Wirtschaft
Video
Mittwoch, 27. Dezember 2017

Zwischen Berlin und München : Viele Züge auf neuer ICE-Strecke unpünktlich

In die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und München setzt die Bahn große Hoffnungen. Anfangs erreichen die meisten Züge ihr Ziel später als geplant - mittlerweile hat sich die Quote nach Angaben der Bahn verbessert.

Fast zwei Drittel aller Züge auf der am 10. Dezember eröffneten Neubaustrecke zwischen München und Berlin sind unpünktlich. Das geht nach Angaben der "Bild"-Zeitung aus einer Anfrage der Grünen an die Bundesregierung hervor. Zwischen dem 10. und 18. Dezember kamen demnach nur 94 Züge planmäßig am Zielort an, 195 Züge verspäteten sich um mehr als eine Minute, davon 125 um mehr als sechs Minuten.

Es sei "gehörig was faul" im Staatskonzern Bahn, sagte Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer dem Blatt. Es räche sich jetzt, dass die Bahn "in Prestigeprojekte und Weltkonzernambitionen investiert" und dabei ihr Kerngeschäft vernachlässige, "Menschen in Deutschland günstig, komfortabel und verlässlich von A nach B zu transportieren", sagte Krischer. Statt einzelner Hochgeschwindigkeitsstrecken und unterirdischer Bahnhöfe brauche die Bahn "Investitionen in Alltagsinfrastruktur für mehr Verlässlichkeit".

Video

Die Bahn will mit der zehn Milliarden Euro teuren Strecke den Fluggesellschaften Konkurrenz machen, hat aber seit der Inbetriebnahme mit Problemen zu kämpfen. Schon bei der Einweihung der Strecke blieb ein Zug liegen, es gab Verspätungen, einige Verbindungen fielen aus.

Technische Probleme

Die Bahn führte das auf Schwierigkeiten mit dem Zugsteuerungssystem ETCS, viele kaputte Züge durch den Wintereinbruch und sich anschließende Verzögerungen durch den einmal durcheinandergeratenen Fahrplan zurück.

Die Abkürzung ETCS steht für European Train Controm System. Es steuert und sichert Zugfahrten ohne Signale vollautomatisch ab und soll auch den grenzüberschreitenden Verkehr einfacher machen. Bislang finden sich an den meisten Strecken Signalmasten, die dem Lokführer vorgeschriebene Geschwindigkeiten oder Streckensperrungen anzeigen. Allerdings sind die Signale in verschiedenen Ländern unterschiedlich, weshalb beim Überqueren der Grenze etwa Lokführer getauscht werden müssen. Dazu kommt, dass die Lokführer bei hohen Geschwindigkeiten wie etwa auf der Schnellstrecke Berlin - München Probleme haben, die Signale noch zu erkennen.

Deshalb hat die Bahn dort ETCS installiert. Durch das neue Zugsicherungssystem werden die Masten überflüssig, denn die Informationen kommen digital im Führerstand an. Und das europaweit einheitlich. Kleine Kästen zwischen den Schienen übertragen die Anweisungen, wenn der Zug über sie hinwegfährt.

Jahrelange Verzögerung

Der Neu- und Ausbau der Strecke von Nürnberg nach Berlin hat rund zehn Milliarden Euro gekostet. Das "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8" ist eines der wichtigsten Bahnvorhaben vergangener Jahre. Sprinterzüge brauchen 3:55 Stunden von Berlin nach München, von der Hauptstadt nach Nürnberg 2:51 Stunden. Der 1991 beschlossene Bau hatte sich um mehrere Jahre verzögert, weil das Projekt 1999 durch die rot-grüne Bundesregierung vorübergehend gestoppt wurde.

Nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten auf der neuen Schnellfahrstrecke Berlin-München sowie dem Wintereinbruch kurz vor dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember habe sich die Pünktlichkeit im Fernverkehr mittlerweile deutlich stabilisiert, so die Bahn. Auch auf der Schnellfahrstrecke seien die Züge während der Feiertage zu mehr als 90 Prozent pünktlich gewesen. Die Bahn wertet Züge erst ab der sechsten Minute als verspätet.

Insgesamt ist nach Angaben der Deutschen Bahn fast jeder zehnte Fernzug an Weihnachten zu spät angekommen - umgekehrt seien also mehr als 90 Prozent der Züge an den Feiertagen pünktlich gewesen, sagte eine Konzernsprecherin.

Quelle: n-tv.de