Wirtschaft

Grenke-Aktienkurs bricht ein MDax-Konzern im Visier des Wirecard-Jägers

135584362.jpg

Die Bafin untersucht die Vorwürfe gegen Grenke, aber auch eine mögliche Attacke durch Shortseller.

(Foto: picture alliance/dpa)

Fraser Perring verdient Geld damit, dass er Aktienkurse durch das Aufdecken von Unregelmäßigkeiten bei Unternehmen zum Abstürzen bringt. Das hat er bei Wirecard getan und tut es aktuell wieder beim deutschen Finanzdienstleister Grenke.

Nach der Veröffentlichung eines Berichts des britischen Shortsellers Fraser Perring ist der Kurs des MDax-Konzerns Grenke eingebrochen. Das Büro Perrings, Viceroy Research, behauptet unter anderem, die Expansion des auf Leasing und Forderungsmanagement spezialisierten Unternehmens aus Baden-Baden sei eine "in großem Maßstabe betriebene Betrugsmasche". Die Grenke-Bank werde für Geldwäsche benutzt unter anderem für Erlöse aus Optionsbetrug und Krypto-Münzen. Von "offenkundigem Bilanzbetrug" und "gefälschtem Kassenbestand" ist die Rede. Grenke äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht, kündigte aber eine Stellungnahme an.

Grenke
Grenke 31,36

Unter anderem behauptet Viceroy konkret, Grenke habe mehrere Firmen gekauft, hinter denen unter anderem der eigene Unternehmenschef gesteckt habe. Dabei soll es zu Unregelmäßigkeiten und überhöhten Bewertungen in der Bilanz gekommen sein. Grenke bestreitet in diesen Fällen weniger die Fakten, versichert aber, alles sei juristisch einwandfrei abgelaufen. Wirtschaftsprüfer hätten die korrekte Bilanzierung bestätigt.

An der Börse verfehlte der 60 Seiten lange Bericht seine Wirkung nicht. Die Grenke-Aktie verlor in der Spitze knapp 18 Prozent. Perring verdient sein Geld mit Leerverkäufen - also mit Wetten auf fallende Kurse von Unternehmen, bei denen er Unregelmäßigkeiten vermutet und dies publik macht. Unter anderem hatte er schon vor mehr als zwei Jahren Vorwürfe gegen den Finanzkonzern Wirecard erhoben. Damit löste Perring zwar wiederholt Kurseinbrüche der Wirecard-Aktie aus. Doch zwischenzeitlich geriet der Leerverkäufer selbst ins Visier der deutschen Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin, die gegen ihn wegen Kursmanipulation ermittelte. Letztlich stellten sich seine Vorwürfe unter anderem durch Recherchen der "Financial Times" als wahr heraus und führten zum Zusammenbruch des einstigen deutschen Börsenstars.

Auf Anfrage von ntv.de teilte die Bafin mit, sie untersuche die im Viceroy-Bericht erhobenen Vorwürfe gegen Grenke, die im Zusammenhang mit einem möglichen Marktmissbrauch stehen. Im Blick habe sie aber auch mögliche Marktmanipulation durch Dritte, etwa in Form einer Shortattacke, und eventuellen Insiderhandel vor dem Erscheinen des Reports.

Der Finanzdienstleister Grenke wurde 1978 von Wolfgang Grenke als Leasinganbieter für Bürogeräte gegründet. Inzwischen bietet die Grenke Gruppe auch Bankdienstleistungen und Forderungsmanagement für kleine und mittelständische Unternehmen. Über Franchise-Unternehmer ist Grenke in fast 30 Ländern weltweit vertreten. Wolfgang Grenke hat die operative Führung des Unternehmens inzwischen abgegeben und ist in den Aufsichtsrat gewechselt. Die Familie des Gründers hält nach wie vor die Mehrheit am Konzern. Der Kursturz der Aktie dürfte sie bereits mehrere Hundert Millionen Euro gekostet haben. Der Börsenwert des Unternehmens sank innerhalb von Stunden von mehr als 2,5 Milliarden auf unter 2 Milliarden Euro.

Quelle: ntv.de