Wirtschaft
Mark Zuckerberg hat bei Facebook  Vorkehrungen für einen Wechsel in die Politik getroffen.
Mark Zuckerberg hat bei Facebook Vorkehrungen für einen Wechsel in die Politik getroffen.(Foto: REUTERS)
Freitag, 09. Dezember 2016

Planspiele des Facebook-Chefs: Geht Mark Zuckerberg in die Politik?

Von Hannes Vogel

Gerichtsdokumente enthüllen brisante Karriere-Pläne von Mark Zuckerberg: Der Facebook-Chef hat sich längst für einen möglichen Wechsel in die Politik abgesichert. Für den Tech-Riesen könnte das gefährlich werden.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat Vorkehrungen für einen Wechsel in die Politik getroffen, bei dem er gleichzeitig die Kontrolle über Facebook behalten würde. Das berichtet der britische "Guardian" unter Berufung auf US-Gerichtsdokumente. Die Überlegungen werden publik, weil Zuckerberg für den Wechsel in ein politisches Amt vorsorglich die Facebook-Aktionärsstruktur umbauen will und Anleger nun dagegen klagen. Bis zum Urteil liegen die Pläne vorerst auf Eis.

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Der Facebook-Gründer will mit dem Vorschlag seine Macht auf ewig zementieren. Dafür soll der Konzern neue Aktien ohne Stimmrecht einführen, die auf Zuckerberg und alle anderen Anleger verteilt werden sollen. Gleichzeitig soll Zuckerberg aber seine Super-Aktien mit jeweils zehn Stimmen und alle anderen Investoren ihre normalen Aktien mit nur einer Stimme behalten. So könnte Zuckerberg Facebook-Anteile verkaufen, um Geld für wohltätige Zwecke zu spenden, ohne die Kontrolle über Facebook aufzugeben: Er hält mehr als 60 Prozent der Stimmrechte.

Hintergrund des Umbaus ist auch, dass Zuckerberg offenbar bereits für eine politische Karriere vorbaut. Im Fall seines Todes oder freiwilligen Rücktritts sollen seine Super-Aktien in normale Anteile umgewandelt werden und er seine Kontrolle über Facebook verlieren. Es sei denn, der Rücktritt "stünde im Zusammenhang mit dem Dienst in einer Regierungsposition oder einem Amt". Der Ausflug in die Politik darf höchstens zwei Jahre dauern. So steht es in den Unterlagen, die Facebook bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat.

Würden die Aktionäre "durchdrehen"?

In der Anlegerklage gegen die Umbaupläne sind nun SMS aufgetaucht, die enthüllen, wie Zuckerberg mit Facebook-Managern über eine mögliche politische Karriere spricht - und wie die Pläne am besten den Aktionären verkauft werden sollen. Seine politischen Ambitionen sind für Facebook ein großes Problem. Denn ein plötzlicher Rücktritt des visionären Gründers könnte den Internetriesen ähnlich hart treffen wie der plötzliche Tod von Steve Jobs den Apple-Konzern.

Das "größte Thema" sei, "wie man dieses Regierungsding definiert, ohne dass die Aktionäre total durchdrehen, dass du dein Engagement verringerst", simste Marc Andreesen, einer der größten Facebook-Investoren, im März laut "Guardian" an Zuckerberg. Einem anderen Facebook-Aufsichtsrat, Bill Clinton's früherem Stabschef Erskine Bowles, sei "extrem unbehaglich" bei der Vorstellung, Zuckerberg würde "in Pause gehen ohne Beschluss des Aufsichtsrats und die Kontrolle behalten", textete Andreesen später.

Bowles sei "besorgt, dass die Leute sagen werden: 'Warum zur Hölle habt ihr dem zugestimmt', besonders weil er denkt, dass du beim Wechsel in die Regierung sowieso die Kontrolle über Facebook abgeben müsstest und das sowieso ein rein akademisches Thema ist", schrieb Andreesen. "Mein Gegenargument ist: Gerade weil es wahrscheinlich rein hypothetisch ist, lass es uns einfach machen, es wird sowieso nie was bedeuten." Die Facebook-Manager beschlossen daraufhin die politische Hintertür für Zuckerberg. Und die Facebook-Hauptversammlung nickte sie im Juni ebenfalls ab - mit den Stimmen von Zuckerberg, der die Mehrheit an Facebook hält.

Zuckerberg ist längst Politiker

Offiziell versucht Facebook tunlichst den Anschein zu vermeiden, sich in die Politik einzumischen. Doch die Plattform ist längst ein riesiger politischer Player. Weltweit färbt sie für Milliarden Menschen die Wirklichkeit. Sie ist der wichtigste Verbreitungskanal für Fake News. Und auch Chef Zuckerberg verfolgt längst politische Ziele.

Gemeinsam mit seiner Frau Priscilla, einer Kinderärztin, gründete er vor einem Jahr anlässlich der Geburt ihrer Tochter eine milliardenschwere Stiftung. Er versprach, der Chan Zuckerberg Initiative (CZI) in der Zukunft all seine Facebook-Aktien zu spenden. Sie investiert in Wissenschaft und Forschung und hat sich nichts weniger als die Heilung oder Behandlung aller Krankheiten bis zum Jahr 2100 zum Ziel gesetzt.

Auch ohne die Planspiele bei Facebook für Zuckerbergs mögliche Polit-Karriere sind seine Ambitionen längst erkennbar. Im April hielt Zuckerberg eine seiner bisher politischsten Reden bei der Facebook-Entwicklerkonferenz in San Francisco. "Ich höre ängstliche Stimmen, die danach rufen Mauern zu bauen und Menschen auszugrenzen, die sie als "anders" bezeichnen", mahnte Zuckerberg.

Mit Jumbo-Drohnen will er das Internet bald in die ärmsten Winkel der Welt beamen. "Wir stehen dafür, jeden Menschen zu vernetzen – für eine globale Gemeinschaft, dafür Menschen zusammenzubringen, allen Menschen eine Stimme zu geben, für einen freien Fluss von Ideen und Kultur über Nationen hinweg", sagte Zuckerberg. Da klang er fast schon wie der nächste US-Präsident.

Quelle: n-tv.de