Wirtschaft

Anleihen auf Ramschniveau Bafin prüft Handel mit Steinhoff-Aktien

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Auch die britische Ladenkette Poundland gehört zum Steinhoff-Konzern.

(Foto: REUTERS)

Bei Steinhoff herrscht Chaos: Erst sorgt der Bilanzskandal für Schlagzeilen, dann muss Vorstandschef Jooste gehen - nun stuft Moody's die Kreditwürdigkeit der Firma herab. Die Aktie rauscht tief in den Keller und wird zusehends Spielball von Spekulanten.

Der Kursverfall bei den Aktien des deutsch-südafrikanischen Möbelhändlers Steinhoff ruft die Finanzmarktaufsicht Bafin auf den Plan. Es sei eine routinemäßige Überprüfung des Handels mit Steinhoff-Aktien eingeleitet worden, sagte eine Bafin-Sprecherin. Das Unternehmen steht seit zwei Jahren im Visier der Justiz wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung. Am Dienstag war der langjährige Vorstandschef Markus Jooste zurückgetreten. Die Aktie stürzte daraufhin ins Bodenlose. Zwischenzeitlich lösten sich rund 13 Milliarden Euro an Börsenwert in Luft auf.

Steinhoff
Steinhoff ,06

"Die Aktie ist nur noch ein Zockerpapier", sagte ein Händler. Nach einem 40-prozentigen Kurseinbruch kurz nach Handelsbeginn auf nur noch 35 Cent erholten sich die Titel im Tagesverlauf wieder auf 65 Cent und notierten acht Prozent fester. Anfang der Woche kosteten die Titel des Möbelhändlers aber noch mehr als drei Euro. "Keiner weiß, was im Moment bei Steinhoff abgeht", sagte der Händler. "Das ist die reinste Wundertüte."

Die Ratingagentur Moody's senkte ihre Bonitätsnote für Steinhoff auf "B1" von "Baa3", damit werden Anleihen des Konzerns als Ramsch bewertet. Anleger fürchten nun den Rauswurf aus dem Nebenwerteindex MDax. "Wenn das so weitergeht, fliegen sie raus, dann reicht es wahrscheinlich nicht mal mehr für den SDax", so ein Händler. Die auch an der Börse in der südafrikanischen Stadt Johannesburg notierten Aktien waren einst Anwärter für den Dax.

Poco verweist auf Eigenständigkeit

Steinhoff ist mit einem Anteil von aktuell 50 Prozent einer von zwei Gesellschaftern des deutschen Möbel-Discounters Poco. Das Unternehmen aus Bergkamen ist von den aktuellen Turbulenzen rund um Steinhoff jedoch nicht betroffen. Zweiter Anteilseigner sei laut einem Sprecher die österreichische Unternehmerfamilie Seifert, die auch die Möbelkette XXXLutz betreibt. Mit einem Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro und knapp 8000 Beschäftigten zählt Poco zu den führenden deutschen Möbelhändlern.

Das Unternehmen sei in seiner wirtschaftlichen und strategischen Ausrichtung eigenständig und verfüge über eine solide Finanzstruktur, hieß es vonseiten eines Sprechers. Mögliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft richteten sich nicht gegen Poco.

Quelle: n-tv.de, jug/rts

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