Wirtschaft

Konzern verschafft sich etwas Luft Eon stößt italienische Wasserkraftwerke ab

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Auf dem Gelände einer Gasanlage des Energieversorgers in Schwandorf (Oberpfalz).

(Foto: dpa)

Deutschlands größter Energiekonzern Eon trennt sich von seinen Wasserkraftwerken in Italien. Käufer ist der Ökostrom-Erzeuger ERG. Den Erlös von rund eine Milliarde Euro kann Eon gut gebrauchen. Den Konzern drücken Schulden von knapp 32 Milliarden.

Der Energiekonzern Eon hat sich im Kampf gegen die Gewinneinbrüche in der Stromerzeugung mit einem Verkauf in Italien etwas Spielraum verschafft. Der Versorger stieß sein dortiges Wasserkraftwerksgeschäft mit 527 Megawatt Leistung für rund eine Milliarde Euro an den Ökostromkonzern ERG ab. Der Preis liegt im Bereich dessen, was Insider erwartet hatten. Die Aktie gab am Freitag zeitweise trotzdem etwas nach. Mit dem Verkauf zieht sich der vor der Aufspaltung stehende Versorger weiter aus Südeuropa zurück, wo er vor Jahren auf milliardenschwere Einkaufstour gegangen war.

Da Eon in der Stromerzeugung wegen der gefallenen Großhandelspreise kaum noch etwas verdient, setzt der Konzern auf den Vertrieb und das Geschäft mit Energiedienstleistungen.

Entgegen früheren Überlegungen will der Energieriese auch in Italien sein Vertriebsgeschäft mit Strom und Gas behalten. Dies sei das Ergebnis einer strategischen Überprüfung. Der Konzern versorgt in Italien rund 700.000 Kunden mit Strom und Gas. Auch das Geschäft mit dezentralen Energieanlagen solle in dem Land weiter ausgebaut werden. Die Tochter Eon Connecting Energies hat dabei vor allem Industrie- und Gewerbekunden im Blick.

Ende des teuren Ausflugs nach Südeuropa

Aus anderen Geschäften in Südeuropa hat sich der Versorger bereits zuvor verabschiedet. So hatten die Düsseldorfer Anfang dieses Jahres ihre Kohle- und Gaskraftwerke in Italien an den tschechischen Versorger EPH abgestoßen. Das überschaubare Solargeschäft in Italien ging wenig später an den Finanzinvestor F2i. Den Rückzug aus Spanien und Portugal hatte Eon bereits Ende 2014 besiegelt. Eon war unter dem damaligen Chef Wulf Bernotat auf Einkaufstour in Südeuropa gegangen. Nachdem dieser 2007 das Bieterrennen um den spanischen Versorger Endesa verloren hatte, kaufte Eon für rund 11,5 Milliarden Euro Versorger und Kraftwerke in Südeuropa. Wegen der Wirtschaftskrise schrumpfte aber die Stromnachfrage. Eon musste auf die Zukäufe mehr als die Hälfte der Summe abschreiben.

Den Verkauf der 16 Wasserkraftwerke in Italien will Eon bis Ende des Jahres abschließen. Der Käufer ERG erklärte, er erwarte von den Anlagen einen operativen Gewinn (Ebitda) von jährlich 110 Millionen Euro. Gut 100 Mitarbeiter wechseln die Seiten. Eon kann den Kaufpreis gut gebrauchen. Den Konzern drücken Schulden von knapp 32 Milliarden Euro. In der kommenden Woche legt Vorstandschef Johannes Teyssen die Halbjahreszahlen vor.

Quelle: ntv.de, ppo/rts