Wirtschaft

Demokraten gut für Konjunktur Ökonomen hoffen auf Biden-Boom

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Auch an den Börsen ging es seit der Wahl Joe Bidens noch oben.

(Foto: REUTERS)

Weltweit wird der Machtwechsel in den USA überwiegend mit Erleichterung aufgenommen. Das gilt auch für Wirtschaftswissenschaftler. Ihre Erwartungen für die Konjunktur haben sich mit der Wahl des Demokraten Biden deutlich verbessert.

In der tiefen Krise der Weltwirtschaft macht der Amtsantritt von Joe Biden Ökonomen Hoffnung. Der anstehende Machtwechsel hat die Erwartungen Hunderter Experten weltweit an das Wirtschaftswachstum in ihrer jeweiligen Heimat im Durchschnitt fast ein Prozent ansteigen lassen. Das hat das Ifo-Institut in einem Experiment mit 843 Ökonomen aus 107 Ländern herausgefunden. "Nach der andauernden Corona-Krise und ihren drastischen Auswirkungen könnte die Präsidentschaft Bidens nach Ansicht der Befragten ein Hoffnungsschimmer für die Entwicklung der Weltwirtschaft im kommenden Jahr sein", schreibt Niklas Potrafke, Leiter des Ifo-Zentrums für öffentliche Finanzen und politische Ökonomien, und seine Co-Autoren in einem Beitrag für die Zeitschrift "Ifo Schnelldienst".

Die Forscher haben weltweit Wissenschaftler in zwei zufällig eingeteilten Gruppen kurz vor und nach der Präsidentschaftswahl Anfang November vergangenen Jahres befragt. Die erste Gruppe wusste daher nicht, wer die USA die kommenden vier Jahre regieren würde. Die zweite Gruppe dagegen kannte bereits die Nachricht von Bidens Sieg. Diese Experten erwarteten ein um durchschnittlich 0,89 Prozent höheres Wirtschaftswachstum 2012 in ihrem Land, als die vor der Wahl befragten Kollegen.

Die Gründe für diesen Optimismus gehen aus der Studie nicht hervor. Es ist anzunehmen, dass in vielen Ländern die Hoffnung besteht, Biden werde die von seinem Vorgänger Donald Trump ausgelösten Handelskonflikte beilegen oder zumindest entschärfen. Dazu könnte kommen, dass Ökonomen es dem Demokraten Biden eher zutrauen, die Konjunktur in den USA anzukurbeln. Von einem höheren US-Wirtschaftswachstum würden viele Länder weltweit profitieren - insbesondere Exportnationen wie Deutschland. Bereits vor der Wahl hatte Biden Billionen-Dollar-schwere Ausgaben-Pakete angekündigt, unter anderem für Investitionen in die Infrastruktur und erneuerbare Energien.

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Auch ein Blick zurück in die vergangenen Jahrzehnte bestätigt die Hoffnung auf einen Konjunkturschub durch einen demokratischen Präsidenten. Im Zeitraum 1949 bis 2012 war das Wirtschaftswachstum unter demokratischen Administrationen durchschnittlich knapp 1,8 Prozentpunkte höher, wie die Studien-Autoren schreiben. Ob das an Unterschieden in der Wirtschaftspolitik liegt, ist umstritten. Einige Wissenschaftler erklären dieses Phänomen damit, dass die Wähler in Wirtschaftskrisen eher zu den Demokraten neigen, die mehr Sozialleistungen versprechen als die Republikaner. Wenn die Gewählten dann ihr Amt antreten, setzt im Konjunkturzyklus ohnehin ein Aufschwung ein. Von diesem Effekt könnte auch Biden profitieren, wenn es ihm gelingt, die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Während allerdings Ökonomen in anderen Ländern ihre Konjunkturerwartungen durch die Biden-Wahl heraufgesetzt haben, lässt der Machtwechsel im eigenen Land ausgerechnet US-Wirtschaftswissenschaftler weitgehend kalt. Bei den amerikanischen US-Ökonomen lässt sich in der Befragung kein signifikanter Unterschied zwischen denen, die von Bidens Wahlsieg wussten, und den vor der Wahl Befragten feststellen. Warum das so ist, können die Studienautoren nur vermuten. Möglichweise, schreiben sie, schätzen amerikanische Experten den Einfluss ihres eigenen Staatsoberhaupts auf die Konjunktur vor allem angesichts der Corona-Krise geringer ein als ihre ausländischen Kollegen.

Quelle: ntv.de, mbo