Wirtschaft

BIP legt 0,8 Prozent zu Binnennachfrage beflügelt Wirtschaft

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn robust gewachsen. Dabei kommen die Impulse vor allen aus dem Inland. Und auch ein milder Winter hat einen Anteil. Für Bremsspuren sorgt dagegen der Außenhandel. Ernüchterung herrscht derweil in Frankreich.

Die deutsche Wirtschaft ist zu Jahresbeginn erwartungsgemäß kräftig gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im ersten Quartal 2014 im Vergleich zum Vorquartal preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Wirtschaftsleistung wurde von 41,7 Millionen Erwerbstätigen erbracht, das waren 344.000 Personen oder 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Damit hat sich der Aufschwung wie erwartet beschleunigt, nachdem die deutsche Wirtschaft zwischen Oktober und Ende Dezember 2013 um 0,4 Prozent zugelegt hatte. "Bei diesem kräftigen Wachstum zum Jahresbeginn spielte allerdings auch die extrem milde Witterung eine Rolle", hieß es.

Impulse liefert allein das Inland

Nach den vorläufigen Berechnungen der Behörde kamen die positiven Impulse im Vorquartalsvergleich ausschließlich aus dem Inland. Sowohl der Staat als auch die privaten Haushalte erhöhten ihre Konsumausgaben. Zudem wurde deutlich mehr in Bauten und in Ausrüstungen investiert als im letzten Jahresviertel 2013. Dagegen bremste der Außenhandel das Wirtschaftswachstum. So sanken die Exporte, derweil die Importe deutlich zunahmen.

Im Vergleich zum ersten Quartal 2013 wuchs das BIP den Angaben zufolge preisbereinigt um 2,5 Prozent und kalenderbereinigt um 2,3 Prozent. Das Wachstum habe sich damit im Vorjahresvergleich "deutlich beschleunigt".

Die Bundesregierung hatte Mitte April ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent in diesem Jahr vorhergesagt. Für das kommende Jahr erwartet sie ein Plus von zwei Prozent. Laut der kurz vorher veröffentlichten Prognose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute legt das BIP 2014 um 1,9 Prozent zu, 2015 sollen es 2,0 Prozent sein. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft um lediglich 0,4 Prozent gewachsen.

Analysten weiter zuversichtlich

Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim sagte, dass die Ausrüstungsinvestitionen für das Wachstum eine wesentliche Stütze blieben. "Allerdings gehe ich davon aus, dass die kräftige Dynamik nicht das ganze Jahr über andauern wird, vermutlich werden wir schwächeres Wachstum sehen." Unter Druck werde auch der Export bleiben, "vor allem in Schwellenländern, wo deutsche Unternehmen Risiken ausgesetzt sein können". Das aber sollte eine starke Binnennachfrage ausgleichen.   

Stefan Kipar von der BayernLB sagte, dass das Wachstum im zweiten Quartal wieder an Fahrt verlieren dürfte. Allerdings trage sich der Aufschwung selbst. Somit hänge der Aufwärtstrend weniger vom Ausland ab. Insgesamt seien die Risiken "derzeit nicht sehr groß, sollte es keine harten Wirtschaftssanktionen wegen des Ukraine-Konfliktes geben". Auch sollte sich das Wachstum in China nicht allzu stark abkühlen.

Jörg Krämer von der Commerzbank verwies darauf, dass das BIP-Plus ohne die durch den milden Winter angeregte bautätigkeit wohl nur bei 0,5 Prozent gelegen hätte. Und selbst dies wäre ordentlich gewesen. Für das zweite Quartal rechnet er mit einem Anstieg um 0,3 Prozent. Im Gesamtjahr sollten dann "problemlos um die zwei Prozent" drin sein - und zwar auch 2015. Dabei profitiere Deutschland auch von den Zinsen, die für das Land "viel zu niedrig" seien.

Für Andreas Scheuerle von der Dekabank ist das Wachstum die Summe aus der guten Verfassung der deutschen Volkswirtschaft und begünstigenden Sonderfaktoren. Dazu zählten neben dem milden Winter auch eine geringe Inflation und ein robuster Arbeitsmarkt.

Frankreich tritt auf der Stelle

Wenig erfreuliches meldet derweil Frankreich: In den ersten drei Monaten des Jahres kam die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone nicht von der Stelle. Die Verbraucher schränkten den privaten Konsum ein und die Unternehmen fuhren die Investitionen verstärkt zurück. Daher blieb das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zum Vorquartal unverändert. Volkswirte hatten im Mittel ein BIP-Plus von 0,1 Prozent erwartet. Im vierten Quartal 2013 war ein kleines Wachstum von 0,2 Prozent erzielt worden.

Die Konsumausgaben der privaten Haushalte schrumpften im ersten Quartal gegenüber den vorhergehenden drei Monaten um 0,5 Prozent. Die Bruttoanlageinvestitionen sanken um 0,9 Prozent. Damit leistete die Inlandsnachfrage (ohne Lagerveränderungen) einen negativen Beitrag zum BIP. Da zudem die Einfuhren stärker zunahmen als die Ausfuhren, schmälerte auch der Außenbeitrag das BIP-Wachstum.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa