Wirtschaft

Zinsflaute setzt hart zu BayernLB und LBBW ächzen

Die extrem niedrigen Zinsen fressen sich immer tiefer in die Bilanzen der Banken. So verzeichnen LBBW und BayernLB einen Ergebnisrückgang im ersten Halbjahr. Die Prognosen für das Gesamtjahr fallen deshalb vorsichtig aus.

Die beiden größten deutschen Landesbanken sind wegen des schwierigen Marktumfelds mit angezogener Handbremse unterwegs. Im ersten Halbjahr profitierten die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die BayernLB zwar von einer ausgesprochen niedrigen Vorsorge für Kreditausfälle.

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(Foto: dpa)

Doch das dürfte nicht so bleiben, traditionell steigen die Rückstellungen in der Branche zum Jahresende wieder. Außerdem fressen sich die Mini-Zinsen immer tiefer in die Bilanzen und die Nachfrage der Unternehmen nach Krediten bleibt insgesamt mau. Einzig die gewerbliche Immobilienfinanzierung boomt im Moment, wegen des starken Wettbewerbs geraten hier allerdings ebenfalls die Margen unter Druck. Für die Banken wird es also immer schwerer, noch lukrative Geschäfte aufzuspüren.

Die LBBW erwartet deshalb im Gesamtjahr weiterhin einen Gewinnrückgang. Vorstandschef Hans-Jörg Vetter hofft aber, zumindest nur leicht unter dem Vorsteuerergebnis von 2015 (531 Millionen Euro) zu landen. Nach den ersten sechs Monaten stehen in Stuttgart 258 Millionen zu Buche, ein Rückgang um fünf Prozent. "Vor dem Hintergrund der enormen Herausforderungen für unsere Branche ist dies ein akzeptables Ergebnis", erklärte Vetter.

Besonders groß war der Einbruch im Kapitalmarktgeschäft, wo sich die Kunden mit Transaktionen zurückhielten. Bei der BayernLB schrumpfte das Vorsteuerergebnis im Halbjahr um sechs Prozent auf 409 Millionen Euro. Bankchef Johannes-Jörg Riegler ließ offen, ob 2016 der Vorjahreswert von 640 Millionen Euro erreicht werden kann. Die BayernLB peilt weiterhin ein Ergebnis im mittleren dreistelligen Millionenbereich an. Konkreter will sie erst im Herbst werden.

Visa macht Freude

Was beiden Instituten im Frühjahr half: Ein Sonderertrag aus dem Verkauf des Kreditkarten-Dienstleisters Visa Europe. Die europäischen Banken hatten das Unternehmen für 21 Milliarden Euro an die in den USA börsennotierte Visa Inc veräußert. Das hübschte die Bilanzen schon bei vielen anderen Instituten auf. Der BayernLB brachte der Deal 142 Millionen Euro ein, die LBBW wollte die Summe nicht nennen. Sie mache aber nur einen "Bruchteil" dessen aus, was andere Geldhäuser kassiert hätten, sagte ein Sprecher. Umgekehrt schlugen die Belastungen für die Bankenabgabe und die Einlagensicherung der Sparkassengruppe zu Buche: Bei der BayernLB waren das insgesamt 93 Millionen Euro, bei der LBBW 77 Millionen.

Für die nächsten Monate setzen die beiden Landesbanken unterschiedliche Prioritäten: Die LBBW hat mit dem angekündigten Abbau von rund 1000 Stellen im Konzern begonnen - das entspricht in etwa jedem elften Arbeitsplatz. Der Abbau, der auf mehrere Jahre angelegt ist, soll aber auf freiwilligen Lösungen basieren, etwa Abfindungen und Vorruhestandsregelungen. Nach Konzernangaben werden die Angebote gut angenommen, die Gespräche lägen im Plan. Zu Ende führen muss das Rainer Neske, der frühere Privatkundenchef der Deutschen Bank, der im November das Ruder von Vetter übernimmt.

Die BayernLB wiederum will noch in diesem Jahr die restlichen Staatshilfen an den Freistaat Bayern - rund eine Milliarde Euro - zurückzahlen, wie aus Finanzkreisen verlautet. Das Institut könnte sich damit mehr Beinfreiheit im Neugeschäft verschaffen, ist bei der Rückzahlung aber auf den guten Willen der EU und der Aufsichtsbehörden angewiesen. Zuletzt flossen im April 1,3 Milliarden Euro an den Freistaat. Die harte Kernkapitalquote schrumpfte deshalb auch: Unter Anwendung der künftig noch strengeren Regeln lag sie per Ende Juni bei 11,3 (Ende Dezember: 12,0) Prozent. Die LBBW kommt auf 14,7 (15,6) Prozent.

Quelle: ntv.de, wne/rts