Wirtschaft

Vaterfreude und Megaspende Mark Zuckerberg ist jetzt ein besserer Mensch

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan haben einen "Brief an unsere Tochter" geschrieben.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bisher galt Facebook-Chef Zuckerberg nicht gerade als sympathisch. Eher als Soziopath. Doch nun versucht er sein Image mit einem Milliardengruß aufzupolieren. Und inszeniert sich mit Babyfotos als Weltverbesserer.

Es ist diese letzte Szene in dem Film "The Social Network", die Mark Zuckerberg bis heute verfolgt. Sein Alter Ego sitzt allein vor dem Laptop in einem Konferenzraum, nachdem ihm seine Anwältin ins Gewissen geredet hat. Statt seine Ex-Freundin anzurufen, die er am Anfang des Films auf unmögliche Art beleidigt hat, und sich bei ihr zu entschuldigen, schickt ihr der Film-Zuckerberg einfach eine Facebook-Anfrage.

Dann aktualisiert er im Sekundentakt den Browser, um zu sehen, ob sie schon angenommen hat. Der Erfinder des größten virtuellen Freunde-Netzwerks der Welt ist ein unbeholfener Egomane ohne Freunde oder Sozialkompentenz - das ist das Bild, das Regisseur David Fincher von der Facebook-Gründung und Mark Zuckerberg zeichnete.

Als "pure Fiktion" hat Zuckerberg den Film abgetan, der schon vor fünf Jahren in den Kinos lief. Trotzdem lastet seitdem der Eindruck auf ihm, er sei ein unausstehlicher Soziopath, der die Idee für Facebook geklaut hat. Die ersten Facebook-Nutzer bezeichnete der damals 19-jährige Zuckerberg in Chat-Nachrichten aus seiner Harvard-Zeit als "dumb fucks", Vollidioten, die ihm "vertrauten" und freiwillig alle ihre persönlichen Daten ausliefern würden. Zuckerberg hat die Echtheit der Nachrichten bestätigt und sich für diese Jugendsünden entschuldigt.

Weltverbesserung mit Babyphotos

Nun geht er einen weiteren Schritt, um sein Image aufzupolieren. Auf Facebook, wo sonst, kündigte Zuckerberg an, fast alle seine Aktien für wohltätige Zwecke spenden zu wollen. 45 Milliarden Dollar sind die Facebook-Anteile wert. Die Botschaft ist lobenswert, doch die Art, wie Zuckerberg sie verbreitet, lässt wundern: unter einem Foto, das ihn mit seiner Frau Priscilla Chan im Babyglück zeigt. Angeblich schreiben Mutter und Vater dort einen "Brief an unsere Tochter". Doch in Wahrheit wenden sie sich an den Rest der Welt.

Stars wie Arnold Schwarzenegger haben den Brief geliked, so wie mehr als eine Million Facebook-User. Zeigt hier ein frischgebackener Papa einfach nur seine Vaterfreude? Oder instrumentalisiert einer der mächtigsten Tech-Milliardäre das erste Foto seiner Tochter als Kulisse, um sich selbst ein Denkmal zu setzen? Zuckerbergs Botschaft unter dem intimen Foto wirkt jedenfalls aufgesetzt.

"Wir hoffen, du wirst glücklich und gesund", schreibt Zuckerberg zu Beginn. Doch gleich danach dreht sich der Brief nur noch um die Probleme der Welt: Krankheiten, Ungleichheit, Umweltverschmutzung, Hunger. Und welche Leistungen Zuckerberg und seine Frau mit ihrem Geld vollbringen wollen, um sie zu lösen.

Anbandeln mit der Milliardärstochter

"Wir müssen Technologie entwickeln, um die Dinge zu verändern. Wir müssen uns in Politik und der Interessenvertretung einsetzen, um Debatten zu beeinflussen. Wir haben eine moralische Verantwortung für alle Kinder in der nächsten Generation", schreibt Zuckerberg. Und endet mit "In Liebe, Mom und Dad". Natürlich nur damit Max die Botschaft auf keinen Fall verpasst, hat Zuckerberg die wichtigsten Sätze sogar gefettet.

Einige Facebook-User versuchen, sich ähnlich ungelenk wie Zuckerberg im Rampenlicht zu sonnen: "Das hier ist meine Tochter", postet ein Mann ein Bild unter Zuckerbergs Brief. "Wenn es Ihnen nichts ausmacht, bitte liken Sie mein Babyfoto, Mr. Zuckerberg".

Andere Trittbrettfahrer offenbaren noch unheimlichere Absichten: Ein Mann aus Australien versucht unter Zuckerbergs Brief, seinen ebenfalls frischgeborenen Sohn gleich mit Zuckerbergs frischgeborener Tochter zu verkuppeln: "Ich hab mich gefragt, ob du vielleicht mal mit mir essen gehst, in 18 Jahren oder so?" hat der Mann unter ein Foto seines Sprösslings geschrieben. Auch von Zuckerberg selbst gibt es wohl bald neue Bilder. "Niedliche Fotos kommen in den nächsten paar Wochen", kündigt er in einem Kommentar unter seinem Brief an.

Quelle: ntv.de

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