Wirtschaft

Schweinepest breitet sich aus Folgen für Fleischexport "nicht ausgeschlossen"

246377597.jpg

Die ersten Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Hausschweinen sind in Deutschland aufgetaucht.

(Foto: picture alliance / PHOTOPQR/LE PROGRES/MAXPPP)

Nicht nur Wildschweine, auch Hausschweine sind nun in Deutschland von der Afrikanischen Schweinepest befallen. Nach zwei Haltungen ist ein weiterer Betrieb in Brandenburg betroffen. Der Bund setzt weiter auf den Fleischexport aus seuchenfreien Regionen. Am Montag beraten die EU-Agrarminister.

In Brandenburg ist auf einem dritten landwirtschaftlichen Betrieb die Afrikanische Schweinepest (ASP) bei Hausschweinen festgestellt worden. Es handle sich um einen Kleinstbetrieb im Landkreis Märkisch-Oderland, teilt das Bundeslandwirtschaftsministerium in Berlin mit. Zwei Mastschweine seien bereits verendet, zwei erkrankte Tiere hätten getötet werden müssen. Das Friedrich-Loeffler-Institut habe die Seuche nachgewiesen.

Die Afrikanische Schweinepest war am Donnerstag erstmals in Deutschland bei Hausschweinen festgestellt worden: auf einem Bio-Hof mit 200 Tieren im Landkreis Spree-Neiße und einem Betrieb mit nur zwei Schweinen in Märkisch-Oderland. Die Tiere wurden getötet.

Die Seuche verläuft bei Schweinen fast immer tödlich, für den Menschen ist sie hingegen ungefährlich. Übertragen werden kann sie über direkten Kontakt zwischen Tieren oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie beispielsweise Schuhe oder auch weggeworfene Lebensmittel.

Im vergangenen September hatte es den ersten bestätigten Fall in Deutschland bei einem Wildschwein in Brandenburg gegeben, was bei Schweinehaltern Befürchtungen vor Exportbeschränkungen und großen wirtschaftlichen Schäden ausgelöst hatte. Seitdem wurden ASP-Fälle auch bei Wildschweinen in Sachsen bestätigt. In den betroffenen Gebieten wurden Schutzmaßnahmen ergriffen: Sperrzonen wurden eingerichtet und Zäune gebaut. So sollte verhindert werden, dass die Virusinfektion von Wildschweinen auf Hausschweine übergreift. Brandenburgs Landesregierung geht unter Berufung auf Experten bisher davon aus, dass das Virus über Wildschweine aus Polen eingeschleppt worden sein könnte.

EU-Agrarminister beraten Montag

Das Bundeslandwirtschaftsministerium gab für den Fleischhandel Entwarnung mit dem Verweis auf das Regionalisierungsprinzip und den Fleischexport aus seuchenfreien Regionen. Die Möglichkeit des Handels innerhalb der EU mit Schweinen und Schweinefleisch bestehe fort, da die betroffenen Hausschweinbestände in denselben Regionen liegen, sagte eine Sprecherin. Das Ministerium habe sich bei der EU erfolgreich für ein Konzept eingesetzt, mit dem der Export von Schweinefleisch aus Gebieten möglich ist, die frei von Afrikanischer Schweinepest seien.

Nach dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Staaten außerhalb der EU - darunter China, Südkorea und Japan - Schweinefleisch-Einfuhren aus ganz Deutschland gestoppt. Mit Ländern wie Vietnam, Singapur und Kanada konnte aber nach Angaben der Sprecherin eine Regionalisierung - der Export aus seuchenfreien Gebieten - erreicht werden. Mit ihnen sollte der Handel auch bei ASP-Fällen bei Hausschweinen prinzipiell weiter möglich sein, sagte sie. Es sei auch gelungen, mit Brasilien, Argentinien, Südafrika und Südkorea Ausnahmen von der vollständigen Exportsperre für behandelte oder verarbeitete Schweinefleischerzeugnisse oder Produkte vom Schwein zu erreichen.

Mehr zum Thema

Zugleich ergänzte die Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums: "Obwohl der sichere Handel mit Schweinefleisch und Schweinefleischerzeugnissen weiterhin gewährleistet ist, ist es jedoch nicht ausgeschlossen, dass vor dem Hintergrund der derzeitigen Lage Drittländer weitere Handelsbeschränkungen verhängen". Die EU-Agrarminister werden bei ihrem Rat am Montag voraussichtlich auch über die Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest sprechen. Wie sich der Schweinefleischpreis entwickelt, war zunächst unklar.

Nach den ersten Fällen der Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen in Deutschland rief der Dachverband der Schweinehalter Schlachtunternehmen und Handelskonzerne zur Solidarität mit den Landwirten aufgerufen. Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter (ISN), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ): "Die Bauern machen jetzt schon 30 bis 40 Euro Verlust pro Schwein, während andere sich die Taschen vollmachen. Ich erwarte von Fleischwirtschaft, Handel und Gastronomie, die Not nicht weiter zu verschärfen." Es gebe keinen wirtschaftlichen Grund, jetzt die Auszahlungspreise noch weiter zu senken.

Quelle: ntv.de, sbl/dpa/AFP

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen