Wirtschaft

SocGen wusste von dubiosen Deals Börsenzocker Kerviel gewinnt vor Gericht

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Wegen Kerviels hochriskante Finanzspekulationen ging die Großbank Société Générale beinahe Bankrott.

(Foto: dpa)

Seit Jahren schien klar: Der Milliardenzocker Jérôme Kerviel hat die französische Société Générale mit hochriskanten Finanzdeals fast in den Ruin getrieben. Kerviel wurde gekündigt, er musste in Haft. Doch nun glaubt ein Gericht seiner Version.

Rund fünf Milliarden Euro sind ein Haufen Geld. Die Summe entspricht in etwa dem Budget des Berliner Pannen-Flughafens BER. Oder dem Bau von drei Berliner Hauptbahnhöfen. Oder dem Betrag, den Ex-Börsenhändler Jérôme Kerviel mit hochriskanten Finanzspekulationen verzockte. Diese Zahl nannte sein ehemaliger Arbeitgeber, die französische Großbank Société Générale (SocGen), im Jahr 2008.

Kerviels Kündigung folgte prompt, genauso wie eine Anklage. 2010 wurde Kerviel wegen Untreue, Fälschung und Manipulation von Computerdaten zu fünf Jahren Haft verurteilt, zwei davon auf Bewährung. Zudem wurde er dazu verdonnert, 4,9 Milliarden Euro Schadenersatz an seinen früheren Arbeitgeber zu zahlen. Fall abgeschlossen, so schien es.

Kerviel hat seitdem beteuert, nicht allein für die riesigen Verluste verantwortlich gewesen zu sein. "Es gibt Dutzende von E-Mails, die ihr Wissen über die Geschäfte beweisen", sagte Kerviel. Genau diese Version der Geschichte hat nun ein Pariser Arbeitsgericht bestätigt. Es stellte sich auf Kerviels Seite und gab der Société Générale eine Mitschuld: Die Bank sei schon im Jahr 2007 über Kerviels Geschäfte auf dem Laufenden gewesen.

Die Kündigung sei deswegen unrechtmäßig. Zudem seien die Umstände der Entlassung "demütigend" gewesen. Die Richter drehen den Spieß nun um: Mehr als 450.000 Euro Entschädigung soll die Société Générale nun an Kerviel zahlen.

Finanzskandal von historischem Ausmaß

Es gibt nur wenige Händler, die jemals so viel Geld verzockt haben. Kerviel, der auf den Handel mit "Futures", also Zukunftskontrakten spezialisiert war, hat auf fallende Märkte gesetzt - doch sie stiegen. Bei derartig hohen Summen hätten die Transaktionen von einem hochrangigen Vorgesetzten abgesegnet werden müssen, meinen Experten. Doch in der Société Générale will von Kerviels Geschäften aber niemand etwas gewusst haben.

Dass Kerviel seine Bosse getäuscht hat, ist allerdings nicht ausgeschlossen. Schon der ehemalige UBS-Händler Kweko Adoboli hatte von 2008 bis 2011 die täglichen Handelsobergrenzen umgangen und die Risikokontrolleure der Bank belogen. Der Schweizer Bank war daraus ein Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar entstanden. 2012 wurde er dann zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Wer im Fall Kerviel wieviel wusste, war bislang unklar. Einen ersten Etappensieg in dem Dauerstreit hatte der Ex-Händler schon im März 2014 errungen. Damals bestätigte Frankreichs Oberster Gerichtshof zwar die Haftstrafe gegen den Händler, hob gleichzeitig aber das Schadenersatzurteil über 4,9 Milliarden Euro auf. Im September 2014 durfte Kerviel das Gefängnis dann nach vier Monaten Haft wieder verlassen - allerdings nur mit elektronischer Fußfessel.

Streit geht weiter

Auch nach dem jüngsten Urteil ist ein Ende des Falls nicht in Sicht. Der Anwalt der Bank spricht von einer "skandalösen" Entscheidung und hat Berufung angekündigt. Sollte sich bestätigen, dass Société Générale wirklich von Kerviels Geschäften wusste, könnte die Bank das womöglich teuer zu stehen kommen.

Denn wegen der Ausfälle, die Kerviel SocGen mit den Finanzdeals eingebrockt hatte, verdiente die 2007 weniger Geld - und sparte damit Steuern. Rund 1,7 Milliarden Euro sollen dem Fiskus laut Kerviels Anwalt durch die Lappen gegangen sein. Die könnte das Finanzamt unter Umständen zurückfordern. Die Bank weist das zurück. Die Bewertung von Kerviels Zockergeschäften sei in Übereinstimmung mit allen steuerrechtlichen Gesetzen erfolgt. Zudem seien die steuerlichen Auswirkungen öffentlich gemacht worden.

Quelle: n-tv.de

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