Wirtschaft

Auge in Auge mit der Politik Banker rütteln an den Regeln

In Frankfurt treffen Bank-Manager, Aufseher und Politiker im Rahmen einer viel bachteten Tagung aufeinander, um die Zukunft der Banken zu besprechen. Die nette Atmosphäre täuscht: Zur Debatte stehen die teuersten Probleme Deutschlands.

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Exklusive Atmosphäre: Alessandro Profumo sprach zum Auftakt zur "Zukunft des europäischen Bankwesens" - aus der Sicht der italienischen Großbank Unicredit.

(Foto: EUROFORUM Deutschland GmbH)

Einmal jährlich treffen sich Bank-Experten in Frankfurt am Main zu einer Tagung, die abgesehen von ihrem Stellenwert innerhalb der Branche auch Außenstehenden einen aufschlussreichen Einblick in die Gedankenwelt der Banker gewährt.

"Banken im Umbruch" lautet der Titel der diesjährigen Veranstaltung aus der Reihe der "Handelsblatt"-Jahrestagungen. Es ist das 15. Treffen dieser Art. Und auch in diesem Jahr ist die Teilnehmerliste hochkarätig besetzt.

Angekündigt sind zum Beispiel Vorträge von Unicredit-Chef Alessandro Profumo,  Martin Blessing von der Commerzbank, Heinrich Haasis vom Sparkassenverband oder Manuela Better von der Hypo Real Estate (HRE). Für Politik, Staat und Aufsicht sprechen unter anderem Banken brauchen Milliarden , Soffin-Vertreter Hannes Rehm und Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Lichterloher Diskussionsbedarf

Bei den Themen herrscht alles andere als Mangel. In seinem Grußwort wies Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, bereits auf die drängendsten Probleme hin. "Im vergangenen Jahr standen auf der Tagung noch die unmittelbaren Auswirkungen der Finanzkrise und anhaltende Unsicherheiten im Markt im Vordergrund", schrieb der Chef des größten deutschen Geldhauses den Teilnehmern zum Geleit. Vor Ort mitreden konnte er in diesem Jahr allerdings nicht, "leider", wie er betonte. Mitmischen wird er trotzdem. Schließlich geht es auch für sein Haus um die Spielregeln der Zukunft. "Inzwischen diskutieren wir in der Finanzbranche vor allem darüber, welche Lehren wir aus der Krise zu ziehen haben und wie wir den Ordnungsrahmen für die internationalen Finanzmärkte verbessern können."

Ackermanns "Wir" verdeckt elegant, welche Sorgen manchen Teilnehmer wohl am stärksten bedrücken: Angesichts der Vorstöße aus der Politik in Richtung einer strengeren Regulierung geht es den Vertretern der Branche offensichtlich vor allem darum, vermeintliche oder echte Wettbewerbsnachteile durch zu scharf gefasste Vorschriften zu verhindern.

"Zum Wohle aller"

In diese Kerbe schlägt auch Ackermann: "Von grundlegender Bedeutung für einen solchen neuen Ordnungsrahmen sind dabei eine international einheitliche Regulierung des Bankensystems sowie eine grenzüberschreitend konsistente Durchsetzung dieser Regeln." Nur so seien weltweit gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer zu gewährleisten.

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Manager in einer Doppelrolle: Josef Ackermann, der auch dem internationalen Bankenverband IFF vorsteht, nahm in diesem Jahr nur per Grußwort teil.

(Foto: REUTERS)

Abgesehen von der Sicherung der Wettbewerbsgleichheit kommt es dem Chef der Deutschen Bank eigenen Angaben zufolge vor allem darauf an, "das System in einer Weise zu reformieren, die es stabiler macht, ohne dass es seine Effizienz verliert."

