Wirtschaft

Seit Einführung von Mindestlohn Zahl der Aufstocker sinkt

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Leichter Rückgang der Aufstocker - hilft der Mindestlohn?

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Jahresbeginn gilt auf dem deutschen Arbeitsmarkt eine fast flächendeckende Lohnuntergrenze von 8350 Euro. Einem Medienbericht zufolge profitieren davon etliche Geringverdiener. Doch Experten warnen vor zu viel Optimismus.

Mit der Einführung des Mindestlohns zu Jahresbeginn ist die Zahl der Arbeitnehmer gesunken, die trotz Jobs auf Hartz IV angewiesen sind. Im Dezember 2014 habe es in Deutschland noch 1,268 Millionen sogenannte Aufstocker gegeben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Im Februar 2015 seien es mit 1,223 Millionen etwa 45.000 weniger gewesen. Dabei beruft sich die Zeitung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen.

Demnach habe sich auch der Anteil der Aufstocker an den derzeit knapp 4,3 Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfängern von 29,3 Prozent Ende 2014 auf 27,8 Prozent im Februar 2015 verringert.

Eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit (BA) wies dem Blatt zufolge darauf hin, dass es zum Jahreswechsel immer einen Rückgang der abhängig beschäftigten Aufstocker gebe, "vermutlich weil auch Aufstocker von Winterarbeitslosigkeit betroffen sind und deshalb vorübergehend nur Hartz IV erhalten". Da der Rückgang aber stärker als in den vergangenen Jahren ausgefallen sei, deute dies darauf hin, "dass dies mit der Einführung des Mindestlohns zusammenhängt". Allerdings könnten auch Aufstocker wegen des Mindestlohns ihren Job verloren haben.

Laut dem Bericht kam ein Aufstocker vor Einführung des Mindestlohns auf durchschnittlich 6,80 Euro pro Stunde. Zwei Drittel von ihnen bezogen weniger als 7,50 Euro. In Ostdeutschland belief sich der Schnitt auf 5,20 Euro, wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herausgefunden habe. Das IAB hatte prognostiziert, dass mit der Einführung der Lohnuntergrenze von 8,50 Euro die Hartz-IV-Ausgaben um bis zu 900 Millionen Euro geringer ausfallen könnten.

Quelle: ntv.de, jwu/rts