Wirtschaft

Rekord bei Übernahmen Anleger profitieren von M&A-Welle

Mehr als 500 Milliarden US-Dollar haben Firmen weltweit alleine im Oktober für Übernahmen und Beteiligungen geboten. Die Anleger können sich über saftige Kursgewinne freuen.

General Electric schlägt bei Baker Hughes zu, AT&T bietet für Time Warner, British American Tobacco will Reynolds schlucken und Qualcomm ist an NXP interessiert. Aber auch die deutsche Bayer AG will durch einen Zukauf wachsen und Monsanto übernehmen. Die Liste der M&A-Deals ließe sich noch lange fortschreiben. Das weltweite Volumen von Übernahmen und Fusionen bewegt sich zurzeit auf absolutem Rekordniveau. Und ein Ende der Einkaufstour ist nicht in Sicht.

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Stefan Eberhardt ist Leiter des Portfoliomanagements der Eberhardt & Cie. Vermögensverwaltung. Außerdem ist der Finanzexperte nebenberuflich als Dozent für Volkswirtschaftslehre an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg tätig.

Denn die Firmen haben in den vergangenen Jahren gut verdient und sitzen auf umfangreichen Barmittelbständen. Beiersdorf, der Hersteller von Nivea, hat beispielsweise mehr als drei Milliarden Euro Cash in der Kasse. Auf dem Bankkonto gibt es dafür nichts - im schlimmsten Fall sogar Strafzinsen. Gleichzeitig sind die Konditionen für Fremdkapital vor allem in Europa und den USA historisch günstig. Vor allem Unternehmen mit stabilen Bilanzen können sich fast kostenlos und nahezu unbegrenzt Geld leihen.

Da es angesichts der weltweit schwachen Konjunktur schwerfällt, mit dem eigenen Geschäft spürbar zu wachsen, kaufen die Unternehmen gerne auch andere Firmen und Beteiligungen, um den Umsatz und die Rentabilität zu steigern. Die fortschreitende Globalisierung unterstützt das Expandieren: Die Logistik wird immer professioneller, der Ort der Produktion oder Dienstleistung verliert zunehmend an Relevanz. Es spielt kaum mehr eine Rolle, ob ein Unternehmen in Deutschland, China oder sonst wo produziert. Der Kunde merkt das gar nicht.

Attraktive deutsche Mittelständler

Von den rund 500 Milliarden Dollar, die im Oktober für M&A-Transaktionen verbucht wurden, entfielen rund zwei Drittel auf US-Firmen. Aber auch deutsche Unternehmen sind begehrt - vor allem im German Mittelstand. Hier gibt es jede Menge attraktive Zielobjekte. In Deutschland erwirtschaftet die Industrie immerhin noch gut 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zum Vergleich: In Frankreich liegt der Anteil mit rund zehn Prozent nur halb so hoch.

Deutsche Firmen sind auch deshalb attraktiv, weil hier die Lohnstückkosten im Vergleich zu anderen Ländern in den vergangenen Jahren nur moderat gestiegen sind. Dazu kommt ein vergleichsweise hohes Ausbildungsniveau der Beschäftigten und eine starke internationale Wettbewerbsfähigkeit, was sich am hohen Exportanteil zeigt. Die Ausfuhren profitieren zusätzlich vom niedrigen Eurokurs.

Vor allem chinesische Firmen zeigen sich in der Bundesrepublik als ausgesprochen kauffreudig. Auf ihrem Heimatmarkt stoßen sie an ihre Wachstumsgrenzen und suchen nun insbesondere in den USA und in Europa nach Investitionsmöglichkeiten. Um die chinesische Wirtschaft von der Werkbank der Welt weiter zu entwickeln, sind an oberster Stelle Schlüsseltechnologie-Unternehmen wie der Roboter-Hersteller Kuka gefragt, der mittlerweile dem chinesischen Midea-Konzern gehört. 

Hohe Aufgelder für Zielobjekte

Für Anleger bieten sich Firmen, die als potenzielle Übernahmekandidaten gelten, als Investitionsobjekte an. Denn meistens bietet das übernehmende Unternehmen einen satten Aufschlag auf den Börsenkurs. Gleichzeitig ist jedoch Vorsicht geboten. Bei Übernahmespekulationen können die Kurse stark schwanken. Außerdem mischt sich mittlerweile die Politik ein – wie zuletzt bei Aixtron oder Osram. Der Erfolg von Transaktionen ist damit teilweise von politischen Schachzügen abhängig, die sich kaum einschätzen lassen.

Trotzdem macht es Sinn, auf Unternehmen zu setzen, die aufgrund ihrer Schlüsseltechnologien und ihres Börsenwertes als mögliche Übernahmekandidaten in Frage kommen. Hilfreich bei der Auswahl sind spezielle Zertifikate und Fonds. Alternativ sind natürlich auch Direktinvestments möglich. Interessante Branchen sind unter anderem Chemie (z.B. Symrise), IT (z.B. Software AG, United Internet) oder der Maschinenbau (z.B. Dürr). Weil es schwer vorhersagbar ist, ob und wann eine erfolgreiche Übernahme stattfindet, sollten die ausgewählten Unternehmen auch ohne Übernahmefantasie attraktiv sein und Anleger ihre Investments breit streuen.

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Quelle: ntv.de