Wirtschaft

Eiskalte Wette auf bessere Zeiten Verzockt sich Oslo mit seinem Ölfonds?

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Wie viel Weitsicht besitzt die Anlagestrategie des norwegischen Staatsfonds?

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Der Crash am Rentenmarkt hat Norwegens Ölfonds große Verluste beschert. Den Staat schockt das nicht. Er will dem Anleihemarkt treu bleiben. Auch in China wird weiter investiert.

Die Euroländer blicken mit Neid auf ihren nördlichen Nachbarn: Norwegen ist ein reiches Land. Ein vorbildliches Land. Der Staatsbilanzen stimmen. Die Währung ist stabil, die Öl- und Gasvorkommen sorgen für sprudelnde Einnahmen und die Schulden sind gering. Vorbildlich ist das Land vor allem, weil es an morgen denkt. Denn die Quelle des Reichtums, das Öl, wird irgendwann versiegen. Das Ölfeld, das vor gut 45 Jahren entdeckt wurde, ist Norwegens größter Schatz. Er soll zukünftige Generationen absichern. Deshalb hat die Regierung in Oslo 1990 den "Oljefonds" (Ölfonds) gegründet. Er ist gigantische 787 Milliarden Euro schwer. Das Management trägt eine immense Verantwortung - und scheut dabei keine Risiken.

Die gesamten Einnahmen, die der Staat über Lizenzen, Steuern und direkte Beteiligung an Industrieunternehmen aus der Förderung von Erdöl und Erdgas einnimmt, fließen in den "Government Pension Fund Global". Andere ölproduzierende Staaten lassen sich von diesem Modell inzwischen inspirieren: Mexiko gründete Anfang des Jahres den "Mexikanischen Ölfonds zur Stabilisierung und Entwicklung". Er soll ebenfalls den zukünftigen Generationen zugutekommen. Doch ausgerechnet jetzt, wo das norwegische Beispiel Schule macht, zeigt das Vorbild Schwächen.

Die Anlagestrategie

Der Riesenfonds büßte im zweiten Quartal umgerechnet knapp 8 Milliarden Euro ein. Das Investmentvehikel, das weltweit in Aktien, Anleihen und Immobilien investiert, musste vor allem dem Crash am Rentenmarkt Tribut zollen. Bei Anleihen gab es mit 2,2 Prozent ungewöhnlich hohe Verluste. Aktieninvestments schlossen mit minus 0,2 Prozent ab. Einen positiven Ertrag schufen nur die Immobilienengagements. Ihr Wert legte um zwei Prozent zu. Immobilien machen jedoch nur den kleinsten Teil des Vermögens aus. Auf sie entfallen etwa fünf Prozent der Anlagen.

Der größte Teil, 60 Prozent des Fondsvermögens, ist in Aktien investiert. Diese Quote gilt als relativ aggressiv. Auf inzwischen arg gebeutelten Bonds entfallen in etwa 35 Prozent des Fondsvermögens (Grafik zur Asset Allokation, siehe unten). Die Anlage-Aufteilung schwankt nur geringfügig. 2014 war der Fonds zum Beispiel zu 61,3 Prozent in Aktien, 36,5 Prozent in festverzinslichen Werten und zu 2,2 Prozent in Immobilien engagiert.

Angelegt wird das Geld ausschließlich im Ausland. Die wichtigsten Regionen sind Nordamerika und Europa. Auf sie entfallen jeweils knapp 40 Prozent der Investments. Der prozentuale Anteil der Europa-Anlagen war zuletzt rückläufig, dafür hat der Fonds bei seinem Engagement in Asien und Ozeanien zugelegt. Im Oktober 2013 entschied das Management ausgerechnet die Investitionen in China zu verdoppeln.

Droht eine Mega-Krise?

Der Zukunftsfonds kämpft mit mehreren Problemen gleichzeitig: Da sind zum einen die Kursabstürze am Rentenmarkt und an den China-Börsen. Zum anderen leidet Norwegen aber auch wie kein anderes Land unter dem Ende des Rohstoffbooms und der Beruhigung in der Eurokrise. Gründe, das Portfolio zu überdenken und umzudisponieren - zum Beispiel den Immobilienanteil hochzufahren-, gibt es. Doch das norwegische Fondsmanagement weist Annahmen, es könnte Veränderungen in der Vermögensaufteilung geben, weit von sich.

Vor allem das Vertrauen in China ist ungebrochen. Der aktuelle Ausverkauf an den Aktienbörsen werde die langfristige Einschätzung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nicht verändern, hieß es kürzlich am Rande einer Konferenz des Fonds in Oslo. Man beobachte die Schritte in Richtung Öffnung der Märkte. Man denke hier "strategisch langfristig".

Der jahrelange Erfolg gibt dieser Strategie recht. Insgesamt hat der Fonds in den vergangenen Jahren viel richtig gemacht. Das Vermögen entspricht nach 25 Jahren knapp dem Dreifachen der jährlichen norwegischen Festland-Wirtschaftsleistung (ohne den Petroleumsektor und die Hochseeschifffahrt). Der Verlust im zweiten Quartal – der erste übrigens seit drei Jahren – macht prozentual weniger als ein Prozent aus.

Starke Performance

Von den Renditen können andere Investmentfonds nur träumen. Von Anfang 1998 bis Ende 2014 erzielte der Fonds eine Nettorendite von 5,8 Prozent. Im Jahr 2012 waren es stolze 13,4 Prozent. Es war das zweitbeste Jahresergebnis seit Bestehen des Fonds. Allein im vergangenen Jahr belief sich der Anlageertrag auf rund 70 Milliarden Dollar. Das ist - zum Vergleich - mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung Bulgariens oder Kroatiens.

Gleichzeitig bedeutet diese Investmentstrategie aber auch, dass der Fonds auch in Zukunft nicht vor weiteren Kursverlusten an den chinesischen Börsen gefeit ist - genauso wenig wie vor Turbulenzen am Rentenmarkt. Zwei Prozent des Fondsvermögens sind in China investiert. Der Anteil festverzinslicher Wertpapiere liegt aktuell bei 34,5 Prozent.

Der Fonds hat das Glück, nicht nur der Rendite verpflichtet zu sein. Die Regierung darf langfristig denken. Nachhaltigkeit ist dabei ein zunehmend wichtiger Faktor. Außerdem hat der Fonds das Glück, über einen steten Zustrom aus Petro-Dollars zu verfügen. Damit kann er seine Positionen bei gefallenen Kursen zu günstigen Preisen wieder aufstocken. Das Management kann es sich in diesen turbulenten Zeiten sogar leisten, den Anteil an Anlagen in Schwellenländern zu erhöhen. Auch wenn diese erklären, sie seien durch die Abwertung des Renminbi besonders gefährdet.

Ob das wirklich vorbildlich ist, muss jeder Anleger für sich entscheiden. Die Altersvorsorge der Norweger ist zumindest derzeit nicht gefährdet. Rein rechnerisch ist jeder Norweger Millionär - in norwegischen Kronen zumindest.

Quelle: n-tv.de

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