Wirtschaft

Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt Unternehmen sind die Hände gebunden

83197174.jpg

Bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt stoßen Unternehmen immer wieder an ihre Grenzen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das Engagement der Wirtschaft ist groß. Viele bekannte Konzerne unterstützen Flüchtlinge mit eigenen Programmen. Doch der erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt steht nicht nur die geringe Qualifizierung der Flüchtlinge im Weg.

Arbeit ist neben dem Spracherwerb unverzichtbar für eine gelungene Integration. Das haben auch viele große Konzerne erkannt, die ihren Beitrag leisten wollen. Doch es hapert an der Umsetzung, denn der Weg für die Neuankömmlinge in eine Festanstellung ist steinig. "Flüchtlinge in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, ist eine Kraftanstrengung für uns alle - die Bundesagentur für Arbeit, Verbände und Unternehmen sowie Bildungseinrichtungen", sagt Raimund Becker, Vorstand Regionen der Bundesagentur für Arbeit. "Wenn alle zusammenarbeiten, sehe ich aber gute Chancen, langfristig diese Herausforderung zu bewältigen."

Viele Unternehmen stecken in ihrem Engagement für die Flüchtlingsintegration nach wie vor zwangsläufig in einer Testphase. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Zugleich drängen in Deutschland immer mehr Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt. Ende August sind bei den Jobcentern und Arbeitsagenturen 375.000 geflüchtete Frauen und Männer als arbeitssuchend registriert.

Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen, gilt neben dem Spracherwerb als unverzichtbar für eine gelungene Integration. Viele Betriebe wollen Neuankömmlingen eine Chance geben. Der Chemiekonzern BASF geht wie andere große Firmen auch die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt mit einem eigenen Projekt an. Bereits im vergangenen Oktober hat das Unternehmen das Programm "Start Integration" ins Leben gerufen. Damals mit 53 Flüchtlingen. Inzwischen hat BASF das Programm auf 300 Plätze ausgebaut. "Ein wichtiger Teil der Berufsvorbereitung der Flüchtlinge ist die Vermittlung notwendiger spezifischer Sprachkenntnisse und sozialer Kompetenzen", sagt BASF-Sprecherin Katharina Meischen im Gespräch mit n-tv.de. Das Ziel sei, die Teilnehmer innerhalb eines Jahres so vorzubereiten, dass sie danach einen regulären Ausbildungsplatz in einem Unternehmen erhalten können.

Integration in den Arbeitsmarkt braucht Zeit

Das Projekt richtet sich an Menschen, die gute Aussichten auf ein Bleiberecht haben. Eine Altersbegrenzung gibt es nicht. Grundkenntnisse der deutschen oder englischen Sprache sind aber Pflicht. Die Teilnehmer werden von der Arbeitsagentur und der Stadt abhängig von der jeweiligen Beschäftigung und Verfügbarkeit ausgewählt. Für den neuen Jahrgang soll es aber auch möglich sein, sich unabhängig davon eigenständig zu bewerben. Unterstützt wird die BASF bei der Vermittlung von der Agentur für Arbeit in Ludwigshafen.

Auch große Konzerne wie beispielsweise Adidas, Deutsche Bank, Deutsche Lufthansa, RWE und Volkswagen haben Erfahrungen mit ähnlichen Projekten gemacht. Zusammen mit anderen Unternehmen haben sie die Initiative "Wir zusammen" gegründet: ein Netzwerk, das das Engagement der Unternehmen für Flüchtlinge bündelt.

Bei derartigen Projekten zur Integration von Flüchtlingen stoßen Unternehme immer wieder an ihre Grenzen, wie das Beispiel BASF zeigt. Besonders die sprachlichen Fähigkeiten der Flüchtlinge bleiben oft hinter den Erwartungen zurück. Daran können auch die staatlichen Integrationskurse nichts ändern. Die Studie der Hans-Böckler-Stiftung bemängelt die deswegen mangelnde Qualifizierung der Flüchtlinge: Vorhandene Deutschkenntnisse reichten oft nicht aus, um einen Aufnahmetest zu bestehen oder eine Ausbildung erfolgreich zu absolvieren. Konzernsprecherin Meischen kann das für BASF bestätigen: "Mit Blick auf die kulturellen Unterschiede, die Sprachkompetenz und die Vorqualifikation der Teilnehmer merken wir, dass die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt Zeit braucht und schwierig ist." Schnelle Lösungen sind selten.

Die Kosten des Programms trägt BASF

Doch es gibt noch andere Hürden. Im Verlauf ihres Anerkennungsverfahrens müssen Flüchtlinge an verschiedenen Integrationskursen teilnehmen. Solche Pflichttermine mit dem Zeitplan des Programms zu vereinbaren, gelingt nicht immer. Bei BASF haben zudem einige Teilnehmer das Programm verlassen, weil sie zum Beispiel umgezogen sind.

Eine Integration in Jobs mit niedrigem Qualifikationsniveau sei zwar schneller möglich als die Versuche, Flüchtlinge in Ausbildungen zu bringen, sagt Meischen. Bei BASF gebe es solche Tätigkeiten aber kaum noch. Außerdem stellt das Unternehmen derzeit niemanden regulär ein, dessen Bleiberecht nicht geklärt ist.

BASF will daher das Engagement für die Integration von Flüchtlingen auf die Bereiche konzentrieren, bei denen langfristig die größten Erfolge zu erwarten sind: Das ist insbesondere die Ausbildungsvorbereitung. "Dadurch wollen wir Flüchtlingen mittelfristig den Zugang zu qualifizierter Beschäftigung ermöglichen", sagt Meischen.

Die Kosten des Programms "Start Integration" trägt BASF. Die Agentur für Arbeit beteiligt sich finanziell, wenn es um die Berufsorientierung in der Handwerkskammer geht. Wie viel sich BASF ihr Integrationsprogramm genau kosten lässt, wollte das Unternehmen auf Nachfragen nicht preisgeben.

Qualifizierung ist unumgänglich

Die Erfahrungen der BASF werden durch die Studie der Hans-Böckler-Stiftung gestützt: Dass Flüchtlinge direkt eine reguläre Arbeit bekommen, ist demzufolge eher die Ausnahme. Auch weil Jobs mit geringen fachlichen und sprachlichen Anforderungen überschaubar sind. Eine angemessene Qualifizierung ist deswegen unumgänglich.

Der große Aufwand lohnt sich aus Sicht der Studienautoren jedoch. Der Zugang zum Arbeitsmarkt sei einer der besten Wege für eine nachhaltige und erfolgreiche Integration, schreiben sie. Wenn erwerbsfähige Flüchtlinge eine Arbeit oder Ausbildung finden, könne die derzeitige Zuwanderung zur Chance für die Sicherung des Arbeits- und Fachkräftebedarfs werden. Sollte das jedoch misslingen, drohten ökonomische Belastungen, soziale Spannungen und die Gefahr, dass der Populismus in der Gesellschaft weiter wachse.

Quelle: ntv.de