Wirtschaft

Abzocke oder geniale Geschäftsidee? Sparkasse bittet bei Online-Klicks zur Kasse

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Ob sich das "Soester Sparkassen-Modell" durchsetzen wird?

(Foto: dpa)

Geldinstitute tun sich schwer mit dem Geldverdienen. Weil Negativzinsen und Co langfristig die Kunden vergraulen, kommt die Soester Sparkasse mit einem besonders findigen Modell daher. Wer Online seinen Kontostand abrufen will, muss zahlen.

Gucken kostet nichts - von wegen. Kunden der Soester Sparkasse werden für Klicks in Teilbereichen des Online-Bankings zur Kasse gebeten. Wie die "Soester Zeitung" berichtet, handelt es sich derzeit um den Betrag von einem Cent, der beispielsweise anfällt, wenn Kunden online ihre Umsätze ansehen wollen. Künftig will die Bank die Gebühren sogar noch erhöhen - auf zwei Cent pro Klick.

Der Zeitungsbericht aus Soest schlägt offenbar große Wellen in der Finanzbranche. Schließlich suchen viele Banken nach innovativen Lösungen, um Geld zu verdienen. Das betraf in der Vergangenheit beispielsweise die Kontoführungsgebühren, die massiv erhöht wurden; manche Geldhäuser experimentierten gar mit Negativzinsen. Hat die Sparkasse Soest nun die Lösung gefunden?

Verbraucherschützer reagieren entsetzt. Der "Soester Zeitung" sagte Markus Ferch von der Verbraucherzentrale NRW, er habe von solch einer Regelung noch nie gehört. Die Bank scheint indes weniger amüsiert über das unbeabsichtigte Interesse an dem Modell – schließlich sei das ja nichts Neues, wie Sparkassen-Sprecher Thomas Schnabel gegenüber der Zeitung sagte. Er betont außerdem, dass Kunden nicht für jeden Klick zahlen müssten.

Die Alternative heißt analog

Der Zuschlag werde beispielsweise fällig, wenn Nutzer ihre Umsätze prüften. "Im Menü hin- und herklicken ist kostenlos", beschwichtigte Schnabel. Überhaupt betreffe die Gebührenerhebung nur einen relativ kleinen Kreis an Kunden – und zwar solche, die statt der Variante mit pauschaler Kontoführungsgebühr (Kosten: fünf Euro) die preisgünstigere Alternative für 3,50 Euro gewählt hätten.

Begründet wird die Regelung damit, dass "schon beim bloßen Anklicken der Seite technische Prozesse im Hintergrund ausgelöst werden, die mit Kosten verbunden sind". Einen Trost gibt es dann auch noch von Schnabel: Es sei grundsätzlich gewährleistet, dass Kunden – wie vom Gesetzgeber gefordert – die Möglichkeit haben, kostenlos ihren Kontostand abzurufen, Dafür müssten sie lediglich den Weg in eine Filiale der Sparkasse machen und den guten alten Kontoauszugdrucker bemühen.

Quelle: n-tv.de, jgu

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