Wirtschaft

Griechenland-Hilfspakete IWF will nicht mit ins Boot

Hinsichtlich der Griechenland-Finanzhilfe bleibt der IWF weiter außen vor. Der Fonds pocht weiter auf einen Schuldenschnitt, gegen den sperrt sich aber Deutschland. Auch gehen dem IWF die Reformen in Griechenland nicht weit genug.

4b3a4fc7b1bdabe91e81e1674c014536.jpg

Deutschland pocht auf eine IWF-Beteiligung bei den Griechenland-Hilfen.

(Foto: dpa)

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat signalisiert, dass er Europa bei weiteren Finanzhilfen für Griechenland wahrscheinlich nicht so bald und möglicherweise gar nicht zur Seite stehen wird. Poul Thomsen, Leiter der Europa-Abteilung beim IWF und einer der Architekten der bisherigen Hilfsprogramme für das Land, kündigte zwar an, dass eine IWF-Delegation in den nächsten ein oder zwei Wochen nach Athen reisen werde, um dort Verhandlungen über ein neues Finanzierungspaket wieder aufzunehmen.

Zugleich betonte er aber die Position des IWF. Danach seien unter anderem eine Schuldenrestrukturierung und weitere Reformen des Rentensystems für eine Beteiligung des Fonds notwendig. "Es gibt eine eindeutige und umfassende Verständigung innerhalb dieser Institution, was die wichtigen Elemente für ein Griechenland-Programm sein müssen", sagte Thomsen.

Damit scheinen baldige Fortschritte auf dem Weg zu einem dritten Hilfspaket binnen sieben Jahren in weiter Ferne. Denn insbesondere Deutschland sperrt sich gegen einen Schuldenschnitt. Gleichzeitig gibt es einen Beschluss des Bundestags, wonach eine Beteiligung des IWF an Griechenland-Hilfen erforderlich ist.

Seitenhieb gegen Deutschland

Seit Juli 2015 basiert die Unterstützung Griechenlands allein auf den Europäern. Die Beteiligung des IWF liegt auf Eis, der das Ausmaß der griechischen Verschuldung für nicht tragfähig hält. Der Fonds argumentiert, dass die europäischen Regierungen die Kredite an Griechenland umstrukturieren müssen, um die Solvenz des Landes wiederherzustellen. Außerdem seien tiefgreifende marktwirtschaftlich orientierte Reformen notwendig, um das Land wieder auf Wachstumskurs zu bringen.

Das laufende Hilfsprogramm über 86 Milliarden Euro endet 2018. Griechenland ist bislang nicht bereit, alle jene Reformen umzusetzen, die der IWF als notwendig erachtet. Von deutscher Seite gibt es zudem keine Bereitschaft zu einem Kompromiss für eine deutliche Beschneidung des griechischen Schuldenberges.

"Wir haben beträchtliche Zweifel angesichts der Risiken", sagte Thomsen. Er verwies auf die anhaltenden Defizite des Rentensystems von 10 bis 11 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts. Auch die Fähigkeit für eine Modernisierung des öffentlichen Sektors sieht der Fonds skeptisch, ebenso das Erreichen der Budgetziele.

Obwohl IWF und Europäer sich grundlegend auf Schuldenerleichterungen für Athen verständigt haben, räumte Thomsen ein, dass erst in den nächsten Monaten darüber gesprochen werde, wie genau diese aussehen könnten. Auch der enge Zeitrahmen dürfte eine Beteiligung des IWF an neuen Geldern für Athen verkomplizieren.

Quelle: n-tv.de, wne/DJ

Mehr zum Thema