Wirtschaft

"Absurde Bewertung" Wirecard-Jäger attackiert Tesla

imago0143046468h.jpg

Tesla ist an der Börse mehr als eine Billion Dollar schwer.

(Foto: imago images/NurPhoto)

Fraser Perring hatte bei Wirecard den richtigen Riecher. Nun nimmt der Spekulant Tesla ins Visier. Doch mit Wetten gegen den E-Auto-Pionier haben sich schon andere Leerverkäufer die Finger verbrannt.

Der britische Investor Fraser Perring verdient (oder verliert) Geld, indem er auf den Kursverfall von Aktien wettet. Nun hat er einen namhaften Gegner gefunden: Tesla.

Tesla Motors (USD)
Tesla Motors (USD) 699,20

Perring ist in der Finanzbranche vor allem durch den Zusammenbruch von Wirecard bekannt geworden. Inzwischen blies er mit einem Tweet zur Attacke auf Tesla und kritisierte eine "Preisverschiebung" im Vergleich zu den Aktienkursen von Volkswagen und Toyota. Die beiden größten Autohersteller der Welt sind an der Börse zusammen weniger als halb so viel wert wie der E-Auto-Pionier - und das, obwohl sie im vergangenen Jahr jeweils etwa zehn Mal so viele Autos verkauft haben.

Perring hatte bereits 2016 mit seiner damaligen Firma Zatarra Research & Investigations vor Unregelmäßigkeiten bei dem mittlerweile implodierten Finanzkonzern Wirecard gewarnt und damit wiederholt dafür gesorgt, dass die Aktie nach unten rauschte. Zwischenzeitlich geriet der Brite ins Visier der deutschen Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin, die gegen ihn wegen Kursmanipulation ermittelte. Doch Recherchen der "Financial Times" bestätigten die Vorwürfe. Wirecard räumte Luftbuchungen in Milliardenhöhe ein. Der Zahlungsabwickler ist insolvent, der ehemalige Chef wartet auf seinen Prozess und der Finanzchef ist auf der Flucht.

Perring ist ein sogenannter Short-Seller, ein Leerverkäufer. Derartige Aktiengeschäfte sind an der Börse ein gängiges Mittel. Investoren verkaufen dabei Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr von anderen Marktteilnehmern geliehen haben. Sinkt der Aktienkurs bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich am Markt billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs, droht den Leerverkäufern allerdings ein Verlust. Das heißt: Perring hat ein Interesse daran, dass der Aktienkurs der von ihm ins Visier genommenen Firmen möglichst tief fällt.

"Völliger Unsinn"

Der Brite verstärkt seine Angriffe oft mit ausführlichen, aggressiven Studien, die er im Internet über seine neue Firma Viceroy Research veröffentlicht. Das bringt ihm oft den Vorwurf der Marktmanipulation ein. Einige seiner Angriffe liefen ins Leere. Im Fall Tesla betont Perring, dass er dem Unternehmen - etwa im Gegensatz zu Wirecard - keinerlei Unregelmäßigkeiten vorwerfe.

"Ich shorte niemals nur deshalb, weil Firmen überbewertet sind", legte Perring in einem Interview mit "Bloomberg" mit Blick auf Tesla allerdings nach. Das mache er nur dann, "wenn eine absurde Börsen-Bewertung mit völligem Unsinn gerechtfertigt wird." Konservativ geschätzt sei Tesla mindestens mit dem Faktor 10 überbewertet.

Dennoch ist Perring bei seiner Tesla-Spekulation vorsichtig und verwendet nach eigenen Angaben lediglich fünf Prozent seines Portfolios darauf. Bei Tesla müsse man das Risiko konsequent unter Kontrolle halten. Der Hintergrund: Angesichts des rasanten Kursanstiegs der Tesla-Aktie haben sich Leerverkäufer mit ihren Wetten gegen das Unternehmen immer wieder die Finger verbrannt.

Und dann ist das noch Elon Musk, derzeit der mit Abstand reichste Mensch des Planeten. Der Tesla-Chef hat sich schon häufiger mit Short-Sellern angelegt und ist ihnen in tiefer Abneigung verbunden. 2018 kündigte er per Tweet mal eben an, Tesla von der Börse zu nehmen. Der Aktienkurs schoss daraufhin nach oben. Kurz darauf ruderte Musk zurück. Es folgte großer Ärger mit der US-Börsenaufsicht. Doch der exzentrische Milliardär hatte erreicht, was er wohl erreichen wollte: Wetten von Leerverkäufern gingen gründlich schief, sie verloren sehr viel Geld.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen