Wirtschaft

Auch positive Effekte möglich Studie: Airbnb-Angebote treiben Berliner Mieten

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Berlin hat das Zweckentfremdungsverbot für Wohnungen erneut verschärft.

(Foto: picture alliance / dpa)

In Zeiten akuten Wohnungsmangels sind Ferienwohnungen in Städten für viele ein Ärgernis. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung zeigt in einer Studie, wie genau die Mieten durch die Airbnb-Angebote steigen. Der Zimmervermittler widerspricht.

Durch Vermietungen von Airbnb steigen dem DIW zufolge die Wohnungsmieten in Berlin. Durch eine zusätzliche Unterkunft der Zimmer-Vermittlungsplattform kletterten die Angebotsmieten der umliegenden Wohnungen um durchschnittlich 13 Cent je Quadratmeter, erklärten die Berliner Forscher. "Dies ist vor allem auf Airbnb-Angebote zurückzuführen, die länger als 180 Tage untervermietet und so dem regulären Wohnungsmarkt entzogen werden", sagte Tomaso Duso, Leiter der DIW-Abteilung Unternehmen und Märkte. Airbnb wies die Studienergebnisse als fehlerhaft zurück.

Der DIW-Studie zufolge verteuert sich eine 100 Quadratmeter große Wohnung jährlich um 156 Euro, ein 80-Quadratmeter-Apartment um knapp 125 Euro. Zwischen den Berliner Stadtbezirken fallen die vom DIW ermittelten Mietsteigerungen aber sehr unterschiedlich aus. Der Effekt je zusätzlichem Airbnb-Angebot reicht von monatlich acht Cent je Quadratmeter im angesagten Bezirk Mitte bis 46 Cent je Quadratmeter im Randbezirk Lichtenberg.

Kritiker werfen Vermietungsplattformen wie Airbnb vor, für Wohnungsknappheit in Ballungszentren und steigende Mieten zu sorgen. Das Land Berlin hat deshalb 2014 das sogenannte Zweckentfremdungsverbot-Gesetz beschlossen, um Kurzzeitvermietung stark einzudämmen. Seitdem müssen sich Vermieter eine Genehmigung holen, wenn sie Wohnraum etwa als Ferienwohnung vermieten wollen. Laut DIW wurden dadurch auf dem Mietwohnungsmarkt zuletzt mehr Wohnungen angeboten, was die Mieten letztlich etwas gedrückt habe.

2020 wurden laut DIW monatlich rund 10.000 komplette Apartments über Airbnb angeboten worden. Dies entspreche etwa 0,5 Prozent der fast zwei Millionen Wohnungen in Berlin. Das DIW nutzte für seine Analyse Daten aus mehreren Quellen, darunter inserierte Angebotsmieten und Airbnb-Angebote.

"Wohnraumschutz" wichtig für Airbnb

Airbnb teilte ntv.de auf Anfrage mit, dass die Studienergebnisse aus Sicht des Unternehmens nicht neu seien und auf fehlerhaft erhobenen Daten und einer unpräzisen Methodik beruhten. Der weltweit führende Zimmer- und Ferienwohnungsvermittler sieht sich darin bestätigt, dass "kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Mietpreisen und Homesharing hergestellt werden kann". Darüber hinaus sei "Wohnraumschutz" für Airbnb ein "wichtiges Thema und die Mehrheit der Gastgeber in Berlin teilt ihr eigenes Zuhause, um sich etwas dazuzuverdienen".

Kurzzeitigem Homesharing sprechen auch die DIW-Forscher einen positiven Effekt zu. "Beispielsweise kann der vorhandene Raum effizienter genutzt werden, wenn kurzzeitig leerstehende Wohnungen an Dritte vermietet werden können", so Studienautor Duso. Kurzzeitvermietung über Airbnb und ähnliche Plattformen zu regulieren, kann also das Wohnungsangebot kurzfristig verbessern. Bei einem vollständigen Verbot würden aber klare Verluste entstehen.

Am Dienstag verschärfte der Berliner Senat dieses Zweckentfremdungsverbot und beschloss eine Registrierungspflicht für Anbieter von Urlaubsunterkünften. In Hamburg bietet Airbnb seit zwei Jahren in Zusammenarbeit mit der Stadt zusammen ein Registrierungssystem an, dass erlaubtes Homesharing erleichtern, verbotene Zweckentfremdung jedoch verhindern soll.

Quelle: ntv.de, mbo/rts

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