Wirtschaft

Übernahmen auch in China umstritten Peking bremst Shoppingtour seiner Investoren

Die Übernahme des deutschen Roboter-Herstellers Kuka durch den chinesische Konzern Midea ist bereits in Planung.

Das Management des Roboterbauers Kuka hat die Übernahme durch den chinesischen Konzern Midea von Beginn an unterstützt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Chinesische Übernahmen deutscher Hightech-Firmen haben zu einem handfesten Streit zwischen Peking und Berlin gesorgt. Dabei sieht auch Chinas Führung die Rekord-Auslandsinvestitionen seiner Konzerne kritisch - aus anderen Gründen als die Bundesregierung.

Die Regierung in Peking will Übernahmen chinesischer Investoren im Ausland einschränken. In den kommenden Tagen sollen neue Regeln erlassen werden, die vor allem große Direktinvestitionen im Ausland erschweren, wie unter anderem Bloomberg und das "Wall Street Journal" berichten.

Firmenkäufe im Wert von mehr als zehn Milliarden Dollar sollen demnach ganz verboten werden, Übernahmen für mehr als einer Milliarde dann, wenn das Kaufobjekt nicht zum Kerngeschäft des chinesischen Investors gehört. Auch große Immobilieninvestitionen in Übersee werden eingeschränkt.

Direktinvestitionen - etwa Firmenübernahmen oder Immobilienkäufe - chinesischer Unternehmen im Ausland haben in den vergangenen Monaten einen Rekordstand erreicht. Ihr Wert stieg in den ersten drei Quartalen dieses Jahres um mehr als 50 Prozent auf etwa 145 Milliarden Dollar. Angekündigt wurden in 2016 insgesamt Deals im Wert von 212 Milliarden Dollar. Schlagzeilen machten in Deutschland etwa die Übernahme des Roboterherstellers Kuka und der angestrebte Kauf des Chip-Maschinen-Herstellers Aixtron. Sie lösten eine Diskussion um einen angeblichen Ausverkauf deutscher Hochtechnologie an China aus.

Die umstrittenen Deals veranlassten die Bundesregierung, das Außenhandelsrecht so zu ändern, dass sie künftig mehr Handhabe hat, Übernahmen zu verhindern. Während Peking empört auf diese als protektionistisch empfundene Maßnahme in Deutschland reagierte, macht sich die kommunistische Führung selbst Sorgen über den zunehmenden Abfluss von Kapital durch Übernahmen im Ausland.

Investoren täuschen Übernahmen vor

Chinas Führung befürchtet, dass Direktinvestitionen im Ausland keineswegs nur dazu dienen, Technologie und Management-Knowhow zu erwerben, sondern vermehrt dazu genutzt werden, Geld unter Umgehung der strengen Kapitalkontrollen außer Landes zu schaffen. Denn in dem Maße, in dem sich das chinesische Wachstum abgekühlt hat, ist der Yuan unter Abwertungsdruck geraten.

Für chinesische Investoren, die erwarten, dass ihre Landeswährung an Wert verlieren wird, ist es also attraktiv, Geld im Ausland in anderen Währungen anzulegen. Je mehr chinesisches Kapital abfließt, desto stärker wird der Druck auf den Yuan wiederum. Zudem beginnen Chinas riesige Währungsreserven zu schrumpfen. Allein im Oktober gingen sie um mehr als 45 Milliarden Dollar zurück.

Berichten zufolge sollen Investoren sogar Übernahmen vorgetäuscht haben, um Geld ins Ausland schaffen zu können. "Größere Vorsicht ist auf jeden Fall angebracht, wenn es darum geht, welche Art von Direktinvestitionen im Ausland erlaub sein sollten, und welche nicht", zitiert das "Wall Street Journal" einen namentlich nicht genannten hohen Regierungsberater. Inkraft bleiben sollen die neuen Regeln zunächst bis September kommenden Jahres.

Offiziell haben sich die chinesischen Behörden bislang nicht direkt zu den Berichten geäußert. In einer Stellungnahme auf der Internetseite des Staatsrats hieß es heute Morgen lediglich, man halte an der "Going out"-Strategie, in deren Rahmen Auslandsinvestitionen vor einigen Jahren erleichtert wurden fest, während man wachsam "für Risiken" sei.

Quelle: ntv.de, mbo

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