Wirtschaft
Der schwedische Musikstreaming-Dienst Spotify bekam 2016 rund 900 Millionen Euro von Investoren.
Der schwedische Musikstreaming-Dienst Spotify bekam 2016 rund 900 Millionen Euro von Investoren.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 01. Februar 2017

Start-ups in Europa: London und Paris überholen Berlin

Auf den ersten Blick wirkt es kurios: Die deutsche Start-up-Landschaft wächst und gleichzeitig wird Berlin im europäischen Vergleich von gleich drei Metropolen überholt. Das lässt sich einfach erklären.

Berlin ist nicht mehr die Start-up-Hauptstadt Europas. Wie aus dem Branchenmonitor der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young (EY), der n-tv.de vorliegt, hervorgeht, haben die Jungunternehmer in der Deutschen Hauptstadt im vergangenen Jahr weniger Geld von Investoren eingenommen, als die in London (2,2 Milliarden Euro), Paris, (1,3 Milliarden Euro) und Stockholm (1,2 Milliarden Euro - dank Spotify-Großdeal).

Das liegt vor allem daran, dass sich das Gesamtvolumen der Investitionen in deutsche Start-ups nach einem Ausreißer 2015 wieder normalisiert hat (2,2 statt 3,2 Milliarden Euro) und der Markt hierzulande spürbar in die Breite geht: Bundesweit erhielten 2016 455 Start-ups Kapital, 2015 waren es nur 383 Unternehmen.

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Die Zahlen zeigen, dass der Standort Deutschland für Start-ups weiter an Attraktivität gewinnt, so Peter Lennartz von EY: "Neben dem Zentrum Berlin entwickeln sich auch die anderen deutschen Start-up-Ökosysteme positiv." Ein Beispiel ist München, das im europäischen Städte-Ranking aus der Versenke bis auf Platz sieben klettert. "Die Start-up-Szene in Deutschland steht heute auf einer breiteren Basis als je zuvor."

Stärke mittelgroßer Deals

Dass das Investitionsvolumen am Standort Berlin um die Hälfte eingebrochen ist, wertet Lennartz nicht als Problem: "2015 sorgten Einmaleffekte für Rekordzahlen - dafür profitierten 2016 mehr Unternehmen von Risikokapital." Im Jahr 2015 hatten vor allem hohe Investitionen der Start-up-Schmiede Rocket Internet nach ihrem Börsengang für einen massiven Anstieg der Investitionen in die deutsche Start-up-Szene gesorgt.

Letztlich aussagekräftiger für die Stärke des Start-up-Standorts Deutschland sei die Zahl der mittelgroßen Deals, so Lennartz: "Die Zahl der Unternehmen, die zwischen fünf und zehn Millionen Euro erhielten, stieg im vergangenen Jahr von 33 auf 55. Die Zahl der Unternehmen, die zwischen 10 und 50 Millionen Euro erhielten, stieg von 48 auf 461. Und sogar bei den Deals zwischen 50 und 100 Millionen Euro gab es einen leichten Anstieg von vier auf sechs". Der Rückgang beim deutschlandweiten Investitionsvolumen sei also allein auf das völlige Fehlen sehr großer Transaktionen ab 100 Millionen Euro zurückzuführen, nachdem es im Vorjahr noch acht derartige Deals gegeben hatte.

Im Bundeslandvergleich liegt weiter Berlin vorn: Bei 220 Finanzierungsrunden (Vorjahr: 212) erhielten Berliner Jungunternehmen insgesamt 1,07 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,24 Milliarden Euro). Wie in Berlin wurden auch in Bayern (83 Transaktionen), Nordrhein-Westfalen (48) und Hamburg (40) mehr Finanzierungsrunden gezählt als im Vorjahr.

Knapp vier Milliarden flossen auf der Insel

Beim Finanzierungsvolumen konnten sich im vergangenen Jahr die Start-up-Standorte Bayern (527 Millionen Euro) und Nordrhein-Westfalen (141 Millionen Euro) hinter der Bundeshauptstadt platzieren - und verzeichneten dabei deutliche Zuwächse: Bayern um 87 Prozent und NRW um 57 Prozent. Rückläufig war das Finanzierungsvolumen in Hamburg, wo 127 Millionen Euro in junge Unternehmen flossen - im Vorjahr waren es noch 321 Millionen Euro gewesen.

Europaweit stieg die Zahl der Start-up-Finanzierungen im vergangenen Jahr noch deutlich stärker als in Deutschland: um 41 Prozent. Der Gesamtwert der Investitionen sank zudem weniger als hierzulande: um 11 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro. Bei der Zahl der Deals lag Frankreich mit 583 Transaktionen vor Großbritannien (535) und Deutschland (486), beim Transaktionswert hatte hingegen die Briten mit großem Abstand die Nase vorn: Insgesamt 3,74 Milliarden Euro flossen in britische Start-ups. Dahinter liegen Deutschland mit 2,23 Milliarden Euro und Frankreich mit 2,22 Milliarden Euro.

Mit Abstand am meisten Kapital floss an den schwedischen Musikstreaming-Dienst Spotify (900 Millionen Euro). Der britische Essenslieferdienst Deliveroo (245 Millionen Euro) und der ebenfalls britische Flugsuchdienst Skyscanner (177 Millionen Euro) folgen auf den Plätzen zwei und drei.

In Deutschland lag der Lieferdienst Hello Fresh mit einer Finanzierungsrunde über 85 Millionen Euro vorn - vor dem Solartechnik-Unternehmen Heliatek, das 80 Millionen Euro erhielt, und dem Batteriehersteller Sonnen, der 76 Millionen Euro einwerben konnte.

Quelle: n-tv.de

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