Wirtschaft

"Neue Führung angebracht" Deutsche Bank lässt Neske ziehen

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Die Doppelspitze der Deutschen Bank: Jürgen Fitschen (l.) und Anshu Jain (Archivbild).

(Foto: picture alliance / dpa)

Kurz vor der Hauptversammlung krempelt die Deutsche Bank ihre Führungsetage um. Privatkundenchef Neske nimmt im Streit um die Trennung von der Postbank seinen Hut. Der Druck auf die Bankchefs Jain und Fitschen wächst. Viele Aktionäre sind unzufrieden.

Jetzt ist es offiziell: Deutsche-Bank-Privatkundenchef Rainer Neske wird den Frankfurter Dax-Konzern vorzeitig verlassen. Der Aufsichtsrat folgte dem Wunsch des 50-Jährigen und löste Neskes Vertrag mit Stichtag zum 30. Juni auf.

Dies sei "in beiderseitigem Einvernehmen zwischen ihm und dem Aufsichtsrat beschlossen" worden, teilte die Deutsche Bank mit. Nachfolger wird nach Angaben der Deutschen Bank Christian Sewing, bislang im Vorstand verantwortlich für Recht.

Für die Deutsche Bank markiert der Abschied des Privatkundenchefs die ersten Auswirkungen der strategischen Neuausrichtung. Neske hatte vergeblich gegen die jüngst beschlossene Trennung von der Postbank gekämpft. Als der Vorstand im April den künftigen Kurs festzurrte, soll er als einziger dagegen gestimmt haben.

In den Medienberichten, in denen seit Wochenbeginn über einen Abschied Neskes spekuliert wurde, war als wahrscheinlicher Nachfolger noch Christian Ricken genannt worden. Als Mitglied des erweiterten Vorstands und bislang zweiter Mann hinter Neske im Privat- und Geschäftskundenbereich galt Ricken offenbar als natürlicher Favorit.

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Dass die Postbank abgestoßen wird und die Deutsche Bank zudem gut jede vierte eigene Filiale schließen will, schwächt die Privatkundensparte. Neske hatte sich stattdessen für eine noch größere Integration der Bonner Tochter Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern starkgemacht.

Ein Vierteljahrhundert in der Bank

Der gebürtige Westfale Neske arbeitete 25 Jahre für die Deutsche Bank, seit 1. April 2009 war er Mitglied des Vorstands und dort verantwortlich für das Geschäft mit Privat- und Geschäftskunden. Sein Vertrag wäre noch bis 31. März 2017 gelaufen.

Der Aufsichtratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, dankte Neske für 25 Jahre im Dienst der Deutschen Bank und fügte hinzu: "Angesichts der neuen strategischen Ausrichtung des Geschäftsbereichs Privat- und Geschäftskunden haben wir uns darauf verständigt, dass eine neue Führung angebracht ist."

"Neue Führung angebracht"

Die abrupte Umbesetzung im Vorstand dürfte bei der Hauptversammlung am heutigen Donnerstag in Frankfurt für weiteren Zündstoff sorgen. Ohnehin werden viele kritische Fragen der Aktionäre erwartet.

Die selbst gesetzten Ziele hat die Doppelspitze Anshu Jain und Jürgen Fitschen bislang verfehlt. Noch immer verschlingen Rechtsstreitigkeiten Milliarden. Auch für den neuen Kurs gibt es von Investorenseite keine uneingeschränkte Rückendeckung. Jain und Fitschen wollen die Postbank bis Ende 2016 verkaufen und im restlichen Privatkundengeschäft der Deutschen Bank rund 200 ihrer insgesamt etwa 700 Filialen schließen.

Hitzige Hauptversammlung erwartet

Beobachter erwarten ein hitziges Aktionärstreffen - wie bereits bei der Hauptversammlung im vergangenen Jahr, als Kritiker dem Vorstand bei der Aussprache massiv zusetzten. Unter anderem wegen des nicht zufriedenstellenden Risikomanagements beim Skandal um die Manipulation des Libor-Zinses wollen zahlreiche Wertpapierbesitzer dem Vorstand diesmal die Entlastung verweigern.

Am Mittwoch berichtete das "Manager Magazin" zudem über einen möglichen Fall von Geldwäsche in der Moskauer Niederlassung der Bank, was für weiteren Unmut sorgen dürfte.

Der Vorstand der Deutschen Bank erklärte nach der Aufsichtsratssitzung: "Jeder der heutigen Ernennungen verknüpft eine Führungskraft mit einer unserer sechs wesentlichen Entscheidungen, die wir im Rahmen der Strategie 2020 angekündigt haben". Sie seien "zuversichtlich, dass diese Änderungen im Management eine erfolgreiche Umsetzung der Strategie 2020 ermöglichen werden".

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa

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