Wirtschaft

"Keine Deals" DIW fürchtet Nachahmereffekte

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Die Briten haben sich für den Austritt aus der EU entschieden.

(Foto: dpa)

Bislang versäumte Reformen der EU werden durch den Brexit sichtbar - so sehen es DIW-Chef Fratzscher und der Wirtschaftsweise Schmidt. Den scheideneden Briten sollte man nicht mehr allzuweit entgegenkommen.

Nach dem Nein der Briten zur EU spricht sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung für einen klaren Schnitt aus. "Ich glaube nicht, dass es im Interesse der Europäer ist, den Briten einen guten Deal zu geben", sagte der Präsident des Instituts, Marcel Fratzscher. "Brexit heißt: Ihr seid raus." Jegliches Entgegenkommen würde Nachahmererffekte provozieren, warnte Fratzscher.

Auch der Chef der Wirtschaftsweisen, Christoph Schmidt, forderte, die EU dürfe nun bei den Detailverhandlungen zur Scheidung nicht zu nachgiebig mit Großbritannien sein. Sonst werde es einen Trend zum Rosinenpicken geben, sagte Schmidt der "Rheinischen Post". Die EU sollte sich wieder mehr dem Prinzip der Subsidiarität verschreiben: "Das bedeutet, dass nur jene Dinge europäisch geregelt werden sollten, für die eine gemeinschaftliche Herangehensweise vernünftig ist, wie etwa die Frage der Asylpolitik."   

In diese Richtungen gehen auch Fratzschers Überlegungen, der forderte, die Europäische Union nun zu vertiefen. Neben einer Vollendung der Bankenunion, der Direktwahl der EU-Kommission oder ihres Präsidenten und einer eigenen Parlamentskammer für die Eurozone erneuerte Fratzscher seine Forderung eines europäischen Finanzministers. Dieser müsse in nationale Haushalte eingreifen dürfen, wenn ein Land die europäischen Verschuldungsgrenzen überschreiten. "Aber wir müssen auch das Bankensystem grundlegend aufräumen", sagte der Ökonom. "Dort liegt die größte Verwundbarkeit der Euro-Zone", viele Institute schleppten noch faule Kredite mit sich herum.

Nächster Kandidat wackelt

Fratzscher schlug zudem eine EU-weite Arbeitslosenversicherung vor. "Europa fehlt die Identität", sagte er zur Begründung. "Damit würden die Leute sehen: Ich habe auch etwas von der EU." Der Reformdruck sei groß, andernfalls könne es in Ländern wie Italien, Frankreich und den Niederlanden ähnliche Bewegungen wie in Großbritannien geben. "Ich befürchte, dass Italien der nächste Dominostein ist, der fällt." Die Regierung in Rom unternehme zu wenig gegen die vielen faulen Kredite der italienischen Banken, die Wirtschaftsleistung sei schwach, die Staatsschulden seien riesig.

Die Briten hatten sich am Donnerstag in einem Referendum mehrheitlich für einen Austritt ihres Landes ausgesprochen. Für diesen Fall hatte Fratzscher zuvor vor Rezessionsgefahren gewarnt. "Es gibt nur Verlierer durch einen Brexit", bekräftigte er danach. "Auch Deutschland wird einen hohen Preis dafür zahlen." Das Wachstum werde sich abschwächen.

Quelle: ntv.de, sba/dpa