Wirtschaft

Stirbt der Einkaufstempel? Wal-Mart setzt nicht mehr auf Malls

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Einkaufserlebnis Mall? In den USA zieht es die Kunden auch in kleinere Märkte.

REUTERS

Das Konzept riesiger Einkaufsmärkte geht nicht mehr auf. Wal-Mart reagiert: Erst kassiert der Einzelhandelsriese seine Gewinnprognose, dann den Umsatzausblick. Nun geht es den riesigen Shoppingmalls an den Kragen.

Wal-Mart kämpft mit einem Wachstumsproblem und hat seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr reduziert. Damit verschreckte der größte Einzelhändler der Welt Investoren das zweite Mal in diesem Jahr. Die Ankündigung im späten US-Börsenhandel ließ die Wal-Mart-Aktie um fast 3,6 Prozent einbrechen.

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Wal-Mart hatte erst im August seinen Gewinnausblick kassiert. Nun senkte der Konzern auch seine Umsatzprognose. Der Einzelhandelsriese rechnet im Geschäftsjahr noch mit einem Erlösplus von 2 bis 3 Prozent. Bisher hatte Wal-Mart einen Zuwachs von 3 bis 5 Prozent anvisiert.

"Schwache Wirtschaft" allerorten

Als Grund für den gesenkten Ausblick führte das Unternehmen den starken US-Dollar an, weshalb die im Ausland erzielten Erlöse niedriger ausfielen, wenn diese in Dollar umgerechnet würden. Auch für kommendes Jahr erwartet das Unternehmen kaum Verbesserungen. Dann sollen die Einnahmen um 2 bis 4 Prozent zulegen.

"Wohin auch immer ich reise, ich sehe eine schwache Wirtschaft und die Verbraucher am Limit, das hat sich das gesamte Jahr nicht geändert", sagte der für das internationale Geschäft verantwortliche Manager David Cheesewright.

Online statt Supermalls

Der Trend im US-Einzelhandel läuft derzeit gegen Wal-Mart. Wer gerne einkaufen geht, tut dies lieber in kleinen Geschäften statt in den riesigen Einkaufstempeln Wal-Marts. Oder die Kunden schalten einfach ihren Computer an und kaufen im Internet. Für beide Kundenbedürfnisse sind Großmärkte die falsche Antwort. Wal-Mart reagiert jetzt darauf: Die Zahl der geplanten neuen "Supercenters" wird halbiert.

Die gesparten Dollar will der Konzern jetzt in das Online-Geschäft stecken. Investitionen in den traditionellen Geschäftsbereichen von Wal-Mart würden verringert, um Mittel für neue Wachstumschancen freizumachen, sagte Wal-Mart-Chef Doug McMillon. Dabei will der Einzelhändler insgesamt etwas weniger investieren als letztes Jahr.

Zwei weitere Lager mit jeweils über 100.00 Quadratmeter Fläche will Wal-Mart jetzt bauen, um Internetbestellungen besser und schneller abwickeln zu können. Drei solcher Lagerhäuser hat der Konzern dieses Jahr schon in Betrieb genommen.

"Nachbarschafts-Märkte" laufen gut

Mit den bestehenden Großmärkten übt Wal-Mart schon seit zwei Jahren keine Anziehungskraft mehr aus. Seit 2012 stagnieren oder fallen die Kundenzahlen, immer weniger Menschen wollen hunderte Meter durch die langen Gänge mit Regalen wandern.

Wal-Mart kann auch klein. Zum Konzern gehören auch rund 400 sogenannte Neighborhood Markets, Lebensmittelgeschäfte mit unter 4000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Hier läuft das Geschäft besser. Im jüngsten Quartal (per Ende Juli) kletterten hier die Umsätze flächenbereinigt um 5,6 Prozent. In den 3400 Supercenters gingen sie dagegen um 0,3 Prozent zurück.

Quelle: n-tv.de, bad/DJ/rts

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