haushaltshilfen ausgeweitet.

"Staat sollte sich großzügig zeigen"

Diese Maßnahmen hätten sich als "Luftnummer" erwiesen, erklärte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach mit Blick auf die IW-Zahlen. Sie forderte, die bürokratischen Verfahren zu vereinfachen und die Beschäftigung im Haushalt "gezielt" zu fördern. "Steuerermäßigungen greifen hier zu kurz", mahnte sie.

Der Schwarzarbeitsexperte Friedrich Schneider forderte hingegen, illegale Beschäftigungen im Haushalt zu dulden. "Der Staat sollte sich hier großzügig zeigen", sagte der Professor für Wirtschaft an der Universität von Linz dem "Tagesspiegel". Der Wohlstandseffekt überwiege im Vergleich zum Steuerausfall. Insbesondere Frauen könnten durch Haushaltshilfen mehr arbeiten, was dem Staat wiederum in Form von Abgaben zugutekomme.

Quelle: ntv.de, asc/AFP

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