Wirtschaft

"Größter Börsengang der Welt" Saudis wollen unabhängig vom Öl werden

Saudi-Arabien steht vor weitreichenden ökonomischen Reformen. Das durch den Ölpreisverfall arg gebeutelte Königreich plant den weltgrößten staatlichen Investitionsfonds. 2020 könne man ohne Öl leben, sagt Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman.

Saudi-Arabien will seine Abhängigkeit von den Öleinnahmen in den nächsten Jahrzehnten drastisch reduzieren und dazu einen der weltweit größten staatlichen Investitionsfonds auflegen. Das Kabinett in Riad stimmte der "Vision 2030" zu, die Eckpfeiler für die wirtschaftliche Entwicklung des Königreichs festlegt.

Saudi-Arabien könne ab dem Jahr 2020 ohne Öl leben, sagte Vize-Kronprinz Mohammed bin Salman dem Nachrichtensender Al-Arabija. Medienberichten zufolge plant Saudi-Arabien auch weniger als 5 Prozent der Anteile des staatlichen Öl- und Chemiekonzerns Aramco unter anderem an der saudischen Börse zu verkaufen. Dies soll den Berichten zufolge Anfang nächsten Jahres geschehen. Aramco ist der weltgrößte Ölproduzent und gilt als eines der wertvollsten Unternehmen der Welt.

Die geplante Teilprivatisierung von Aramco wird nach Angaben von Prinz Mohammed "der größte Börsengang der Welt" - selbst wenn nur ein Prozent des Unternehmens an die Börse gebracht würde. "Aramco ist sehr groß", betonte der Prinz. "Es wird auf 2 bis 2,5 Billionen Dollar geschätzt." Der Investitionsfonds soll ebenfalls 2 Billionen US-Dollar (1,8 Billionen Euro) schwer sein.

Der geplante Staatsfonds wäre "der größte der Welt, und zwar mit Abstand", sagte Prinz Mohammed. Der Fonds soll neben den Erlösen aus dem Aramco-Teilverkauf unter anderem mit Finanzreserven in Höhe von 600 Milliarden Dollar gefüllt werden, außerdem aus Verkäufen von staatlichem Immobilien- und Industriebesitz.

"Gefährliche Sucht nach Öl"

Zur "Vision 2030" gehören laut Prinz Mohammed auch Strukturreformen und weitere Privatisierungen. Ziel des gesamten Vorhabens ist es, die Abhängigkeit Saudi-Arabiens von den Erdöleinnahmen zu reduzieren. "Wir haben in Saudi-Arabien alle eine Sucht nach Öl entwickelt. Das ist gefährlich und hat die Entwicklung in vielen Bereichen in den vergangenen Jahren behindert."

Der 30 Jahre alte Vize-Kronprinz, Sohn des saudischen Königs Salman, steht an der Spitze des mächtigen saudischen Rates für Wirtschaft und Entwicklung. Er gilt als Chef-Architekt der Reformpläne.

Saudi-Arabien ist der größte Öl-Exporteur der Welt. Haushalt und Wirtschaft sind bisher weitgehend vom Öl abhängig. Das Land leidet deswegen unter dem weltweiten Ölpreisverfalls. Für 2015 hatte das Königreich ein Rekorddefizit von 98 Milliarden Dollar (87 Milliarden Euro) verzeichnet. Anschließend verkündete die Regierung bislang ungewöhnliche Preiserhöhungen.

Quelle: ntv.de, wne/dpa/DJ

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