Wirtschaft

Zurückhaltender bei Entlassungen Deutsche müssen weniger um Jobs bangen

Im Dienstleistungssektor gibt es laut Ifo erste Anzeichen für Neueinstellungen.

Im Dienstleistungssektor gibt es laut Ifo erste Anzeichen für Neueinstellungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Lauf dem Ifo-Institut gibt es für deutsche Arbeitnehmer trotz Corona-Krise weniger Grund, sich um den eigenen Job Sorgen zu machen. In einer Branche werden neue Mitarbeiter sogar dringend gesucht. Dazu wächst die deutsche Wirtschaft. Euphorie wäre aber laut Experten verfrüht.

Auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutet sich laut einer Umfrage des Ifo-Instituts eine Verbesserung der Lage an. "Die deutschen Unternehmen fahren ihre Entlassungspläne zurück", hieß es in einer nun veröffentlichten Mitteilung des Münchener Forschungsinstituts. Das auf der Basis von Umfrageergebnissen ermittelte Beschäftigungsbarometer sei im August auf 95,4 Punkte gestiegen, nach 93,2 Punkten im Juli. Der Indexwert liegt damit nur noch knapp unter dem Wert vor der Corona-Krise.

Im Verlauf des Jahres 2019 stand das Barometer bei etwa 100 Punkten. In der Krise war es im April auf 86,4 Punkte eingebrochen. "Auf dem deutschen Arbeitsmarkt steht eine Trendwende bevor", so die Ifo-Experten. Die Ergebnisse der Befragung im August hätten erste Signale für Neueinstellungen gezeigt.

Diesen Positiv-Trend stützt auch das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Das kletterte im August auf 105 Punkte und liegt damit zum ersten Mal seit Ende 2017 wieder über der 100-Punkte-Marke. Im laufenden dritten Quartal dürfte das Bruttoinlandsprodukt um rund dreieinhalb Prozent wachsen. Im zweiten Vierteljahr war es mit 9,7 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie.

"Kräftiges Plus im Sommer heißt nicht, die Krise ist überwunden"

DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen warnt aber vor Euphorie. "Auch ein wohl kräftiges Plus im dritten Quartal reicht bei weitem noch nicht, um die Krise zu überwinden", sagte er. "Diese wird uns noch eine ganze Weile begleiten." Mehrere Faktoren würden das Wachstum nach oben verzerren. So ermöglichen die Lockerungen der Corona-Maßnahmen eine Wiederaufnahme zuvor unterbundener Aktivitäten, während die Lieferketten langsam wieder funktionierten. "Stellenweise ist das also noch immer ein Anfahren aus dem Stillstand heraus und kein normales wirtschaftliches Wachstum", sagte Michelsen.

Auch über die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sollte sich in Maßen gefreut werden, da je nach Branche noch klare Unterschiede zu entdecken sind. In der Industrie sei das Beschäftigungsbarometer deutlich gestiegen. Allerdings wollen nach wie vor mehr Industriefirmen Mitarbeiter entlassen als einstellen. Im Dienstleistungssektor gebe es hingegen erste Anzeichen für Neueinstellungen.

"Insbesondere in der IT-Branche werden neue Mitarbeiter gesucht", hieß es vom Ifo. Dagegen sei der Handel weiter zurückhaltend bei der Personalsuche. Hier werde tendenziell mit Entlassungen gerechnet. Im Bauhauptgewerbe gibt es laut der Umfrage gegenwärtig kaum Dynamik bei der Beschäftigungsentwicklung.

Das Ifo-Beschäftigungsbarometer basiert auf etwa 9000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Groß- und Einzelhandels und des Dienstleistungssektors. Die Unternehmen werden gebeten, ihre Personalplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen.

Quelle: ntv.de, ysc/rts/dpa