Wirtschaft
Oft ist ein Meister- oder Technikerabschluss auf lange Sicht sogar lukrativer als ein Studium.
Oft ist ein Meister- oder Technikerabschluss auf lange Sicht sogar lukrativer als ein Studium.(Foto: imago/Westend61)
Mittwoch, 29. März 2017

Bildungsstudie widerlegt Mythen: Es muss nicht immer ein Studium sein

Wer später gut verdienen will, braucht einen Uni-Abschluss - diese Ansicht ist in Deutschland noch immer weit verbreitet. Seit Jahren steigt die Zahl der Hochschulabsolventen. Doch eine Studie des Ifo-Instituts zeigt: Ein Meisterbrief lohnt sich oftmals mehr.

Je höher der Bildungsabschluss, desto größer ist im Schnitt auch das Einkommen: Nach einer Untersuchung des Ifo-Institutes im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment bringt jeder höhere Abschluss über das gesamte Erwerbsleben mehr Einkommen - nach Abzug der Kosten in Deutschland kommen Erwerbstätige demnach auf 22 und 64 Prozent mehr Geld. Zugleich senkt Bildung das Risiko der Arbeitslosigkeit deutlich "und ist daher die beste Arbeitslosenversicherung", sagte Studienautor Ludger Wößmann in Frankfurt.

Je höher der Bildungsabschluss, desto höher das Lebenseinkommen.
Je höher der Bildungsabschluss, desto höher das Lebenseinkommen.

Als Vergleichsgrundlage nutze das Institut das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Arbeitnehmers ohne Berufsausbildung. Mit einer abgeschlossenen Lehre steige dies den Angaben zufolge bereits um durchschnittlich 143.000 Euro netto - wobei Meister oder Techniker noch einmal deutlich besser verdienen als Erwerbstätige mit einer einfachen Ausbildung. Zudem werden sie von der Wirtschaft händeringend gesucht.

"Wir brauchen Master und Meister", mahnte etwa der Präsident des Maschinenbauverbandes (VDMA), Carl Martin Welcker. Für viele technische Ausbildungsberufe habe sich das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage weiter verschärft. 41 Prozent der vom VDMA im vergangenen Jahr befragten Maschinenbauer hatten offene Stellen für Facharbeiter oder Techniker.

Es kommt auf den Studiengang an

Studienautor Ludger Wößmann
Studienautor Ludger Wößmann

In einigen Fällen ist ein Meister- oder Technikerabschluss auf lange Sicht sogar lukrativer als ein Studium. Während ein Kunstwissenschaftler laut Studie im Schnitt nur 73.775 Euro mehr verdient als ein Erwerbstätiger mit abgeschlossener Berufsausbildung, sind es bei Meistern und Technikern knapp 130.000 Euro netto - ganz abgesehen davon, dass ein selbstständiger Meisters mit gut laufendem Betrieb laut Wößmann ohnehin deutlich mehr verdienen könne als ein Hochschulabsolvent.

Auch studierte Sozialarbeiter haben im Schnitt kaum 20.000 Euro mehr auf dem Lebenskonto als Ausgelernte. Nichtsdestotrotz ist das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Universitätsabsolventen mit 387.000 Euro immer noch am höchsten. Dabei kommt es vor allem auf die Wahl des Studiengangs an - und auf das Geschlecht.

Studie spiegelt "Gender-Gap" wider

Ein Medizinstudium bringt einem Mann über das gesamte Erwerbsleben im Schnitt bis zu 983.000 Euro mehr Einkommen als eine Lehre - bei Frauen sind es rund 350.000 Euro weniger. Lediglich in den Bereichen Kunstwissenschaften, in der Sozialarbeit, im Lehramt außerhalb von Gymnasien und Berufsschulen sowie in einigen anderen Studiengängen erzielen Frauen höhere Lebenseinkommensgewinne als Männer.

In den meisten Fachrichtungen lohne sich ein Studium für Männer deutlich mehr als für Frauen. Die Autoren führen dies auf das tendenziell niedrigere Lohnniveau für Frauen sowie darauf zurück, dass sie häufiger in Teilzeit arbeiten und tendenziell mehr Auszeiten zur Kinderbetreuung nehmen. Zudem hätten gut ausgebildete Männer häufiger Positionen, die besonders gut bezahlt seien.

Quelle: n-tv.de