Wirtschaft

Kommen die Niedrigzinsen? Draghi wälzt das Inflationsproblem

RTR3OBCB.jpg

Inflation und starker Euro: Die EZB unter Mario Draghi muss sich selbst korrigierende Faktoren und die verzögerte Wirkung ihrer Aktionen im Auge bei der Entscheidungsfindung wägen.

(Foto: REUTERS)

Die Hoffnungen sind Erwartungen gewichen: Nach einem wahren Trommelfeuer öffentlicher Äußerungen von EZB-Vertretern rechnen Anleger fest mit einer noch lockeren Geldpolitik. Nun skizziert der oberste Währungshüter, wie sehr es in den Notenbankern arbeitet.

Europas Währungshüter suchen nach einer ausgewogenen Reaktion auf die Risiken zu niedriger Inflationsraten. "Wir werden uns nicht damit abfinden, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt", sagte EZB-Präsident Mario Draghi bei einer Konferenz der Europäischen Zentralbank im portugiesischen Sintra. Damit nährte er die bereits verfestigte Erwartung, dass der EZB-Rat die Geldpolitik bei seiner nächsten Sitzung Anfang Juni noch weiter lockern wird.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,05

"Worauf wir derzeit besonders achten müssen, ist die Gefahr einer negativen Spirale zwischen niedriger Inflation, sinkenden Inflationserwartungen und der Kreditvergabe, besonders in den Krisenländern", so Draghi. Die EZB hat ihren Hauptrefinanzierungssatz bereits auf 0,25 Prozent reduziert, während der Satz für Bankeinlagen bei der Zentralbank schon seit längerer Zeit bei null liegt.

Hoffen auf Selbstkorrektur

Als spezifische Ursachen der niedrigen Inflation in der Eurozone nannte Draghi den starken Euro und die Anpassungsprozesse in den Krisenländern zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Der hohe Euro-Kurs mindere auf der einen Seite einige Einfuhrpreise und stärke so die Kaufkraft sowie letztlich die Binnennachfrage. Dies wiederum erhöhe mit Verzögerung wiederum den Inflationsdruck - man darf also auf eine Selbstkorrektur hoffen.

Andererseits jedoch reduziere der starke Euro die Nachfrage nach Waren aus der Eurozone. Zudem schwächten die Anpassungsprozesse in Südeuropa kurzfristig Nachfrage und Inflation - erhöhten langfristig aber die Wettbewerbsfähigkeit und damit auch Einkommen und Inflation. Auch hier findet also eine Selbstkorrektur statt.

Maßnahmen wirken verzögert - zu spät?

Verschärft wird die Lage in der Eurozone laut Draghi dadurch, dass die Übertragung geldpolitischer Signale gestört ist. Dadurch wirkten Reaktion der Zentralbank zu spät. "Also könnten stärker vorbeugende Maßnahmen angezeigt sein", argumentierte er.

Zwar erwarte die Notenbank weiterhin, dass die Teuerungsraten sich mittelfristig wieder dem Stabilitätsziel der EZB von knapp unter 2,0 Prozent annähern werden. "Es ist dennoch unsere Verantwortung, die Risiken für dieses Szenario zu sehen und bereit zu sein zum Eingreifen, falls notwendig", sagte er Notenbank-Chef. Die Inflation im Euroraum ist seit Monaten sehr niedrig. Im April lag die Jahresrate bei 0,7 Prozent.

Es gebe durchaus das Risiko, dass sich die Erwartung sinkender Teuerungsraten durchsetze. Verbraucher sowie Unternehmen könnten dann Investitionen aufschieben und die konjunkturelle Erholung bremsen. "In diesem Umfeld muss eine Antwort der Geldpolitik sorgfältig abgewogen und präzise ausgestaltet sein", sagte er.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen