Wirtschaft

"Mehr Erwachsensein" Lagarde wirft Tsipras Unvernunft vor

Griechenland ist in Zahlungsverzug zum IWF geraten. Dessen Chefin findet das gar nicht lustig und knöpft sich Griechenlands Ministerpräsidenten Tsipras vor. Aber nicht nur sie wettert gegen die Athener Regierung.

Nach der Zuspitzung der griechischen Finanzkrise hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, der linksgerichteten Regierung in Athen indirekt Unvernunft vorgeworfen. "Angesichts des Maßes an Unsicherheit, Verwirrung und ständiger Bewegung wäre aus meiner Sicht weiterhin ein bisschen mehr Erwachsensein erforderlich", sagte Lagarde dem US-Fernsehsender CNN. Dass Griechenland gegenüber dem IWF in Zahlungsverzug geraten sei, sei "eindeutig keine gute Entwicklung". Schließlich hindere dies den Fonds derzeit daran, Griechenland weitere Hilfen zukommen zu lassen.

Voraussetzung für weitere Hilfen seien weitere tiefgreifende Reformen, wie der IWF und die EU sie von Athen gefordert hatten, hob Lagarde auf CNN hervor. "Das sind strukturelle Reformen, steuerliche Anpassungen, um sicherzustellen, dass das Land auf einem nachhaltigen Weg ist", fügte die IWF-Chefin hinzu.

Die Mitgliedstaaten des IWF wollen, dass die griechische Schuldenkrise und die derzeitige Unsicherheit beendet werden. Sie seien aber "auch sehr bedacht darauf, dass diese Angelegenheit auf eine faire Weise geregelt wird, und sie sehen keinen Grund, warum es einen Sonderfall oder eine Sonderbehandlung geben sollte", sagte Lagarde. "Ob man nach Irland oder Portugal in der Eurozone schaut oder in andere Länder auf anderen Kontinenten, diese Situationen kommen vor, Länder müssen harte Maßnahmen ergreifen", mahnte sie.

Göring-Eckardt: Athen muss an die Rüstungsausgaben ran

Derweil verlangte die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt von der Regierung in Athen klare Entscheidungen zu Rüstung, Reichen und orthodoxer Kirche in Griechenland. "Mich nervt die Weigerung, Reformen anzugehen, die für eine linke Regierung selbstverständlich sein müssten", sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag der "Welt".  Sie riet dem griechischen Ministerpräsident Tsipras: "Athen sollte die Rüstungsausgaben kürzen, die Reichen stärker besteuern - und an die Privilegien der orthodoxen Kirche ran.» Die Kirche sei nach dem Staat der zweitgrößte Immobilienbesitzer in Griechenland, zahle aber kaum Steuern. «Und die Priester werden vom Staat entlohnt", kritisierte die grüne Spitzenfrau, die früher Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland war. 

Griechenland war als erstes Industrieland beim IWF in Zahlungsverzug geraten. Athen ließ die Frist für eine fällige Rückzahlungsrate von 1,5 Milliarden Euro verstreichen, hatte vorher aber einen Antrag auf nochmalige Verschiebung der Zahlungsfrist gestellt. Wie es aus Kreisen des Fonds hieß, wird darüber "in den kommenden Wochen" entschieden. Auch das Hilfsprogramm der EU ließ Athen am Mittwoch auslaufen. Weil es nicht auf die Forderungen der Gemeinschaft einging, verfielen somit Milliardenhilfen.

Die griechischen Bürger sollen am Sonntag in einer Volksabstimmung über die von den Gläubigern im Gegenzug für neue Finanzhilfen geforderten Auflagen befinden. Die Regierung wirbt für eine Ablehnung.

Was bisher geschah - zum n-tv.de-Liveticker zur Schudenkrise in Griechenland

Quelle: ntv.de, bad/AFP/dpa