Wirtschaft

Hohe Inflation Ökonomen warnen vor Preis-Teufelskreis

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Vor allem Energiepreise treiben die Inflation an.

(Foto: picture alliance / Daniel Reinhardt/dpa)

Die Inflation in Deutschland legt kräftig zu. Viele Menschen fürchten, dass sich das so schnell nicht ändert. Genau das könnte Ökonomen zufolge eine gefährliche Spirale in Gang setzen.

Die Angst vor steigenden Preisen kann die Inflation noch zusätzlich anheizen. Für Wirtschaftswissenschaftler ist das Phänomen unter dem Namen "Lohn-Preis-Spirale" bekannt. Die Frage ist: Droht angesichts der hohen Inflation hierzulande dieser gefährliche Effekt? Das hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) untersucht. Das Ergebnis: Die Verbraucherpreise werden derzeit vor allem von vorübergehenden Effekten angetrieben, die im kommenden Jahr auslaufen dürften. "Gefahr droht eher von den Erwartungen", so DIW-Ökonomin Kerstin Bernoth.

Gehen Verbraucher und Unternehmen davon aus, dass die Preise weiter steigen, "werden die Menschen Käufe vorziehen und höhere Löhne fordern. Die Unternehmen wiederum werden auf ihre Preise aufschlagen, wenn sie damit rechnen, höhere Löhne und höhere Erzeugerpreise zahlen zu müssen", erläutert Bernoth. Dies könnte eine klassische Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen, die weniger auf tatsächlichen strukturellen Faktoren als auf einer psychologischen Dynamik basiere. Höhere Inflationserwartungen könnten dann zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden und die tatsächliche Inflation ankurbeln.

Studien-Autorin Bernoth und Autor Gökhan Ider gehen davon aus, dass der aktuelle sprunghafte Inflationsanstieg im Euroraum vor allem auf einmalige Maßnahmen und Ereignisse zurückzuführen ist. Als Beispiele nennen sie die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkungen in Deutschland oder den Anstieg der Energiepreise nach dem Einbruch während Corona-Krise 2020. Hinzu kommen Lieferengpässe, die derzeit die Kosten in der Produktion in die Höhe treiben. Die Forscher gehen davon aus, dass die Inflation noch mehrere Monate erhöht bleibt, sich aber abschwächt, wenn die temporären Effekte nachlassen.

Erzeugerpreise so hoch wie seit 1974 nicht mehr

Im September waren die Verbraucherpreise in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent gestiegen und damit so stark wie seit knapp 28 Jahren nicht mehr. Eine Vier vor dem Komma hatten die Statistiker zuletzt im Dezember 1993 ermittelt. In der Eurozone lag die Teuerung dem EU-Statistikamt Eurostat zufolge bei 3,4 Prozent. Zur Einordnung: Die Inflation war viele Jahre niedrig. Im vergangenen Jahr lag die Teuerungsrate in Deutschland bei 0,5 Prozent, im Jahr zuvor bei 1,4 Prozent.

Das DIW weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass die Inflation bei Dienstleistungen, die zwei Drittel der Kerninflationsrate (ohne Preise für Lebensmittel und Energie) ausmache, im gemeinsamen Währungsraum weiter bei unter einem Prozent liege. Zudem entwickelten sich die klassischen Inflationstreiber Lohndruck und Konsum bisher moderat. Zwar sei die Sparquote nach dem Rekordhoch im Sommer 2020 etwas gesunken. Mehrere Faktoren deuten der Studie zufolge aber darauf hin, dass Haushalte ihre Ersparnisse nicht vollständig in zusätzlichen Konsum stecken werden. Die milliardenschweren Konjunkturpakete der Euroländer tragen demnach moderat zur Inflation bei, wirken aber auch nur temporär.

Derweil bleiben die Erzeugerpreise auf Rekordjagd. Die Preise deutscher Hersteller von gewerblichen Produkten stiegen im September um 14,2 Prozent zum Vorjahresmonat und damit so stark wie seit fast 47 Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Ein größeres Plus gab es zuletzt im Oktober 1974. Diese Produzentenpreise gelten als Frühindikator für die Entwicklung der Inflation. In der Statistik werden die Preise ab Fabriktor geführt - also bevor die Produkte weiterverarbeitet werden oder in den Handel kommen. Sie können damit einen frühen Hinweis auf die Entwicklung der Verbraucherpreise geben.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa

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