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"Ein Affe könnte besser abschneiden" Milliardäre verhöhnen Trump

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Hat große Chancen, der nächste US-Präsident zu sein: Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump zieht aus seinem Vermögen nicht nur viel Selbstbewusstsein. Sein Reichtum qualifiziere ihn zum US-Präsidenten, sagt er. Doch andere Milliardäre sehen das nicht so – und treffen Trump da, wo es ihm weh tut.

Für Donald Trump zählt vor allem: Geld. Immer wieder prahlt er damit, wie steinreich er sei. Denn sehr viel Geld verdient zu haben, ist für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten der Nachweis, für das höchste Amt der USA befähigt zu sein. Umso ärgerlicher, wenn andere schwerreiche Männer das ganz anders sehen – und ihn in aller Öffentlichkeit verspotten.

Hillary Clinton, die demokratische Kandidatin, fährt schwere Geschütze auf, um Trumps Selbstbildnis zu erschüttern: Michael Bloomberg, Mark Cuban und Warren Buffett sprechen auf Veranstaltungen der Demokaten Trump das ab, worauf er so stolz ist: ein guter Geschäftsmann zu sein, der seinen Reichtum harter Arbeit verdankt.

Das verletzt nicht nur die Eitelkeit Trumps, sondern trifft ihn an seiner empfindlichsten Stelle. Es geht allerdings um mehr, als Trump zu provozieren. Es geht darum, ihn als Schaumschläger zu porträtieren, dessen Erfolg mehr mit seiner Reality-TV-Show zu tun hat als mit seinen Geschäften.

Oder wie es Mark Cuban, seines Zeichens Eigentümer des Basketball-Clubs Dallas Mavericks, auf einer Wahlkampf-Veranstaltung mit Clinton in Pittsburgh ausdrückte: "Führung ist nicht brüllen, anschreien und einschüchtern." Solche Leute würden in Pittsburgh "Wichser" genannt, sagte Cuban und fragte: "Gibt es weltweit einen größeren Wichser als Donald Trump?"

Investment-Legende Warren Buffett drückte sich etwas gewählter aus, als er auf einer anderen Veranstaltung mit Clinton Trumps Fähigkeiten als Geschäftsmann anzweifelte. Selbst ein Affe hätte an der Börse besser abschneiden können als Trump, als dieser 1995 seine Hotels und Kasinos an die Wall Street gebracht habe, sagte Buffett. Nach dem Börsengang habe die Firma ein Jahrzehnt lang Verluste eingefahren. Wenn ein Affe 1995 einen Pfeil auf eine Scheibe mit Namen von börsennotierten Unternehmen geworfen hätte, "dann hätte der Affe im Schnitt 150 Prozent erzielt".

Dazu kommt: Zwei von Trumps Casinos in Atlantic City waren schon vor dem Börsengang in die Pleite gerutscht. 2004 stellte dann "Trump Hotels and Casino Resorts" den Insolvenzantrag. Obwohl Trump nie die persönliche Pleite erklärt hat, sieht das in seinem Firmengeflecht ganz anders aus: Alleine bei der Pleite eines anderen Kasinos in Atlantic City im Jahre 2009 hatten die Gläubiger mehr als eine Milliarde Dollar verloren, mehr als 1000 Menschen ihre Arbeit.

"Gläubiger sind Killer"

Doch Trump wäre nicht Trump, wenn er die Pleiten nicht als pfiffige Restrukturierung verkaufen würde. Auf die jüngste Insolvenz angesprochen, sagte er während einer Debatte der republikanischen Präsidentschaftsbewerber vor etwa einem Jahr: "Diese Gläubiger sind keine Babys. Sie sind totale Killer." Praktisch jede Firma in Atlantic City sei damals bankrott gegangen." Er habe die Stadt noch rechtzeitig verlassen, bevor sie "völlig zusammenbrach."

"Ich habe sehr viel Geld in Atlantic City verdient, und darauf bin ich sehr stolz", sagte Trump und schloss daraus: Durch seine Erfahrung mit Schulden sei er der ideale Mann, US-Präsident zu werden: "Dieses Land hat derzeit 19 Billionen Dollar Schulden und braucht jemanden wie mich, diesen Mist in Ordnung zu bringen."

Das sieht Buffett anders: "Ich kenne keinen anderen Geschäftsmann, der mit seinen Pleiten angibt."

Doch die Angriffe auf Trump zielen auch auf eine andere Stelle. Auf zehn Milliarden Dollar beziffert Trump sein Vermögen – doch "Forbes" geht von etwa 4,5 Milliarden Dollar und "Fortune" von rund 3,9 Milliarden Dollar aus. Zum Vergleich: Buffett ist "Forbes" zufolge mit knapp 61 Milliarden Dollar der drittreichste Mann der Welt, Bloomberg liegt mit 40 Milliarden auf dem achten Platz. Cuban spielt mit 3,2 Milliarden in der Liga von Trump.

Unabhängig davon, wieviel Geld Trump wirklich hat: Im Gegensatz zu seinen drei schwerreichen Gegnern und seiner Selbstdarstellung ist er kein Selfmade-Milliardär. Trump stammt aus reichem New Yorker Hause und hatte sich von seinem Vater - einem Immobilienunternehmer – eine Million Dollar geliehen, um ins Geschäftsleben zu starten. Bei seinen ersten Deals halfen ihm Millionen-Garantien und Kontakte seines Vaters.

"Wir haben im Wahlkampf viel davon gehört, dass wir einen Präsidenten brauchen, der etwas von Geschäften versteht", sagte Michael Bloomberg, ehemaliger Bürgermeister von New York, auf dem Nominierungsparteitag für Clinton. "Dem kann ich nur zustimmen. Ich habe meine eigene Firma gegründet – und ging nicht mit einem Millionen-Scheck meines Vaters an den Start."

Trump habe eine Serie von Pleiten, Gerichtsverfahren und zahlreiche wütende Aktionäre hinterlassen, sagte Bloomberg. Viele Unternehmer fühlten sich von Trump getäuscht, viele Kunden seien desillusioniert und fühlten sich von Trump abgezockt. "Trump sagt, er will das Land wie seine Firma führen? Gott mag uns behüten", ätzte Bloomberg, der die Finanzdaten-Agentur gleichen Namens gegründet hat, und ergänzte: "Ich bin New Yorker. Und New Yorker erkennen einen Betrüger, wenn sie einen sehen."

"Der kleine Bloomberg"

Wie tief die Attacke von Bloomberg Trump getroffen hat, zeigt dessen Reaktion. "Der kleine Michael Bloomberg, der nie den Mut hatte, für die US-Präsidentschaft zu kandidieren, weiß nichts über mich. Seine letzte Amtszeit als Bürgermeister war ein Desaster", twitterte Trump und sprach später in einem Interview von einem "kleinen Mann", den er gerne so hart treffen wolle, dass sich dessen Kopf drehen würde.

Warum Trump so heftig reagiert? Es ist seine Art, aggressiv auf Kritik zu reagieren. Und hier kommt wohl hinzu, dass Bloomberg das verkörpert, was Trump sein möchte: Ein Selfmade-Milliardär, der durch sein Geld politische Macht erlangte.

Als Bloomberg 2013 seine letzte Amtszeit als New Yorker Bürgermeister beendete, war Trump noch voll des Lobes: "Du warst ein großartiger Bürgermeister (…), der Typ ist fantastisch", sagte Trump damals. Wie sich die Zeiten ändern.

Quelle: n-tv.de

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