Viele Banken hätten ihre Lektion aus der Finanzkrise bereits gelernt, beteuerte Ackermann und verwies unter anderem auf die neue "Kreditvergabedisziplin", den Abbau von Risiken in den Bilanzen und die "Anpassung der Vergütungssysteme". Der wohl prominenteste Bankmanager Deutschlands verspricht: "Die Bereitschaft zur konstruktiven Mitarbeit an einer besseren Regulierung zum Wohle aller ist vorhanden."

Angst vor der Regulierungsknute?

Dass ein hochrangiger Vertreter der Branche die Kooperationsbereitschaft an einer so prominenten Stelle wie dem Grußwort stark betont, kommt nicht von ungefähr. Nach den HRE-Rettung zu teuer , den EU deckelt Boni für Banker und dem EU pocht auf Bankenabgabe drohen den Banken auch auf internationaler Ebene weitere, mehr oder weniger Die wichtigsten Streitpunkte . Dazu gehören auch die neuen Eigenkapitalvorschriften, die derzeit unter dem Stichwort Die wichtigsten Streitpunkte diskutiert werden. Renditeorientierte Kräfte der Branche sind bemüht, das nach Möglichkeit zu verhindern - oder zumindest den schärfsten Regeln die Spitze zu nehmen. Gelingt es ihnen, am Standort Deutschland Ausnahmen durchzusetzen, winken vor allem im internationalen Wettbewerb beträchtliche Vorteile.

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Nach der Rede in Frankfurt: Bundesbank-Chef Axel Weber gilt als Deutschlands Kandidat für die Trichet-Nachfolge.

(Foto: dpa)

Solche Überlegungen sind Josef Ackermann sicher nicht fremd. Und auch bei der Bundesbank weiß man um das Spannungsfeld zwischen Interessen und Verantwortung. Bundesbankchef Axel Weber warnt trotzdem vor nationalen Sonderwegen. "Letztlich müssen sich alle Beteiligten darüber klar werden, welchen Preis sie selbst für ein dauerhaft stabiles Finanzsystem zahlen wollen", ruft er den Tagungsteilnehmern ni Frankfurt zu. "Dabei handelt es sich um eine Wertfrage, die auf politischer Ebene entschieden werden muss."

Wer lenkt wen?

Das "Köhler gegen "Pumpkapitalismus" ", also die Vorherrschaft der ans Allgemeinwohl und ihre Gewissen gebundenen Volksvertreter über das Profitstreben der Marktteilnehmer, verteidigt auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. "Aus einer Bankenkrise ist eine Staatenkrise geworden", beschreibt er in seinem Grußwort zur Tagung die Entwicklungen der vergangenen Monate.

Die "explodierenden Staatsschulden" belasten das Vertrauen von Bürgern und Unternehmen im Allgemeinen und das Finanzsystem im Besonderen weiterhin schwer, hält Schäuble fest. "Deshalb müssen die Staaten ihre Haushalte jetzt entschlossen konsolidieren, um einen erneuten Ausbruch weltweiter Turbulenzen zu verhindern." Das gelte nicht nur für "die viel zitierten Defizitländer Südeuropas, sondern auch für Staaten wie die USA und Deutschland".

Die Mitschuld der Banken

Schäuble betont, dass auch für ihn "zur Wahrheit" gehöre, dass ein großer Teil dieser Staatsschulden bereits vor der Krise angehäuft wurde, weil viele Regierungen, auch deutsche, politische Probleme jahrelang "oft über den scheinbar bequemen Weg der Verschuldung" gelöst hätten. Durch die Bankenrettung und die Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur seien allerdings Defizite entstanden, die die Schuldenlast noch einmal massiv erhöht hätten.

Bei der Vermeidung zukünftiger Krisen sei der Staat nach den Worten Schäubles also "doppelt gefragt": Deutschland müsse seine eigene Bilanz in Ordnung halten und gleichzeitig auch sicherstellen, "dass die Bilanzen der Banken keine unverantwortlichen Risiken beinhalten". Das Thema Banken- und Finanzmarktregulierung bleibe damit auf der Tagesordnung.

Quelle: n-tv.de

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