Wirtschaft

"Umfassende Einigung" in Sicht? VW-Aktien stürmen Dax-Spitze

Volkswagen muss sich bis Donnerstag mit der US-Umweltbehörde EPA über die Reparatur oder den Rückkauf der rund 580.000 vom Abgas-Skandal betroffenen Autos in den USA einigen. Und Analysten zufolge wird genau das passieren. Die Anleger feiern bereits vor.

Mit einem Kursplus von zeitweise mehr als sieben Prozent haben sich die Aktien von Volkswagen an die Spitze im Dax gesetzt. Zum Handelsende notierten sie rund sechs Prozent fester. Einen konkreten Auslöser für die Rally konnten Börsianer zunächst nicht nennen. Ein Händler verwies auf Aussagen des Konzerns und einen Bericht der "Automotive News", demzufolge die Aufarbeitung des Abgasskandals in den USA Fortschritte macht.

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VW setzt den Angaben zufolge in der Abgasaffäre in den USA vielmehr weiter auf eine außergerichtliche Einigung. Eine von den Klägern geforderte beschleunigte Anhörung oder einen Prozess hält VW "nicht für angemessen oder für nötig", wie aus Dokumenten des Bezirksgerichts in San Francisco hervorgeht. Volkswagen muss sich bis Donnerstag mit der US-Umweltbehörde EPA über die Reparatur oder den Rückkauf der rund 580.000 manipulierten Autos in den USA einigen. Sollte das nicht gelingen, droht im Sommer ein Prozess.

Hinweis auf "umfassende Einigung"

Analysten werteten die Aussagen der VW-Anwälte in dem Gerichtsdokument daher als Hinweis, dass der Wolfsburger Konzern fristgerecht einen Kompromiss präsentieren wird. "Das stützt unsere Erwartung, dass VW am Donnerstag eine umfassende Einigung mit der EPA präsentieren wird", sagte Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI. Damit könne Volkswagen wahrscheinlich einen Schlussstrich unter die Probleme in den USA ziehen. "Volkswagen hat ein großes Interesse daran, sich zu vergleichen", sagte Frank Schwope von der NordLB.

Reuters hatte bereits vor längerem aus Unternehmenskreisen erfahren, dass die Niedersachsen an einer Gesamtlösung für die in den USA durch den Abgasskandal aufgebrochenen Konflikte arbeiten. Denn neben den Gesprächen über eine Einigung mit der US-Umweltbehörde über eine technische Lösung laufen auch Verhandlungen über die vom amerikanischen Justizministerium angedrohten Strafen wegen Verstößen gegen US-Umweltrecht.

Wie eine Gesamtlösung genau aussehen könnte, ist bislang nicht bekannt. Klar scheint lediglich, dass neben einem Reparaturplan für die von Manipulation betroffenen Dieselautos oder dem Rückkauf auch eine Kompensation für den jahrelangen überhöhten Stickstoffausstoß dieser Fahrzeuge nötig ist.

Nur die technische Seite

Für Volkswaren wäre eine Einigung mit den Umweltbehörden ein wichtiger Schritt bei der Bewältigung der Dieselaffäre. Dann wäre nämlich absehbar, wieviel Geld VW für den Skandal insgesamt zur Seite legen muss und ob der Konzern im vergangenen Jahr deswegen rote Zahlen geschrieben hat. VW will am Freitag vorläufige Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr präsentieren. VW hatte im dritten Quartal 2015 bereits 6,7 Milliarden Euro für die Reparatur der weltweit rund elf Millionen manipulierten Dieselautos zurückgestellt. Analysten erwarten weitere Milliarden-Rückstellungen.

Der erwartete Kompromiss mit der EPA betrifft nur die technische Seite der Dieselmanipulation. Die durch eine Klage des US-Justizministeriums drohenden Strafen kommen obendrauf. Noch ist unklar, um welche Beträge es dabei geht. Eine Summe von bis zu 46 Milliarden Dollar steht im Raum. Juristen schätzen, dass es weniger wird.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ

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