Wirtschaft

Mehr als 70 Millionen Tonnen China wirft mehr Stahl auf den Markt

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Stahl für Bleche, Träger oder Röhren: In China erreicht die Stahlproduktion ein neues Rekordhoch.

(Foto: REUTERS)

Mitten in der Debatte um Dumping-Stahl aus China legen Statistiker neue Zahlen auf den Tisch: Während Europas Stahlindustrie unter Dumping-Preisen und Klimaabgaben ächzt, steigt der Ausstoß chinesischer Werke weiter an.

Die Stahlproduktion in China hat im März einen neuen Höchststand erreicht. Die Produktion legte im vergangenen Monat im Jahresvergleich um 2,9 Prozent auf 70,65 Millionen Tonnen zu, wie die Statistikbehörde in Peking mitteilte. Branchenkenner sprechen von einem neuen Rekord. Der Statistik zufolge war es der erste Anstieg seit Dezember 2014.

Peking will seine Stahlproduktion eigentlich reduzieren. Aufgrund der Konjunkturabkühlung übersteigt das Angebot am Weltmarkt die Nachfrage. Kostendeckende Preise sind damit selbst für chinesische Werke nicht mehr zu erzielen.

In Europa und in den USA protestiert die Branche seit Monaten gegen Billigimporte aus China. Auch in der Volksrepublik selbst klagen Firmen wegen der Überkapazitäten und der hohen Verluste, die sie anhäufen. Ein Großteil der Überschüsse kommt nach Angaben von Branchenbeobachtern zu Dumping-Preisen auf den Markt.

Die Wirtschaftslenker in Peking ließen es zu, so lautet der Vorwurf, dass die erzeugten Stahlmengen zu einem Preis unterhalb der Produktionskosten verschleudert würden. Dies gefährde selbst an sich profitable Unternehmen in Europa, argumentieren unter anderem Vertreter der deutschen Stahlindustrie. Durch dieses Vorgehen seien wertvolle Arbeitsplätze in einer "Schlüsselindustrie" in Gefahr. In Deutschland sichert die Branche eigenen Angaben zufolge rund 85.000 Arbeitsplätze.

Stahlminister Gabriel

"Das Ruhrgebiet ist die Herzkammer der deutschen Industrie", hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erst zu Wochenbeginn erklärt. "Dazu gehört unverzichtbar die Stahlindustrie." Ohne Stahl gehe es weder in der Automobilwirtschaft noch im Maschinen- und Anlagenbau.

Die neuen Rekordmengen aus China stehen im krassen Widerspruch zu den Versprechen aus Peking: Die Regierung hatte im Januar angekündigt, die Produktion um bis zu 150 Millionen Tonnen zu kürzen. Medienberichten zufolge soll dieses Ziel allerdings binnen drei Jahren umgesetzt werden. Mittelfristig sollen 500.000 Stellen in der chinesischen Stahlindustrie gestrichen werden.

Quelle: n-tv.de, mmo/AFP

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