Kolumnen

Händler sind begeistert Bikini-Damen bezaubern Börsianer

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Begegnung zweier Welten: Ein Börsianer erklärt den Damen aus der aktuellen Swimsuit-Edition seinen Arbeitsplatz: Kelly Rohrbach (M.) und Ashley Smith (r.) hören offenkundig nicht uninteressiert zu.

(Foto: REUTERS)

Ungewohnte Eleganz am Aktienmarkt: Inmitten gestresster Händler tauchen an der New Yorker Börse die derzeit angesagtesten Top-Models auf. Ein börsennotierter Verlagskonzern schickt die Schönheiten auf Werbetour.

Die Börse kommt ganz schön ins Schwimmen... - die Betonung liegt auf "schön". Seit dieser Woche ist eines der meist verkauften Magazine Amerikas auf dem Markt: die Swimsuit Edition von "Sports Illustrated", mittlerweile liegt die fünfzigste Ausgabe vor. Für den Time-Verlag ist der Bikini-Katalog eine Erfolgsgeschichte ohne gleichen, auch finanziell. Deshalb war es nur angemessen, eine Handvoll Nixen direkt an die Börse zu schicken.

An der New York Stock Exchange bezauberte ein halbes Dutzend ausgesuchter Schönheiten die Händler auf dem Parkett, dann ging es zum Läuten der Glocke auf den berühmten Balkon. Da gesellte sich die Verlagsspitze dazu, und auch der sonst recht medienscheue Börsenchef Tom Farley gab sich die Ehre.

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n-tv-Börsenreporter Lars Halter strahlt.

Zugegeben, nicht nur die Händler waren vom Besuch der Models begeistert, auch andersrum war der Besuch gelungen: Erin Heatherton und Ashley Smith ließen sich von Händlern das Prozedere der Börse erklären, Sara Sampaio durfte sogar eines der kleinen Touchscreens in die Hand nehmen, auf denen sonst Orders ausgeführt werden. Man kann nur hoffen, dass sie sich nicht vertippt hat...

Provokativer Erfolgsgarant

Der dauernd gut gelaunte Star-Händler Peter Tuchman, auf dem Parkett mal "Einstein" und mal "Krusty" genannt, posierte ausgelassen mit den jungen Damen, die nebenbei Selfies mit den Tradern machten. Dann ging es für die ganze Gruppe zum Stand 6P, wo die Aktie von Time gehandelt wird. Der Verlag wurde erst vor einem halben Jahr aus dem Medien-Imperium von Time Warner ausgegliedert und gehört zu den Neulingen im New Yorker Börsenhandel.

Und wenn es für das Papier auch gerade nach unten ging, an den Bikini-Mädels lag es nicht. Denn die gehören seit Jahren zu den Erfolgsgaranten eines Konzerns, zu dem sonst noch das politische Wochenmagazin "Time" und zahlreiche andere Sport- und Lifestyle-Hefte gehören.

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Willkommene Abwechslung an der Börse: Aktienhändler Peter Tuchman (in Turnschuhen) gibt alles.

(Foto: REUTERS)

Die Geschichte der Swimsuit Edition beginnt 1964 mit einem deutlich weniger aufreizenden Heft. Ursprünglich diente die Strandausgabe der Ablenkung der Leser in den kalten Wintermonaten, in denen wenig wichtige Sportereignisse anstanden – Seiten mussten gefüllt werden, und in den Spielpausen von NFL und Co. bot sich eine Vorschau auf den Sommer an. Wohlgemerkt kamen nicht nur Models zum Zuge, sondern auch viele aktive Athleten, zunächst vor allem Tennis-Stars. Nach Steffi Graf, Serena Williams und Anna Kournikova setzt Caroline Wozniacki im aktuellen Heft die Reihe fort.

Enorme Reichweite

Die Swimsuit Edition wurde schnell ein Erfolg, und auch finanziell machte sich das immer mehr bemerkbar. Heute ist das Magazin ein Milliarden-Imperium. Jeder dritte Amerikaner liest das Heft, das in der Zielgruppe der 18- bis 34-jährigen Männer mehr Leute erreicht als der Super Bowl. Entsprechend hoch sind die Werbeeinnahmen: Mehr als 50 Millionen Dollar wurden für die aktuelle Ausgabe geschaltet. Neben der abonnierten Auflage verkauft die Bikini-Ausgabe rund 1 Million Hefte am Kiosk – rund fünfzehn Mal so viel wie andere Magazine. Das einzelne Heft macht damit 7 Prozent des Umsatzes aus, den "Sports Illustrated" insgesamt erwirtschaftet, dabei erscheint das Heft wöchentlich.

Dass auch die jüngste Ausgabe wieder ein grandioser Erfolg wird, ist nahezu garantiert - schon allein, weil die Veröffentlichung gleich mit einem handfesten Skandal einherging. Konservative Stimmen kritisierten das Titelbild, das Hannah Davis in aufreizender Pose zeigt. Das gehört so, möchte man meinen, schließlich dreht sich das Magazin um schöne Mädchen und Bikinis. Wer das nicht mag, soll es sich nicht kaufen.

Doch so leicht ist das nicht in einem Amerika, in dem die religiöse Rechte immer stärker wird. Das National Center on Sexual Exploitation rief bereits Händler und Kioskbetreiber dazu auf, den Titel im Zeitschriftenregal zu verhüllen. Skandal Nummer zwei dreht sich um Robyn Lawley, die als erstes "Plus Size"-Model im Magazin ist, wie der Verlag stolz warb. Die Botschaft: Nicht nur superschlank darf an den Strand, auch Übergröße kann sexy sein. Das Problem: Lawley dürfte bei den meisten Betrachtern nicht als Übergröße auffallen, sondern als Schönheit mit absoluten Traummaßen. Ein Schlag ins Gesicht für die Anti-Schlankheitswahn-Lobby... aber definitiv gut für ein paar Schlagzeilen und damit verkaufsfördernd.

Quelle: n-tv.de

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