Wirtschaft

Weniger Präsenz lohnt sich Homeoffice, für Google ein Milliarden-Booster

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Wohlfühlen wird bei Google großgeschrieben: Die spezielle Arbeitsumgebung soll ein Bonus und idendifikationsstiftend für die Mitarbeiter sein.

(Foto: REUTERS)

Die Pandemie entpuppt sich für die Geschäfte von Google als sehr gesund. Nicht nur das Werbegeschäft boomt. Auch das Arbeiten der Mitarbeiter im Homeoffice ist bares Geld wert. Gut für den Chef Pichai, dass die meisten die exklusive Umgebung auf dem Campus im Silicon Valley gar nicht so sehr vermissen.

Homeoffice in der Corona-Krise entpuppt sich als großer Glücksfall für Google. Dass die Mitarbeiter zu Hause arbeiten plus der Online-Werbeboom Anfang des Jahres, hat die Kassen der Konzernmutter Alphabet kräftig klingeln lassen.

Wie die jüngsten Geschäftszahlen verraten, sparte der Konzern im ersten Quartal - und "in erster Linie als Folge von Covid-19" - 268 Millionen US-Dollar bei Reisekosten und Firmenpromotion zum Vorjahr. Hochgerechnet sind das Einsparungen von mehr als einer Milliarde US-Dollar auf das gesamte Geschäftsjahr hochgerechnet. Das entspricht den Ersparnissen des Vorjahres: Denn bereits im Pandemie-Jahr 2020 hatte der Konzern für Werbe- und Verkaufsförderung 1,4 Milliarden US-Dollar weniger ausgegeben als 2019, weil Kampagnen gestopppt, verschoben oder in digitale Formate umgewandelt worden waren. Gleichzeitig brummen die Geschäfte: Trotz niedriger Marketing- und Verwaltungskosten konnte der Umsatz im ersten Quartal um 34 Prozent gesteigert werden.

Erwachen aus der Corona-Starre

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Google gehörte zu den ersten großen Tech-Unternehmen, die im Sommer 2020 verkündeten, dass die Angestellten bis Mitte 2021 im Homeoffice bleiben sollten. Mittlerweile bestellen viele US-Firmen ihre Angestellten aber langsam wieder in die Büros zurück.

Google bietet seinen US-Mitarbeitern an, ab diesem Monat auf freiwilliger Basis zurückzukommen. Ab September sollen sie drei Mal in der Woche im Büro arbeiten. Google will damit eine flexible Arbeitswoche testen, je nach Infektionszahlen am jeweiligen Standort. Dass alle Mitarbeiter zurückkehren, ist nicht geplant. Gegenüber Investoren sprach Finanzvorstand Ruth Porat von einem "Hybrid" -Modell, bei dem die Mitarbeiter künftig auch weniger dicht als zuvor sitzen sollen.

Bereits im Oktober 2020 hatte Google-Chef Sundar Pichai durchblicken lassen, dass die Arbeitsgestaltung nach der Coronakrise flexibler bleiben werde. Die Gestaltung der berühmten Büroflächen des Unternehmens sollte der neuen Arbeitsrealität angepasst werden, sagte er. Sie sollen so umgestaltet werden, dass Mitarbeiter, die überwiegend im Homeoffice arbeiten, bei einem gelegentlichen Besuch der Büroräume einen Arbeitsplatz haben.

Die "Googler" begrüßen neue Flexibilität

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Die Mischung kann den Mitarbeitern nur Recht sein. Wie eine Umfrage im Herbst vergangenen Jahres zeigte, fühlen sich die meisten Google-Beschäftigten auch ohne die Arbeitskultur mit Verwöhnprogramm wie Massagen, Ruheräumen und Anschluss an die Silicon-Vally-"Familie", mit der sich die Tech-Firma gerne schmückt, wohl.

Von einer völligen Abkehr vom Präsenzarbeitsplatz hält Pichai jedoch ausdrücklich nichts. "Wir glauben nicht, dass die Zukunft 100 Prozent Remote ist", ließ er bereits im vergangenen Jahr wissen. "Wir glauben fest daran, dass das persönliche Zusammensein, ein Gemeinschaftssinn, sehr wichtig sind, denn wann immer man schwierige Probleme lösen muss, muss man etwas Neues schaffen." Gemeinschaft spielt für ihn dabei eine große Rolle.

Wie im wirklichen Leben dürfte das eine gelungenen Balance zwischen Nähe und Distanz sein. Der Konzern dürfte davon weiter profitieren. Behält er 50 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice, bleibt es das Modell immer noch ein Riesen-Sparprogramm, das so gar nicht vorgesehen war.

Quelle: ntv.de, ddi

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