Wirtschaft

Boxer auf Probefahrt im Baltikum Litauen testet deutschen Radpanzer

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Insgesamt zehn Modelle in der engeren Wahl: Der Radpanzer "Boxer" von KMW und Rheinmetall (Archivbild).

(Foto: ARTEC GmbH)

Die deutsche Rüstungsindustrie hofft auf einen neuen Exporterfolg: In den kommenden Tagen muss der modernste Radpanzer aus deutscher Produktion das litauische Militär überzeugen - auf einem Übungsgelände unweit der weißrussischen Grenze.

Die frühere Sowjetrepublik Litauen rüstet auf: Der südlichste der drei baltischen Staaten will gepanzerte Transportfahrzeuge kaufen. Dabei nimmt das Land auch den deutschen Radpanzer "Boxer" näher in Augenschein. Litauen ist seit mittlerweile mehr als zehn Jahren Mitglied der EU und der Nato.

Der Boxer-Hersteller Artec habe ein Fahrzeug zu Demonstrationszwecken nach Litauen geliefert, teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Vilnius mit. Artec ist ein Gemeinschaftsunternehmen der beiden deutschen Rüstungsfirmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall.

Test-Fahrzeug nahe der Grenze

Bei dem Testfahrzeug handelt es sich um eine Basisvariante des modernsten Radpanzers aus deutscher Produktion. Der achträdrige "Boxer" ist lokalen Medienberichten zufolge mit einem 30-Millimeter-Geschützturm ausgestattet sein. Der deutsche Radpanzer soll auf dem litauischen Übungsgelände in Pabrade vor Ort der Armeeführung und Vertretern der litauischen Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie vorgeführt werden und dabei seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Der Ort Pabrade liegt rund 50 Kilometer nordwestlich von Vilnius. Bis zur weißrussischen Grenze sind es nur etwas mehr als zehn Kilometer.

Nach dpa-Informationen bleibt das Fahrzeug voraussichtlich bis Anfang September in Litauen. Artec wird in der kommenden Woche in Vilnius zudem einen Industrietag für mögliche litauische Zulieferer veranstalten. Eine verstärkte Zusammenarbeit mit der deutschen Rüstungsindustrie dürften die politischen Argumente für einen Einkauf in Deutschland stärken.

Neun Konkurrenten im Rennen

Der Radpanzer Boxer besteht aus einem Basis-Fahrgestell, das mit sogenannten Missionsmodulen für verschiedene militärische Aufgaben ausgerüstet und erweitert werden kann. Bei der Bundeswehr ist der Radpanzer unter der Abkürzung GTK für "Gepanzertes Transportkraftfahrzeug" in Betrieb.

Der knapp drei Meter breite Boxer ist 7,93 Meter lang und knapp 2,40 Meter hoch. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 33 Tonnen kann der Boxer bis zu 7,8 Nutzlast und maximal zehn Soldaten inklusive Besatzung aufnehmen. Auf der Straße erreicht der allradgetriebene Vierachser mit der charakteristischen Keilschnauze eine Geschwindigkeit von 103 Stundenkilometern. Eine Tankfüllung reicht für Distanzen von bis zu 1050 Kilometern.

Im Schatten des großen Nachbarn

Litauen, das seine Streitkräfte unter dem Eindruck der Ukraine-Krise stark aufrüstet, prüft derzeit die Angebote von insgesamt zehn Rüstungsfirmen. Eine Entscheidung über mögliche Verhandlungen mit dem Hersteller soll es im Herbst geben. Der Kaufvertrag soll am Jahresende oder Anfang 2016 unterzeichnet werden, sagte die Ministeriumssprecherin.

Im Februar hatte Litauen bereits Interesse an selbstfahrenden Artilleriesystemen vom Typ "Panzerhaubitze 2000" angemeldet. Bereits damals war die Rede davon, dass Vilnius bis zu 100 neue Radpanzer aufkaufen will. Zuvor hatte es das Bundesverteidigungsministerium abgelehnt, Radpanzer vom Typ Boxer aus Bundeswehrbeständen an Litauen abzugeben.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa