Wirtschaft

Schafft ihn ab! Der "Steuerzahlergedenktag" ist Blödsinn

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Der Verein wirft Steuern und Sozialabgaben in einen Topf.

(Foto: imago/Joko)

Alle Jahre wieder beklagt ein Lobbyverein viel zu hohe Steuern. Die Tendenz ist allerdings so populistisch wie irreführend.

Jedes Jahr derselbe Unfug. Der Bund der Steuerzahler jammert irgendwann im Juli, dass "wir" erst ab jetzt in unsere eigene Tasche arbeiten. Medienwirksam wird der "Steuerzahlergedenktag" ausgerufen, an dem das Sprachrohr der Besserverdienenden diesmal behauptet: Ein durchschnittlicher Haushalt muss 53,7 Prozent des Einkommens an den Staat abführen - rein rechnerisch arbeite man also bis heute 21.56 Uhr für den Staat, erst dann fließe Geld aufs eigene Konto. Um es freundlich auszudrücken: Diese Behauptung ist interessengeleiteter Unsinn.

Das fängt damit an, dass der Steuerzahlerbund fröhlich Steuern und Sozialabgaben in einen Topf wirft, wenn er suggeriert, dass wir erst ab Mitte Juli "für uns" arbeiten. Damit ignoriert er geflissentlich, dass den Zahlungen in die Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung entsprechende individuelle Ansprüche gegenüberstehen.

Und noch etwas: Der von der Lobbygruppe verbreitete Durchschnittswert von knapp 54 Prozent suggeriert, dass jeder gleich viel Steuern zahlt - unabhängig von Einkommen und Vermögen. Das ist selbstverständlich nicht der Fall. Die Aussagekraft der Zahl ist damit nahezu null. Zudem Geringverdiener - im Gegensatz zu Besserverdienenden - selbst nach Lesart des Lobbyvereins schon länger "fürs eigene Portemonnaie" arbeiten.

Das Framing des vor allem von mittelständischen Unternehmen finanzierten Vereins ist offensichtlich: Die Steuerlast ist viel zu hoch, der Staat zieht dem Steuerzahler das sauer verdiente Geld aus der Tasche und wirft es zum Fenster raus. Hier sei angemerkt: Mit Steuergeld werden beispielsweise Straßen, Schulen und Krankenhäuser gebaut sowie Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr finanziert. Unabhängig davon, ob die Steuern nicht tatsächlich zu hoch sind: "Der Staat" nimmt "uns" nicht das Geld weg. Wir sind der Staat.

Quelle: n-tv.de

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