Wirtschaft

"Sehen realistischen Fahrplan" Airbus schraubt am Überschalljet

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Abflug ab Newark? Ein "AS2" lässt die Skyline von Manhattan hinter sich (Computergrafik).

(Foto: aerionsupersonic.com)

Gut zwölf Jahre nach dem letzten Flug einer Concorde zeichnet sich Bewegung bei einem möglichen Nachfolger im prestigeträchtigen Überschallsegment ab. Airbus-Partner Aerion kündigt einen Termin für den Jungfernflug an.

Die Pläne von Aerion und Airbus für ein überschallschnelles Verkehrsflugzeug für Geschäftsreisende nehmen Formen an. Aerion will bis Mitte 2016 über den Ort der Produktionsstätte entscheiden, teilte das Unternehmen mit. Das Geschäftsreiseflugzeug mit dem Arbeitstitel "AS2" soll im Jahr 2021 erstmals abheben und 2023 in den Dienst gehen. Der Erstflugtermin liegt damit jedoch zwei Jahre später als noch beim Einstieg von Airbus im vergangenen Jahr angekündigt.

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Schnittig-schnelles Statussymbol: Der "AS2" von Aerion in der Computergrafik.

(Foto: aerionsupersonic.com)

"Wir sehen klare und umsetzbare technische Lösungen für einen Überschalljet und einen realistischen Fahrplan, um Aerion auf dem Weg zum Bau und zum Flug der Maschine zu helfen", sagte Airbus-Manager Ken McKenzie. Airbus soll große Teile des Flugzeugs liefern, die Endmontage will Aerion selbst vornehmen. Mit dem Bau der Fabrik will das Unternehmen 2018 beginnen. Als Fläche werden 40 Hektar in der Nähe eines Flughafens in den USA benötigt. Wo genau die "AS2"-Halle entstehen soll, ist noch offen.

Jenseits der Schallmauer

Der Markt für zivile Überschallflugzeuge ist seit dem Betriebsende der Concorde im Jahr 2003 verwaist. Die Maschine, die vom französischen Airbus-Vorläufer Aérospatiale in den 1970er Jahren mitentwickelt wurde, hatte sich für die einzigen Betreiber British Airways und Air France angesichts ihres extrem hohen Treibstoffverbrauchs als unrentabel erwiesen. Beim Absturz einer Concorde im Juli 2000 kamen 113 Menschen ums Leben. Die Katastrophe besiegelte das Schicksal des Concorde-Programms. Die letzten fliegenden Maschinen wurden schließlich 2003 stillgelegt.

Hinter Aerion steht der texanische Milliardär Robert Bass. Das Vorhaben wurde 2002 gestartet und während der Finanzkrise 2008/2009 auf Eis gelegt. Im vergangenen Jahr stieg schließlich Airbus als Partner ein - was das Projekt aus der Sicht von Analysten von einem ehrgeizigen Vorhaben eines ambitionierten Visionärs schlagartig in den Status einer realistischen Entwicklung erhob.

Unter fünf Stunden über den Atlantik

Die "AS2" soll über dem Meer bis zu 1,5-fache Schallgeschwindigkeit erreichen. Die Maschine bietet Platz für bis zu acht Passagiere. Für die Flugzeit von Paris nach Washington, D.C. veranschlagt Aerion etwas weniger als fünf Stunden. Die Strecke von London nach Peking soll der "AS2" in sieben Stunden und 30 Minuten zurücklegen. Im Direktflug von San Francisco nach Tokio benötigt der Jet laut Planung sechs Stunden und 54 Minuten.

Über Land ist ein Tempo knapp unter der Schallgeschwindigkeit vorgesehen, um den Überschallknall zu vermeiden. Laut Aerion gibt es inzwischen vorläufige Pläne unter anderem für Tragflächen aus Kohlenstofffasern, den Rumpf, Leitwerk und ein neuartiges, platzsparendes Fahrwerk.

Zwischen Concorde und Starfighter

In den ersten Entwürfen wirkt die Maschine wie eine Mischung aus herkömmlichen Business-Jets wie etwa Cessa "Citation X" und einer Concorde. Die für den Überschallflug ausgelegten Stummelflügel erinnern dagegen fast an die Geometrie eines Düsenjägers vom Typ F-104 "Starfighter".

Die ersten Zulieferer sind den Angaben zufolge bereits ausgewählt, bis Mitte 2016 will Aerion über den Triebwerkshersteller entscheiden. Die Flugzeugkabine soll Inairvation entwickeln, ein Gemeinschaftsunternehmen von Lufthansa Technik und der österreichischen List GmbH.

Alleine wird die "AS2" wohl nicht durch den Himmel pflügen. Das Projekt bekommt womöglich bald schon Konkurrenz um das künftig schnellste Reiseflugzeug der Welt. In den USA arbeitet Spike Aerospace ebenfalls an einem Überschall-Passagierjet, der "Supersonic Spike S-512". Das Flugzeug für bis zu 18 Passagiere soll ebenfalls Anfang der 2020er Jahre erstmals ausgeliefert werden.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa