Wirtschaft

Ausbau-Stillstand der Windkraft "Wo soll eigentlich unser Strom herkommen?"

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Bis 2030 sollen deutschlandweit Windräder mit einer Leistung von 115 Gigawatt installiert sein - doppelt so viele wie aktuell.

(Foto: picture alliance/dpa)

Europaweit steht Deutschland mit 64 Gigawatt (GW) installierter Leistung an Land und auf See bei der Windenergie unangefochten auf Platz eins. Doch der Zubau schwächelt massiv. Im Jahr 2021 ist er auf ein Viertel des bisherigen Rekordwertes aus dem Jahr 2017 zusammengeschrumpft. Wolfram Axthelm macht dafür ein neues Ausschreibungsmodell aus dem Jahr 2018 verantwortlich. "Aus heutiger Sicht kann man das kaum noch erklären, aber damals hat man gesagt: Das geht alles zu schnell, wir müssen Geschwindigkeit rausnehmen", erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbands Windenergie (BWE) im "Klima-Labor" von ntv. "Das hat das fatale Signal an die Bundesländer gesendet: Strengt euch nicht so an, wir brauchen weniger Tempo!" Eine Botschaft, die angekommen ist: Bayern hat im ersten Halbjahr 2022 lediglich drei neue Windräder genehmigt und drei weitere ans Netz genommen. In Sachsen gibt es statt eines Zubaus sogar einen Rückbau. Trotzdem ist Axthelm optimistisch, dass die Windenergie Deutschland zur Energiewende tragen wird: wenn die Wirtschaft weiter Druck macht und die Ampel ihre kühnen Pläne wie versprochen um deutliche kürzere Genehmigungsverfahren ergänzt.

ntv.de: Eine aktuelle Pressemitteilung von Ihnen beginnt mit folgendem Satz: "Es wird höchste Zeit, dass einige Bundesländer, allen voran Bayern, ihre Ablenkungsmanöver in der Energiepolitik endlich beenden." Das klingt ja nicht besonders zuversichtlich.

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Wolfram Axthelm ist Agraringenieur und Diplom-Betriebswirt. Bis 2013 war er Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern. Seitdem arbeitet er für den Bundesverband Windenergie.

(Foto: picture alliance / Flashpic)

Wolfram Axthelm: Das ist eine Mahnung an Bundesländer, die sich bisher aus irgendwelchen Gründen an den Rand der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe Energiewende gestellt haben. Die das Geschehen kommentiert haben, aber nicht selbst aktiv geworden sind. Insbesondere der Süden muss sich hier dringend neu ausrichten, weil er sonst ein massives Stromproblem bekommt.

Im Süden hat man die Dringlichkeit der Situation trotz des Ukraine-Krieges also immer noch nicht verstanden?

Das weiß ich nicht. Aber man hat die Situation auf jeden Fall zu lange verdrängt und gedacht, man kommt schon irgendwie um den Ausbau der Windenergie herum. Die ist innerhalb des künftigen Energiemixes aber der Masseträger, der Tag und Nacht Kilowattstunden bringt.

Im ersten Halbjahr 2022 wurden in Bayern drei Anlagen genehmigt und drei ans Netz genommen, obwohl 4,6 Prozent der Landesfläche für Windenergie nutzbar wären.

Ja, unter Zugrundelegung von Naturschutz und Artenschutz, aber auch von Abständen, die man in anderen Bundesländern natürlich auch kennt, könnte man diese Flächen bebauen. Bisher verweigert man sich dieser Öffnung für die Windenergie, obwohl Bayern durch seine Industrie einen enorm hohen Strombedarf hat. Das ist unser Appell an die bayerische Staatsregierung: die eigene Industrie und die eigenen Interessen stärker in den Blick nehmen und dafür sorgen, dass die sich mit erneuerbarem Strom auch aus Windenergie versorgen darf.

Welche Reaktionen erhalten Sie auf Ihre Appelle?

Lange Zeit sind die irgendwie im bayerischen Nebel versunken, man hat nicht viel gehört. Inzwischen erleben wir aber, und das begann im letzten Jahr vor der Bundestagswahl im September, dass die bayerische Wirtschaft sehr nervös ist. Die fragt: Wo soll eigentlich unser Strom herkommen, liebe Landesregierung? Diese Frage kann man nicht beantworten, indem man sagt, irgendwie kommt irgendwo schon Wasserstoff her, der Strom wird seinen Weg nach Bayern durch Leitungen finden, die noch nicht gebaut sind oder, indem man auf Solarstrom als alleiniges Heilmittel setzt. Wir brauchen auch bei den Erneuerbaren einen Energiemix, und da gehört Wind auch im Süden ganz stark dazu. Hessen und Rheinland-Pfalz zeigen ja, dass viel passieren kann, wenn der politische Wille da ist.

Man spricht ja oft über Bayern, weil die Diskrepanz dort am größten ist. Aber auch in Baden-Württemberg läuft es nicht so gut, oder?

Auch dort ist die Situation kritisch, ja. Der grün geführten Landesregierung ist es in den letzten 12 bis 14 Jahren nicht gelungen, die Themen Windenergie und Artenschutz zu klären. Das ist dort das große Hindernis. Dadurch gibt es in Baden-Württemberg de facto einen Ausbau-Stillstand. Nach der Landtagswahl ist aber der Eindruck entstanden, die neue Regierung geht den Ausbau mit einer anderen Willensstärke an, auch wenn es dieselben Farben sind. Anders als in Bayern gibt es dort keine politische Abwehrhaltung.

Eine ähnlich bedenkliche Entwicklung gab es auch in Sachsen. Dort hat man sich der Energiewende eigentlich verweigert und zu lange auf die Kohle geschaut. Es gibt keine geordnete Regionalplanung, also keine Flächen, die für Windenergie ausgewiesen sind. Inzwischen verzeichnet Sachsen sogar ein negatives Wachstum: Wird eine alte Anlage abgebaut, wird sie nicht durch eine neue ersetzt. Das ist widersinnig, weil klar ist, dass Sachsen in vielen Technologien, die für die Energiewende wichtig sind, inzwischen einer der führenden Standorte ist. Diese Standorte müssen natürlich mit erneuerbarer Energie versorgt werden, ansonsten ist das nicht glaubwürdig.

Woran scheitert es denn in diesem Spannungsfeld von Artenschutz und Naturschutz?

Die neue Bundesregierung hat eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes auf den Weg gebracht, um für die Behörden in den 16 Ländern einen einheitlichen Standard zu schaffen. Es sind 15 Vogelarten definiert worden, die besonders in den Blick genommen werden müssen bei Prüf- und Tabu-Abständen. Das trägt zu einer Vereinheitlichung der Genehmigungen bei, bringt Licht in diese komplexe Materie und erleichtert den Behörden vor Ort die Arbeit. Das ist richtig und wichtig, weil wir den Naturschutz davon erlösen müssen, von einigen Gegnern der Windenergie als Strohhalm missbraucht zu werden.

Also definieren wir jetzt einfach neu, was Naturschutz bedeutet, um mehr Windkraftanlagen bauen zu können?

Ganz so ist es nicht. Es geht immer darum, dass wir zwei Prozent der Landesfläche bebauen wollen, und es freut uns, dass die Bundesregierung dieses Ziel im Juli auch für jedes Bundesland definiert hat. In Voruntersuchungen wollen wir Flächen ausfindig machen, die nicht besonders konfliktträchtig sind. Aber es wird auch einige problematische Standorte geben, in denen ein Rotmilan oder eine Sumpfohreule lebt. Dieses eine Tier darf aber nicht von Gegnern der Windenergie missbraucht werden. Deshalb versuchen wir und auch die Umweltverbände, die gesamte Population in einer Region zu stärken, damit man nicht das einzelne Tier, das in seinem 10- oder 15-jährigen Leben einmal das Risiko hätte, gegen eine Windkraftanlage zu fliegen, zum Anlass nimmt, die gesamte Energiepolitik infrage zu stellen.

So wie für den Kohleabbau ganze Dörfer umziehen mussten, müssen jetzt vielleicht ein paar Rotmilane umziehen?

Die müssen nicht umziehen. Aber wir müssen genau bewerten, ob wirklich ein Kollisionsrisiko mit einer Anlage besteht. Das ist bei den modernen Anlagen sehr viel geringer, weil sich der Rotor außerhalb der Flughöhe dieser Vögel dreht. Bei den alten Anlagen war es gefährlicher, vor allem beim Rotmilan. Der fliegt in 40 Metern Höhe und guckt nach unten, weil er Mäuse fangen möchte. Dann sieht er nicht, was vor ihm passiert.

Wo finde ich das Klima-Labor?

Das Klima-Labor finden Sie bei ntv und überall, wo es Podcasts gibt: Audio Now, Apple Podcasts, Amazon Music, Google Podcasts, Spotify, RSS-Feed

Große Windräder sind für Vögel also besser?

Für Vögel, aber auch für die Energiewirtschaft, weil die Rotoren in größerer Höhe mehr Ertrag liefern und auch beständiger.

Weil da beständiger Wind ist?

Richtig.

Aber der Rotmilan ist doch nicht der Grund, warum in Sachsen Windräder abgebaut und nicht erneuert werden.

Nein, dort wird der Naturschutz missbraucht und als Grund herangezogen, damit man andere, die für die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar wären, verschweigen kann. Das ist eine Verweigerungshaltung. Sachsen hat lange Zeit gesagt: Die Energiepolitik der Bundesregierung ist falsch, wir wollen die nicht unterstützen. Es läuft doch wunderbar mit Atom und Kohle. Aus dieser Sackgasse muss man sich erst mal wieder herausmanövrieren.

Technologien, die nachweislich keine Zukunft mehr haben: Wie möchte denn Sachsen in Zukunft seinen Strom erzeugen?

Wir sind positiv überrascht gewesen, und das meine ich wirklich ehrlich, dass Sachsen im letzten Koalitionsvertrag festgeschrieben hat: Wir haben erkannt, in welcher Bredouille wir sind.

Traurig, dass Sie erwähnen müssen, dass das kein Scherz ist.

Ja (lacht). Aber sie haben eingeräumt, dass sie die Verstromung aus Kohle zurückfahren und die Stromerzeugung aus Erneuerbaren stärken müssen. Bis zum Ende der Legislatur wollen sie so und so viel Terawattstunden erneuerbaren Strom produzieren. Ob sie den mit Wind, Sonne oder Bioenergie erzeugen wollen, ist zweitrangig. Aber die Regierung hat erkannt, dass sie Kohle ersetzen muss. Das war ein wichtiges Zeichen. Eine grüne Regierungsbeteiligung kann also auch in einem Bundesland wie Sachsen durchaus erfolgreich sein.

Sind Sie denn zuversichtlich, dass dieses Ziel auch erreicht wird?

Wir sind zuversichtlich, dass die sächsische Regierung erkennt, dass man umsteigen muss. Das hat auch viel mit der dortigen Industrie zu tun, die nämlich eindeutig sagt: Wir wollen hier E-Autos, Speicher und Solaranlagen produzieren, und zwar in Werken, die ihren Strom erneuerbar bekommen.

In den vergangenen Jahren ist der Zubau bei der Windenergie aber extrem zurückgegangen. Bis 2017 gab es einen stetigen Zuwachs, damals sind 6,6 Gigawatt in einem Jahr dazugekommen. Das entspricht der Leistung von sechs Atomkraftwerken. 2021 waren es nur noch 1,72 Gigawatt, also nur noch ein Viertel davon.

Wir haben 2018 einen Bruch erlebt. Wie Sie richtig sagen: 2014 bis 2017 gab es jedes Jahr einen Zubau von im Schnitt 4500 Megawatt. Dann hat die damalige Bundesregierung entschieden, dass man den Zubau über Ausschreibungen kanalisieren muss. Aus heutiger Sicht kann man das kaum noch erklären, aber damals hat man gesagt: Das geht alles zu schnell, wir müssen Geschwindigkeit rausnehmen. Deshalb hat man ein neues Ausschreibungssystem auf den Weg gebracht, das ab 2018 jährlich nur noch einen Zubau von 2800 Megawatt zuließ. Das hat das fatale Signal an die Bundesländer gesendet: Strengt euch nicht so an, wir brauchen weniger Tempo!

Dann hat die Flächen-Ausweisung auf einmal nachgelassen, die Genehmigungsverfahren wurden länger. 2019 war das schwierigste Jahr mit einem Zubau von knapp 1000 Megawatt. Seitdem arbeitet man sich langsam wieder hoch. Inzwischen hat die Politik erkannt, dass das die falsche Richtung war, dass wir eine Beschleunigung brauchen. Aber wenn man eine Branche einmal halbiert hat, spürt man das natürlich. Das kann man nicht von heute auf morgen ausgleichen.

Was war denn das Argument dafür, dass es zu schnell geht?

Wenn der Ausbau der Erneuerbaren zu schnell passiert, wie geht es dann mit dem Kohleausstieg weiter? Was passiert mit der Atomkraft? Was wird aus dem Leitungsbau? Diese Fragen haben die Politik überfordert. Deshalb wollte man Tempo rausnehmen.

Man wollte Arbeitsplätze und Wählerstimmen retten?

Wie auch immer. Das Problematische war aus unserer Sicht eigentlich, dass dieselbe Regierung, die 2017 die Halbierung des Zubaus auf den Weg gebracht hat, kurz danach das Pariser Klimaschutzabkommen ratifiziert hat, wo eigentlich das Gegenteil drin stand. Insofern hätte man spätestens 2018 oder 2019 handeln müssen. Dazu war die Große Koalition wegen innerer Widerstände nicht mehr in der Lage. Insofern kam der Regierungswechsel aus unserer Sicht gerade noch rechtzeitig. Jetzt haben wir eine Koalition aus drei Parteien, die sehr überzeugend und klar sagen: Wir müssen beim Ausbau der Erneuerbaren vorankommen, wir müssen schneller werden, wir müssen sehr viel mehr Zubau erreichen. Das hat der Branche neue Zuversicht gegeben. Das war im Übrigen schon vor dem Angriff auf die Ukraine.

Sie sind ja im Grunde ein Lobbyverband und das auch von einer starken Industrie. Welche anderen Verbände waren denn so viel stärker, dass sie die Windindustrie so überrennen konnten?

Ich weiß gar nicht, ob es an anderen Lobbyverbänden lag oder wirklich an einer stark verunsicherten Politik. Wir haben 2014 bis 2017 jährlich 4500 Megawatt Zubau gehabt. In diesen Jahren haben sie auf jeder Autobahn zu jeder Zeit Transporte von Windkraftanlagen gesehen. Überall ist etwas passiert.

Und das hat den Leuten Angst gemacht?

Manchen bestimmt. Und die Politik hat zum Teil falsche Schlüsse daraus gezogen. Natürlich führt die Dezentralität unserer Energie in einem erneuerbaren System dazu, dass die Produktion dichter an die Bürger heranrückt. Natürlich sieht man Windkraftanlagen. Natürlich gucken mehr Menschen auf eines von 29.000 Windrädern als auf die verbliebenen Atomkraftwerke. Dadurch macht man sich anders Gedanken und reflektiert anders. Dann gab es sozusagen einen Kurzschluss, indem man sagte: Wenn noch mehr Windkraftanlagen gebaut werden, habe ich möglicherweise weniger Erfolg bei Wahlen.

Es geht ja immer darum, wie man seinen politischen Willen umsetzt und wie man den Menschen vor Ort erklärt, was gerade passiert. Dass das funktioniert, sieht man an den norddeutschen Ländern. Schleswig-Holstein, Niedersachsen, aber auch Sachsen-Anhalt haben auch in den schwierigen Jahren sehr viel Zubau erlebt. Dort gab es keinen krassen Bruch. Das zeigt, dass vieles möglich ist, wenn Politik mit den Menschen spricht und erklärt. Aber wenn Politik vor Schreck anfängt, nur noch Probleme zu diskutieren, kann man auch eine Krise herbeireden. Bis zu realen Wahlergebnissen ist es dann nicht mehr weit.

Sie haben die Ampel jetzt schon zweimal für den Kurswechsel beim Ausbau der Windenergie gelobt. Wurde denn dieses Ausschreibungsmodell, das alles gebremst hat, wieder abgeschafft oder angepasst?

Die neue Koalition hat das Ausschreibungs-Volumen deutlich angehoben. Im nächsten Jahr beträgt es für die Windenergie 12.840 Megawatt, ab 2024 sind es jährlich 10.000 Megawatt. Daran sieht man, dass die Aufgabe gewaltig ist, was der Branche aber auch das Signal gibt: Hier meint es eine Bundesregierung ernst, wir brauchen mehr. Zumal in den Gesetzen nicht in Vier-Jahres-Schritten gearbeitet wird, sondern mit Perspektiven bis 2030 und 2040.

Das Ausbauziel für 2030 sind 100 Gigawatt, also 100.000 Megawatt ...

Inzwischen sind es 115 Gigawatt, der Gesetzgeber hat in der letzten Phase noch einmal nachgebessert - auch unter dem Eindruck des Ukraine-Krieges und der Gaskrise. Heute haben wir an Land 56 Gigawatt installierte Leistung, wir brauchen also mehr als eine Verdoppelung der aktuellen Leistung. Aber das wird nicht bedeuten, dass wir doppelt so viele Anlagen brauchen, weil wir einen modernen Park bauen. Die Koalition möchte das Repowering ausbauen: Wo schon eine alte Anlage steht, soll man über ein einfaches Genehmigungsverfahren eine neue errichten dürfen.

Die dann mehr PS hat?

Neue Anlagen haben in der Regel das Vierfache an Leistung. Das durchschnittliche Windrad im heutigen Park von 29.000 Anlagen hat 1,8 Megawatt Leistung. Das, was neu gebaut wird, hat durchschnittlich 5,3 Megawatt Leistung. Wir haben auch schon 6-Megawatt-Anlagen in der Installation. Daran sieht man, was durch die Erneuerung bestehender Anlagen-Technologien möglich ist.

Diese Anlagen sind vermutlich größer und haben längere Rotorblätter? Kann es dann Schwierigkeiten mit dem Platz geben?

Wir haben 2011 in einer großen Studie von zwei Fraunhofer-Instituten gezeigt, dass auf zwei Prozent der Landesfläche bei Zugrundelegung einer Weiterentwicklung der Technologie am Ende 200 Gigawatt installierter Leistung möglich sind. Aus diesen 200 Gigawatt wären 770 Terawattstunden Strom lieferbar. Das ist deutlich mehr, als Deutschland heute verbraucht. Aber wir wissen alle, dass der Verbrauch in den Bereichen Wärme und Mobilität steigen wird. Insofern sind diese zwei Prozent eine gute Grundlage.

Es klingt so, als seien Sie mit dem neuen Rahmen sehr zufrieden. Was muss passieren, damit wir diese Zubau-Ziele auch erreichen?

Die Bundesregierung hat angekündigt, dass sie nach der Sommerpause ein weiteres Paket auf den Weg bringt, um Hürden und Hemmnisse abzubauen: ein Planungs-Beschleunigung-Gesetz, weil das große Problem die überlangen Genehmigungsverfahren sind. Im Durchschnitt dauert es aktuell von Antragstellung bis zur Genehmigung eines Windrades fünf Jahre. Hier braucht es eine deutliche Straffung, damit wir auf ein Jahr kommen. Das ist möglich durch Änderungen im Bundesemissionsschutzgesetz, die eine Festschreibung der dort genannten Fristen definieren. Heute ist es zum Beispiel so, dass eine Behörde sagt: Es haben sich noch nicht alle Träger öffentlicher Belange geäußert. Wir setzen die Frist aus und geben ihnen noch einmal vier Wochen Zeit und dann noch mal vier Wochen und noch einmal vier Wochen. Dann ist das Jahr plötzlich um und man stellt fest: Oh, es haben sich naturschutzrechtlich neue Sachverhalte ergeben. Erstellt bitte ein Gutachten, was sich verändert hat. Aus dieser Schleife von Verlängerungen, Stellungnahmen und Gutachten kommen Sie nicht mehr raus. Da müssen wir einen Schnitt machen, das hat die Bundesregierung angekündigt.

Man kann nicht immer alle ins Boot holen?

Richtig. Irgendwann muss entschieden werden.

Das heißt, die Angst, dass es zu schnell gehen könnte, die 2018 eine Rolle gespielt hat, ist jetzt nicht mehr da?

Nein, weil die Politik erkannt hat, dass es schneller gehen muss und die vergangenen Jahre mit der Zubau-Delle Deutschland geschadet haben. Hätten wir den Zubau von 2014 bis 2017 mit 4500 Megawatt jährlich fortgeschrieben, hätten wir heute 18 Gigawatt mehr installierte Leistung. Dann würde man ganz anders über die aktuellen Herausforderungen diskutieren.

Mit Wolfram Axthelm sprachen Clara Pfeffer und Christian Herrmann. Das Gespräch ist zur besseren Verständlichkeit gekürzt und geglättet worden.

Klima-Labor von ntv

Was hilft gegen den Klimawandel? "Klima-Labor "ist der ntv-Podcast, in dem Clara Pfeffer und Christian Herrmann Ideen und Behauptungen prüfen, die toll klingen, es aber selten sind. Klimaneutrale Unternehmen? Gelogen. Klimakiller Kuh? Irreführend. Aufforsten? Verschärft Probleme. CO2-Preise für Verbraucher? Unausweichlich. Windräder? Werden systematisch verhindert.

Das Klima-Labor - jeden Donnerstag eine halbe Stunde, die informiert und aufräumt. Bei ntv und überall, wo es Podcasts gibt: Audio Now, Apple Podcasts, Amazon Music, Google Podcasts, Spotify, RSS-Feed

Quelle: ntv.de

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