Wirtschaft

Geschickter Zug kurz vor Ultimo AMS bessert Osram Offerte nach

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Osram schwächelt - und ist begehrt.

(Foto: imago/MiS)

Die Bieterschlacht um die frühere Siemens-Tochter Osram ist um ein Kapitel reicher. Ohne im juristischen Sinne ihr Angebot zu ändern, bietet die Österreicher von AMS den Anlegern einen Extra-Schluck. Doch unverändert, lehnt die Gewerkschaft das Ansinnen ab.

Mit einem unerwarteten Schachzug hat der österreichische Sensorenhersteller AMS in der Bieterschlacht um Osram kurz vor dem Ende überraschend Boden gutgemacht. Wenige Tage, nachdem die Mitkonkurrent Bain und Advent eine "bedeutsam" höhere Offerte in Aussicht gestellt hatten, sattelte AMS noch einmal 2,50 Euro auf den Preis drauf und bietet jetzt 41 Euro je Anteilsschein.

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Zuvor hat das Unternehmen aus der Steiermark einzelne Osram-Aktien über die Börse genau zu diesem Preis außerhalb des laufenden Angebots gekauft. Dadurch ist AMS einerseits gezwungen, allen Osram-Aktionären diesen Preis zu zahlen, andererseits ändert sich durch diesen Kniff das Angebot nicht. In der Folge bleibt es auch dabei, dass die Annahmefrist am kommenden Dienstagabend endet. Das bestätigte eine Sprecherin der Finanzaufsicht Bafin. Es handele sich nicht um "eine klassische Angebotsänderung", sagte sie.

Zieht Bain die letzte Karte?

Das ist deshalb entscheidend, weil die Finanzinvestoren Advent und Bain bis dahin nicht in der Lage sein werden, ihr vor wenigen Tagen angekündigtes besseres Angebot vorzulegen. Damit hat AMS seine Chancen massiv verbessert, am Ende als Sieger aus der Übernahmeschlacht hervorzugehen. Allerdings halten die Führung von Osram und seiner Arbeitgeber die Investoren für die der besseren Partner für den schwächelnden Lichtkonzern. AMS will sich Osram dagegen einverleiben, Teile verkaufen und wohl auch Stellen abbauen.

Bain hätte jetzt noch eine Möglichkeit, das von AMS gewollte schnelle Ende des Übernahmeprozesses zu verhindern. In dem weiter gültigen, aber finanziell abgeschlagenen Angebot mit Carlyle müsste die Annahmeschwelle von 70 Prozent leicht geändert werden, damit sich die Annahmefrist für die Osram-Aktionäre verlängern würde. Damit würde sich analog auch die Frist der AMS-Offerte noch nach hinten verschieben. Bain und Advent gewännen so Zeit. Ein Bain-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Führung trauT AMS den Wurf nicht zu

Die meisten Osram-Anleger haben sich bislang noch nicht entschieden, wem sie ihre Osram-Aktien verkaufen. Bis Donnerstagabend waren AMS 7,35 Prozent der Osram-Anteile für die Mindestannahmeschwelle von 62,5 Prozent zuzurechnen. Den größten Teil davon hat AMS an der Börse gekauft.

Als große Hürde für alle Käufer gilt, dass etwa ein Viertel aller Osram-Anteile sich im Besitz von Kleinaktionären befinden. Jedes Übernahmeangebot könnte deshalb auch daran scheitern, dass sie nicht erreicht werden. Weitere 10 Prozent der Aktien liegen bei Indexfonds, die ihre Aktien erst später verkaufen können.

Osram ist die Nummer eins bei Auto- und Sensorlicht, schreibt aber seit drei Quartalen Verluste. AMS-Chef Alexander Everke sagte: "Unsere strategische Vision ist es, einen globalen Technologieführer für Sensoriklösungen und Photonik zu schaffen." Im Osram-Management gibt es Bedenken, ob AMS die Übernahme finanziell und organisatorisch stemmen kann. Vorstandschef Olaf Berlien und Aufsichtsratschef Peter Bauer erklärten, sie würden ihre eigenen Aktien nicht an AMS verkaufen. An der Börse legten die Osram-Papiere erwartungsgemäß zu und näherten sich der 40-Euro-Marke.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ/dpa

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