Wirtschaft

"Und was ist Quantitative Easing?" Comicfiguren erklären große Geldpolitik

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Knuddelige Bärchen erklären mit blecherner Stimme die Welt des Geldes.

(Foto: Youtube/Xtranormal)

Die EZB will ihrer großen Schwester Fed nacheifern und in großem Stil Anleihen kaufen. Zwei Bärchen unterhalten sich in einem Youtube-Comic darüber, wie das damals in Amerika war. Mit erfrischend naiven Fragen und vielen scharfsinnigen Antworten.

Mit ihren Computer-Stimmen kommen die beiden animierten Figuren, die hier große Geldpolitik wälzen, ziemlich dämlich rüber. Aber bei genauem Zuhören ist dieser vier Jahre alte YouTube-Comic über das zweite QE-Programm der Fed überhaupt nicht doof. Ein Tubbiebär fragt den anderen jede Menge Löcher zum sogenannten Quantitative Easing in den Bauch. Keine Frage ist ihm zu dumm. Was er nicht durchgehen lässt, ist Fachchinesisch.

Was bedeutet es, wenn von "großen Anlagekäufen" der Zentralbanken die Rede ist? Und was heißt, die Notenbank "weitet ihre Bilanz aus"? Was genau machen Währungshüter beim "Quantitative Easing"? Der braune Tubbiebär (oder ist das doch ein Hündchen?) fragt beharrlich weiter. Er lässt einfach nicht locker.

Die weiße, klügere Bären-Ausgabe gibt sich geschlagen. "Sie drucken eine Tonne Geld", lautet am Ende die überraschend simple Antwort. Das versteht der etwas tumbe Kollege denn auch. Warum nicht gleich so: "Warum sagen sie das dann nicht so?" Darauf hat der kluge Bär auch eine klare Antwort: "Weil Gelddrucken das letzte Mittel von fehlgeleiteten Wirtschaftsmächten und Bananenrepubliken ist. Die Fed will einfach nicht zugeben, dass ihr die Ideen ausgegangen sind." Das sitzt.

Das soll einer begreifen

Einfach so Geld drucken, das hört sich für den braunen Bär gar nicht gut an. Dafür muss es einen Grund geben. Deflation? Angst davor, dass die Preise sinken? Das, was für die Verbraucher gut ist, soll schlecht sein? Das geht ihm nicht in seinen riesigen Wackelkopf. Wie kann es sein, dass es schlecht ist, wenn Menschen, die in einer schwachen Konjunkturphase über weniger Geld verfügen, niedrigere Preise zahlen müssen? Doch, doch versichert der weiße Erklär-Bär und wackelt seinerseits mit Ballonkopf und Ballonleib in entgegengesetzte Richtungen. "Die Fed will lieber Inflation." Na ja. "Aber wo sind dann Inflation und Deflation, wenn für uns doch alles teurer wird?", fragt der weiße Bär. Es folgt die Glaubwürdigkeitsfrage: Was die Fed denn vorzuweisen habe, dass man ihr all das abkaufen solle?

Nach langem Zögern kommt die niederschmetternde Antwort: Gar nichts. 20 Jahre Fehleinschätzungen. So sieht die traurige Bilanz aus. Die amerikanische Notenbank hat weder die Internetblase noch die Immobilienblase kommen sehen. Kurz vor der Lehman-Pleite tönte sie noch, die Hypothekenprobleme seien unter Kontrolle. Der braune Bär hakt weiter nach und fragt nach der Qualifikation des obersten Währungshüters. Da bekommt die Fed nun richtig ihr Fett weg. Der Notenbankchef darf zwar über das Volksvermögen regieren, aber er ist weder demokratisch gewählt, noch hat er politische Erfahrung vorzuweisen.

Eine Episode aus "Twilight Zone"?

Der Gipfel der Erkenntnis nähert sich, als der braune Knuddeltubbie, mit seiner Computerstimme fragt, wo die Fed denn die Staatsanleihen kaufe. "Drucken sie Geld und kaufen dann beim Finanzministerium?" Die Antwort halt blechern nach: "Nein. Bei Goldman Sachs." Das lockt den braunen Zeichenbär aus der Reserve: "You must be shitting me!" Die Fed geht hin und verhandelt mit einer Bank über Volumen und Preise, wenn sie Anleihen direkt an der Quelle kaufen könnte? Warum?

Die Fragen prasseln immer schneller auf den Erklär-Bär nieder: "Und bekommt die Fed einen guten Preis?" - "Natürlich nicht. Die Bank lebt davon, die Menschen zu betrügen." Der braune Bär ist bedient. Er fragt sich, ob das noch Realität oder vielleicht schon eine Episode aus "Twilight Zone" ist.

Je mehr er versteht desto größer werden die Widersprüche. Inflation ist gut, weil es der Wirtschaft bei steigenden Preisen besser geht? Der Häusermarkt soll anspringen und Jobs entstehen? Eine Bank greift das Geld der Steuerzahler ab, sie saniert ihre eigene kranke Bilanz. Und das soll helfen? Da ist doch Skepsis angebracht. "Hat das schon mal jemand ausprobiert?"- "Ja, die Fed selbst mit ihrem ersten Programm." Und: "Hat das geholfen?"- "Nein". "Wirklich nicht?" - "Nur Goldman Sachs."

Die Parallelen zwischen amerikanischer und europäischer Geldpolitik sind nicht von der Hand zu weisen. "Euro-Rettung" oder "Konjunkturbelebung" bedeutet nicht, dass es gerecht zugeht. Es bleibt die Erkenntnis, dass Geldpolitik manchmal einfach nicht zu verstehen ist. Und der ganze Zauber wahrscheinlich wirklich nur damit zu erklären ist, dass Mario Draghis Zauberkiste ebenso leer ist wie die von Ben Bernanke vor ein paar Jahren. Noch eine Erkenntnis lässt sich aus dem naiven Zeichentrickfilm ziehen: Man sollte nie aufhören zu fragen. Auch wenn man die Dinge am Ende trotzdem nicht versteht.

Quelle: ntv.de

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