Kolumnen

Wie am Stammtisch Wall Street bevorzugt Republikaner

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(Foto: REUTERS)

Wer wird nach Barack Obama ins Weiße Haus einziehen? Für die meisten Händler an der Wall Street ist die Sache klar: Egal, Hauptsache ein Republikaner.

Die USA feiern. Und zwar das ganze Land: Demokraten und Republikaner - erstere den Geburtstag von Barack Obama, der am Donnerstag 54 wird, letztere den offiziellen Beginn ihrer Kandidatenkür. Die zehn führenden Präsidentschaftsanwärter der Republikaner treten außerdem zur ersten TV-Debatte an. Ob einer von ihnen in anderthalb Jahren ins Weiße Haus einzieht?

Für die meisten US-Amerikaner sind am Donnerstag die Events der Republikaner spannender. Obama feiert schließlich im kleinen Kreis - wer darf da schon rein? Die Opposition hingegen wird beim Haussender Fox News ein Spektakel auffahren, das für Fans der Beginn einer längst überfälligen konservativen Revolution ist und für die Gegner absurdes Theater vom Feinsten.

Die meisten Trader an der Wall Street sind Republikaner. Auf dem Parkett diskutiert man seit Wochen über die Kandidaten, schließlich ist die Wall Street nicht mehr und nicht weniger USA als jeder andere Flecken des Landes. Wer glaubt, dass die Experten an der Wall Street mehr über Politik und Wirtschaft wüssten als andere, der irrt. Das Parkett ist wie ein Stammtisch ohne Bier, man redet so leidenschaftlich und oft genauso planlos und unverständig wie an der Bar.

Die meisten Händler mögen Rand Paul, der einen ungezügelten Markt frei von Regulierungen fordert. Andere mögen Scott Walker, den Gouverneur aus Wisconsin, der dort erfolgreich gegen die Gewerkschaften kämpft. Und dann ist da natürlich Donald Trump, der Milliardär ...

Den sah ich jüngst auf einem der Fernseher auf dem Parkett bei einem seiner zahlreichen grotesken Auftritte. Ich fragte einen Händler hämisch, ob er sich schon auf die Präsidentschaft des durchgeknallten Immobilienmagnaten freue. Er sah mich mit ernster Miene an und sagte, es wäre wohl "nicht schlimmer als was wir jetzt haben".

Einem Großteil der US-Amerikaner spricht der Händler damit aus der Seele. Die Republikaner können das Land still legen, den Haushalt sperren, Kriege anzetteln und auf Schwule schimpfen, aber besser als Obama sind sie allemal. Dass Obama in den bisherigen drei Vierteln seiner Amtszeit mehr geleistet hat als die meisten seiner Amtsvorgänger will man nicht wahrhaben.

Obama kann entspannt feiern

Diese Woche, ein paar Tage vor seinem Geburtstag, bekommt der Präsident ein wenig Applaus von Paul Krugman. Den Wirtschaftsnobelpreisträger, einer der klügsten Köpfe im Lande, mag man an der Wall Street nicht, denn er schreibt für die "New York Times" und ist damit sowieso als Linker abgestempelt.

Aber immerhin hantiert Krugman mit Zahlen und Fakten. Obama lobt er für die Gesundheitsreform und nicht zuletzt den wirtschaftlichen Aufschwung in den letzten Jahren. Immerhin ist während Obamas Zeit im Weißen Haus die Arbeitslosigkeit um die Hälfte gesunken, während die Kurse an der Wall Street auf das Doppelte gestiegen sind. Zwischendurch hat Obama die Automobil-Industrie gerettet und die Banken ein wenig reguliert... Zugegeben: Nicht alle Reformen gingen so weit, wie Experten forderten, aber das lag weniger am Präsidenten als an der Blockade-Politik der Opposition.

Obama wird längst egal sein, wie ihn seine politischen Gegner einschätzen. Er hat seinen Platz in den Geschichtsbüchern und zieht jetzt noch ein paar Dinge durch, die seine Amtszeit geradezu historisch erscheinen lassen werden: Kuba, Umweltschutz, vielleicht noch eine Strafrechtsreform ...

Am Donnerstag kann er in aller Ruhe feiern - am Abend schaut er wohl seinen Gegnern beim Streiten zu. So kaputt wie die sich im Moment zeigen, ist es wohl das schönste Geburtstagsgeschenk für den Präsidenten.

Quelle: n-tv.de

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